VOR 30 JAHREN Dirk Grempler spielte für den FCM im letzten Europapokalspiel

„Das kann mir keiner nehmen“

Der 1. FC Magdeburg 1990. In dem Jahr spielte der Club letztmals in einem Europapokalspiel, schied bei Girondins Bordeaux in Runde zwei aus.
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Der 1. FC Magdeburg 1990. In dem Jahr spielte der Club letztmals in einem Europapokalspiel, schied bei Girondins Bordeaux in Runde zwei aus.

Bismark – „Das war für mich der größte Moment in meiner Laufbahn. “ Gern erinnert sich Dirk Grempler an den Herbst 1990. In der schnelllebigen Zeit, die Mauer war gerade ein Jahr gefallen, die deutsche Einheit vollzogen, spielte der damals 22-Jährige beim 1. FC Magdeburg.

Im bislang letzten Europapokalspiel stand der Bismarker beim FC Girondins Bordeaux mit auf dem Rasen. Ein Erlebnis, das er nie vergessen wird.

Der Bismarker Dirk Grempler war über die volle Distanz beim Spiel in Bordeaux dabei.

Es war die 2. Hauptrunde im UEFA-Cup. In er ersten hatte der FCM den finnischen Vertreter Rovaniemen PS ausgeschaltet. Nach dem torlosen Remis im Hinspiel folgte am 2. Oktober der 1:0-Erfolg durch ein Tor von Heiko Laeßig in der 4. Minute. Auch in diesem Auswärtsspiel war der junge Grempler über die volle Distanz dabei. Gut vier Wochen später in Frankreich spielen zu dürfen, noch dazu bei einem der damals besten europäischen Clubs, war dann noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Wenn Dirk Grempler an das fast ausverkaufte Stadion in Bordeaux denkt, an den schier unendlich langen Tunnel, bekommt er auch 30 Jahre später noch eine Gänsehaut. „Das kam mir wie eine Ewigkeit vor, das war schon etwas Prägendes für mich.“

Schon im Vorfeld des Rückspiels – das Hinspiel zu Hause hatte der 1. FC Magdeburg ohne Dirk Grempler 0:1 verloren – war die Aufregung groß. „Wir wurden bei einem Herrenausstatter in Braunschweig eingekleidet“, weiß der 52-Jährige noch genau. So kurz nach der politischen Wende war das für den Quedlinburger eine neue Erfahrung. Mit dem Flugzeug ging es nach Frankreich. Rund 500 FCM-Fans reisten in Bussen an. Angekommen, wurden die Magdeburger Fußballer mit einer Polizei-Eskorte zum Hotel gefahren. Und konnten sich wie echte Prominente fühlen. Die Nationalspieler, mit denen Grempler damals beim FCM zusammengespielt hat, kannten das Prozedere. Doch für den jungen Abwehrspieler, der erst wenige Monate beim Club war und erstmals die internationale Fußballbühne betrat, sind diese Zeiten für immer unvergessen. Bei den Magdeburgern waren damals neben Grempler Dirk Heyne, Dirk Stahmann, Jens Gerlach, René Schneider, Frank Siersleben, Heiko Laeßig, Frank Cebulla und Uwe Rösler in der Startelf. Namen, die alten FCM-Fans durchweg bekannt sind. Auf der Gegenseite liefen für Girondins Bordeaux unter anderem Bixente Lizarazu, Didier Deschamps, Jean-Marc Ferreri und Wim Kieft auf. Alles Profis, die zur Crème de la Crème des französischen Fußballs zählten. Ein Jahr später wechselte sogar Zinédine Zidane zu Girondins.

„Woran ich mich noch gut erinnere, dass mein damaliger Schwager Dirk Heyne im Tor ein ganz starkes Spiel gemacht und zahlreiche Torchancen der Franzosen nicht ins Ziel fanden.“ Nur ein einziges Mal setzten sich die Gastgeber durch. Ferreri traf zum 1:0-Endstand (60.). Damit war das FCM-Aus im Europapokal besiegelt. „Es war eine unvergessliche aber auch verrückte Zeit, denn neben dem Fußball gab es noch Wichtigeres: die Deutsche Einheit. Ich erinnere mich noch, wie stolz meine Familie auf mich war. Und gerade mein Vater, der immer an mich glaubte, konnte es nicht fassen, seinen Sohn da live im TV zu sehen“, wird Dirk Grempler emotional.

Dass die Partie am 6. November 1990, die auch live im ARD-Fernsehen übertragen wurde, bis heute die letzte auf europäischer Ebene für die selbst ernannten „Größten der Welt“ sein würde, ahnte damals noch niemand an der Elbe. Spätestens im Sommer 1991 war aber wohl jedem klar, dass die glanzvollen Tage hinter dem Europapokalsieger von 1974 liegen.

Grempler war dabei, als die Qualifikation für die 1. Bundesliga schief ging. Und auch, als es nicht einmal mehr für die 2. Bundesliga reichte. „Es ging alles so schnell, zu schnell.“ Für Fragen, wie es weitergehen soll, konnte sich kein Spieler wirklich viel Zeit nehmen, Während etwa ein Uwe Rösler in den Westen ging, blieb der junge Abwehrspieler bis 1994 in Magdeburg. Bevor er seine aktive Laufbahn 2001 beendete, war Grempler noch beim 1. FC Lok Stendal aktiv. Inzwischen ist der Harzer längst ein Altmärker, hat 15 Jahre lang den TuS Schwarz-Weiß Bismark trainiert und ist noch immer als Abteilungsleiter Fußball bei den meisten Spielen in seinem Wohnort dabei.

Rückblickend sagt er: „Ich hatte viele andere schöne Spiele, aber die internationale Bühne, wer erlebt das schon? Das macht mich auch stolz. Und das kann mir keiner nehmen.“ Einige Erinnerungsstücke hat er aufgehoben. Etwa ein Bordeaux-Trikot, das er von seiner Mannschaft geschenkt bekommen hat. Und den Wimpel der Partie von 1990. „In meiner Chronik habe ich auch noch einen Zeitungsbericht aus einer französischen Zeitung.“ Die schönsten Momente bewahrt er aber in seinem Herzen auf. „Das sind Erinnerungen, die bleiben.“

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