Fußball – Kreisoberliga: Riep schmeißt beim 1. FC Lok II hin / U19 soll die Reserve am Leben halten

Jetzt geht auch noch der Trainer

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Tim Seidel-Holland (links) steht zwar im Oberliga-Kader des 1. FC Lok Stendal, dürfte aber auch in der kommenden Saison hauptsächlich in der Reserve gebraucht werden. Das Team hat bereits jetzt kaum Personal.

Stendal. Die Chaostage rundum die zweite Mannschaft des 1. FC Lok Stendal gehen weiter.

Nachdem in den vergangenen Wochen offen war, ob die Reserve überhaupt nochmal in der Fußball-Kreisoberliga an den Start gehen kann, ist nun Trainer Robert Riep von seinem Amt zurückgetreten – nach nicht einmal einem halben Jahr!

Robert Riep ist bei Lok II schon wieder Vergangenheit.

Noch vor wenigen Tagen schien es so, als ob am „Hölzchen“ bzw. „Bierkeller“ Ruhe einkehren würde und die kommende Saison vernünftig vorbereitet werden könnte. Nach intensiven internen Diskussionen hatte sich die Vereinsspitze dazu durchgerungen, die Reserve zu melden und im Notfall mit A-Jugendlichen aufzufüllen. Nachdem diese Baustelle geschlossen war, folgte nun der nächste Paukenschlag. Trainer Riep – noch im Winter als Hoffnungsträger vom ASV Weiß-Blau Stendal losgeeist – räumte seinen Posten. „Das kann ich so bestätigen“, erklärte der sportliche Leiter der Lok-Reserve, Uwe Müller, gestern auf AZ-Nachfrage. Riep selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Gründe für den Rückzug Rieps, der sich eigentlich den Aufstieg in die Landesklasse zum Ziel gesetzt hatte, lägen laut Müller vor allem in der kritischen Personalsituation. So stand der nunmehr ehemalige Trainer mit zahlreichen Spielern in Verhandlungen, konnte aber niemanden für einen Wechsel in die Lok-Reserve gewinnen. Aus Mannschaftskreisen war zudem zu vernehmen, dass Riep im Team nur wenig Rückhalt genossen hatte. Gänzlich überraschend kam sein Rückzug daher nicht.

Die Verantwortung für die Reserve soll nun der junge Simon Balliet übernehmen. Er fungierte in der Vorsaison bereits als Spielertrainer der A-Junioren und soll diesen Posten auch in der zweiten Mannschaft ausfüllen. „Er wird die A-Jugend und die Zweite betreuen. Wir trainieren sowieso zusammen. Das hat in der vergangenen Saison schon gut funktioniert, sodass ich da keine Probleme sehe“, erläutert Uwe Müller.

An der überaus kritischen Personalsituation ändert die Rochade auf dem Trainerposten allerdings wenig. Nach wie vor stehen laut Müller gerade einmal acht reine Herrenspieler im Kader der zweiten Mannschaft. Um die kommende Spielzeit durchzustehen, bedarf es eines Kraftaktes des gesamten Vereins. Konkret soll die A-Jugend an den Wochenenden aushelfen, einige Spieler müssten dann eine Doppelbelastung in Kauf nehmen. Zudem hofft Uwe Müller, dass sich auch der Oberliga-Kader von Sven Körner noch füllt. „Wenn dort über 20 Mann gemeldet sind, könnten ja auch jede Woche zwei oder drei Spieler aushelfen“, so Müller, „wir werden von Samstag zu Samstag versuchen müssen, die zweite Mannschaft gut aufzustellen. Das muss in diesem Jahr dann mal so gehen. Ich bin da sehr optimistisch.“

Dass man beim 1. FC Lok Stendal II in der Lage ist, zu improvisieren, hat die vergangene Spielzeit gezeigt. Dort kamen immerhin 44 (!) Akteure zum Einsatz. „Wenn wir die zweite Mannschaft jetzt auflösen, bekommen wir sie nie wieder“, appelliert Müller an alle Beteiligten, den angedachten Weg geschlossen zu beschreiten. Doch selbst wenn das gelänge, scheint das Rettungskonzept der Reserve auf tönernen Füßen zu stehen. Ob die A-Jugendlichen sich der geplanten Doppelbelastung überhaupt stellen können bzw. wollen, ist ungewiss. Etliche U19-Akteure sind gerade erst aus der B-Jugend in die höchste Altersstufe gewechselt. Nun sofort noch den Sprung in die Herren-Kreisoberliga zu meistern, scheint ein ambitionierter Plan. Auch bei einigen Eltern wird der Verein dafür zunächst um Verständnis werben müssen. Dass die A-Jugend überdies auch sportlich zurückstecken muss, ist unumgänglich. Im Kampf um die Landesmeisterschaft in der eingleisigen Verbandsliga wird eine doppelt belastete Stendaler U19 nicht mitreden können.

Der Oberliga-Unterbau des 1. FC Lok Stendal steht vor einer harten Saison. Egal unter welchem Trainer.

Von Tobias Haack

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