AZ-Serie - Der letzte Mann

Liestens Jonathan Gehrke ist ein junger Torhüter mit viel Potenzial

Torwart mit Ball
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Jonathan Gehrke hütet das Tor des SV Liesten in der Fußball-Landesklasse.
  • Renee Sensenschmidt
    VonRenee Sensenschmidt
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Liesten – Er kann mal der rettende Held sein, mal der verfluchte Versager. Seine Position ist Fluch und Segen zugleich. Mal wird er gefeiert, mal ausgepfiffen. Der Torhüter wandelt stets auf dem schmalen, oder eben torbreiten Grat zwischen Triumph und Niederlage. Dadurch nimmt er im Fußball eine ganz besondere Rolle ein. In unserer neuen AZ-Serie widmen wir uns dem „letzten Mann“ auf dem Rasen.

Noch am Beginn seiner Torwartkarriere steht der fast 24-jährige Jonathan Gehrke, der derzeit das Tor des SV Liesten in der Fußball-Landesklasse hütet. Seit 2003 spielt der Salzwedeler Fußball, Guido Eisenschmidt war in der G-Jugend des SV Eintracht sein erster Trainer. Anschließend nahm in Ingo Werner unter seine Fittiche und setzte den Rechtsfuß in der Verteidigung oder im Mittelfeld ein. Dabei war Opa Detlef Jandt von Anfang sein ständiger Begleiter. „Opa hat mich immer zum Training und zu den Punktspielen gefahren. Er ist mein größter Fan und begleitet bis heute meine Karriere. Ohne meinen Opa, der mich immer wieder motiviert, würde ich wahrscheinlich jetzt nicht hier stehen.“

In seinem zweiten Jahr in der D-Jugend erfolgte dann der Wechsel zwischen die Pfosten. Enrico Stolz und Detlef Gille waren damals die Trainer. Gille war als ehemaliger Keeper für das Torwart-Training verantwortlich. ,,Kann ich mitmachen, habe ich ihn gefragt, denn das Torwartspiel hatte mich schon länger gereizt“, erinnert sich Jonathan Gehrke, der seinem Förderer dankbar ist. „Ohne Detlef wäre ich nicht im Tor gelandet. Er hat mir immer Mut zugesprochen, er hat an mich geglaubt.“

Bei den Salzwedelern durchlief Jonathan anschließend die weiteren Altersklassen im Nachwuchsbereich und konnte sich dabei stets verbessern und weiterentwickeln. Im letzten A-Jugendjahr fuhr Jonathan dann sogar zweigleisig, denn er hütete nun auch das Tor der zweiten Männer-Mannschaft. 2017 stand die Eintracht-Erste nach dem Wechsel von Dean Kamieth nach Barleben und Dennis Röhl zum 1. FC Lok Stendal plötzlich ohne Torhüter da. Der damalige Coach Burghardt Schulze kannte Jonathan aus dem Nachwuchsbereich und schenkte ihm das Vertrauen, das Tor der Landesklassen-Vertretung zu hüten. Jonathan bewährte sich in 19 Begegnungen, in denen er nach eigenem Bekunden viele wichtige Erfahrungen sammeln konnte. Zum Jahreswechsel kehrte Dennis Röhl zur Eintracht zurück, ein Konkurrenzkampf um die Nummer 1 im Tor gab es jedoch nicht. „Ich hätte mich gerne diesem Kampf gestellt, doch ich war zu diesem Zeitpunkt verletzt. Ich musste erst einmal wieder fit werden und habe danach nur unregelmäßig spielen dürfen“, erinnert sich der Keeper, der dann wieder ins Tor der zweiten Mannschaft wechselte.

Im Juni 2018 war die Eintracht Ausrichter des Kreispokalendspieles zwischen dem SV Liesten und Heide Letzlingen. „Ich war als Ordner neben der Bank der Liestener eingesetzt. Da kam ich mit Mario Schulz ins Gespräch, der mir einen Wechsel nach Liesten schmackhaft machte. Es folgte ein weiteres Gespräch mit Schulz und Trainer Michael Piotrowski und so wechselte ich im Sommer dann nach Liesten.“ Beim SV Liesten war zu diesem Zeitpunkt Dawid Szczerbik gesetzt. Für Jonathan Gehrke kein Problem, konnte er doch vom polnischen Schlussmann eine Menge lernen. „Das gemeinsame Training mit Dawid hat mich unheimlich vorangebracht. Wir haben uns gegenseitig motiviert, ich habe viel von seiner Erfahrung profitiert. Ich konnte bei einem der besten Torhüter der Region lernen, seine Strafraumbeherrschung hat mir imponiert.“ Und da der Trainer auch ein ehemaliger Torhüter ist, erhält Jonathan Gehrke, dessen großes Vorbild Nationaltorhüter Manuel Neuer ist, auch von Michael Piotrowski viele Tipps und Hinweise, um sein eigenes Torwartspiel weiter zu verbessern. „Als ehemaliger Torwart kann sich mein Coach gut in meine Situation hineinversetzen. Ich bin ja noch immer in einem Lernprozess und will mich weiter verbessern“, so der Altmärker, der zugibt, dass er bei seinen ersten Einsätzen oft sehr nervös war.

So auch beim Pokalfinale 2019 in Arendsee gegen seinen alten Verein. Jonathan Gehrke bestritt die Pokalbegegnungen, daran hielt Trainer Piotrowski auch im Finale fest. „Es war mein erstes Spiel gegen meine ehemaligen Mitspieler. Es war ein komisches Gefühl“, so der Schlussmann, der dann mit einigen starken Paraden großen Anteil am 2:1-Erfolg hatte und den Triumph anschließend auch sichtlich genoss. Als Matchwinner sah sich Gehrke, der aufgrund guter Reflexe seine Stärken auf der Linie hat, jedoch nicht. ,,Das war Sebastian Kordus, der nach seiner Einwechslung unser Spiel angekurbelt hat.“

Inzwischen ist Dawid Szczerbik in seine Heimat zurückgekehrt, Jonathan Gehrke ist nun die Nummer 1 im Waldstadion. „Das gemeinsame Training mit Dawid fehlt mir. Doch unserer Torwarttrainer Uwe Hermanni nimmt mich hart ran und sorgt dafür, dass ich mich weiter positiv entwickeln kann.“ Denn Jonathan Gehrke fühlt sich wohl in Liesten und will seinen Beitrag dazu leisten, dass der SVL in naher Zukunft den Aufstieg in die Landesliga schafft.

Trainer Michael Piotrowski hält große Stücke auf seinen jungen Keeper. „Er ist ein offener Typ und kommt bei uns mit allen klar. Zudem ist er gut für unsere Mannschaftskasse.“ Damit meint der SVL-Coach nicht etwa festgelegte Strafen für gelbe oder rote Karten. Jonathan vergisst sehr oft Ausrüstungsgegenstände oder andere Sachen, sodass man sich in Liesten nicht gewundert hat, als er ohne Fußballschuhe zum Spiel erschienen ist. „Wenn er 90 Minuten mit dem Kopf auf dem Platz ist, hält er überragend. Doch er schaltet gelegentlich ab. Wir arbeiten daran, dass er diese Schwäche abstellt.“ Michael Piotrowski lobt den Trainingsfleiß seines Schützlings, der unter seiner Regie technische und taktische Defizite bereits abstellen konnte.

Jonathans Brüder Jamilo und Paul eifern ihrem großen Bruder nach und sind ebenfalls Torhüter. „Ich trainiere viel mit beiden. In der Pandemie konnten wir ja miteinander trainieren. Schwierig war es aber, als die Sportplätze geschlossen waren und uns ein Tor gefehlt hat. Aber da haben wir halt andere Übungen gemacht“, berichtet Jonathan Gehrke, der mit dem F-Jugendlichen Matheo Brandstädter bereits einen weiteren jungen Keeper in „seiner“ Trainingsgruppe hat. „Die Arbeit mit den Kids macht mir großen Spaß“, so der Liestener Keeper, der deshalb später Jugendtrainer werden möchte, um seine Erfahrungen an den Nachwuchs weitergeben zu können.

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