Im Interview: Michael Müller (33) neuer Vorsitzender des KFV-Schiedsrichterausschusses

„Es ist immer Luft nach oben“

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Verheiratet, Vater eines neunmonatigen Sohn und mehrfach ehrenamtlich tätig. Michael Müller kommt selten zur Ruhe. Nun übernimmt er auch beim KFV einen großen Posten.

Stendal. Auf dem Kreisverbandstag des Kreisfachverband Fußball (KFV) Altmark Ost wurde er einstimmig zum neuen Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses gewählt – Michael Müller.

Mit zarten 33 Jahren ist der, seit 2006, aktive Landesliga-Schiedsrichter mit Abstand der Jüngste beim KFV und sorgt für frischen Wind. AZ-Sportvolontär Falk-Stéphane Dezort traf sich mit dem verheirateten Sportverrückten zum exklusiven Interview und sprach mit ihm über seine Ziele mit dem KFV und wie er Ehrenamt sowie Familie unter einen Hut bekommt. Denn Müller ist zudem noch Vater eines neun Monate alten Jungen.

Sie sind mit Íhren 33 Jahren der Jüngste beim KFV. Wie kam es dazu, dass sie für diesen Posten überhaupt in Frage kamen?

„Ich bin seit 2007 beim Kreisfußballverband ehrenamtlich tätig. Ich bin eine Person, die sich gerne mal verändert und dies habe ich angestrebt. Dadurch, dass Dieter Marks nach 35 Jahren nicht mehr kandidieren und ich mich verändern wollte, hat sich das so ergeben.“

Wie kam es dazu, dass Sie 2007 überhaupt mit den ehrenamtlichen Tätigkeiten angefangen haben?

„Ich war beim Landkreis Stendal in der Kreismedienstelle beschäftigt. Da hatte ich viel mit Schulen zu tun. So auch mit Frau Meinschien von der Sekundarschule in Havelberg, die ich früher selbst besuchte. Sie sprach mich an, da sie wusste, dass ich ein starkes Fußballinteresse habe, ob ich nicht im KFV Altmark-Ost tätig sein möchte. Daraufhin gab es dann mit Werner Meinschein (Anm d. Red. Präsident KFV Altmark-Ost) ein Gespräch, der mir vorschlug Staffelleiter zu werden. Nach zwei Wochen sagte ich zu und begann meine ehrenamtliche Tätigkeit als Pokalstaffelleiter.“

Was erwarten Sie von Ihrer Amtszeit? Welche Ziele haben Sie?

In erster Linie den Ausbau der Akzeptanz aller Mitwirkenden im Spielbetrieb. Aber ich bin eine Person, die sich erst einmal alles anschaut. Ich bin nicht an diese Aufgabe gegangen, um zu sagen, dass jetzt alles geändert werden muss. Ich will natürlich gewisse Sachen optimieren. Luft nach oben ist immer da. Mir ist wichtig, dass man alle mit nimmt. Ganz egal ob junge oder alte Schiedsrichter. Ich möchte, dass wir als Einheit bestmöglichst auftreten und den Spielbetrieb mindestens so gut abdecken wie es in den letzten Jahren passierte. Die Probleme, wie dem demographischen Wandel, sind auch beim Schiedsrichterwesen aktiv und werden noch prekärer.

Gibt es Möglichkeiten dem Schiedsrichter-Mangel entgegenzuwirken?

„Wir müssen schauen, wie wir das Schiedsrichterwesen attraktiver gestalten. Man hat einen starken Konkurrenzkampf mit anderen Sportarten und Interessen. Jeder hat nur ein begrenztes Zeitfenster. Da müssen wir schauen, dass wir uns zeitgemäßer aufstellen. Den ein oder anderen Schiedsrichter neu gewinnen, aber auch die, die man in den letzten Jahren verloren hat, zurück gewinnt.“

In Kreisen mit größerer Population zieht das Argument ‘Freikarten in der Bundesliga’. Ist es aufgrund der Infrastruktur in der Altmark und den weiten Wegen nach Berlin oder Magdeburg ein Argument, dass hier nichtig ist?

Es ist spekulativ, ob höherklassige Fußballvereine, bei denen du kostenlos Zugang zum Stadion bekommst, die Attraktivität steigert. Sicher ist es ein Punkt, der mehr ziehen kann wenn man im Umkreis von 50 Kilometer drei Bundesligavereine hat. Andernfalls hat man hier einen gewissen Geist im Fußball, den es woanders nicht gibt, da sich viele kennen.

Was kann man sich unter Ihrer Position vorstellen. Was sind Ihre Aufgaben?

Der Schiedsrichterausschuss ist mit drei Personen besetzt. Dustin Leske (Lehrwart), Karsten Fettback und Christoph Blasig (beide Ansetzer). Unsere Aufgabe ist es vorwiegend den Spielbetrieb mit Schiedsrichtern zu organisieren, aber auch die Schiedsrichter nicht zu überanstrengen, sprich denen Freiräume zu lassen. Dafür muss eine gewisse Anzahl an Schiedsrichter da sein. Derzeit sind es knapp 90. Aber wir kommen nicht drum herum, dass einige am Wochenende zwei Mal pfeifen müssen.

Wie bekommen Sie die Aufgaben im KFV, andere ehrenamtliche Tätigkeit und Ihre Familie alles unter einem Hut?

Ich habe durch meine Frau, die für meine Nebenkriegsschauplätze enormes Verständnis aufbringt, einen starken Rückhalt. Sie lässt mir gewisse Freiheiten, worüber ich sehr glücklich bin. Andernfalls gehört auch ein gutes Zeitmanagement sowie Organisationstalent dazu.

Laufen Sie nicht Gefahr, dassSie sich in gewissen Punkten aufreiben und ausbrennen?

Es gibt gewisse Zeiten, in denen es sehr stressig ist und die eigene Ausgeglichenheit zu Wünschen übrig lässt. Aber dafür gibt es auch wieder Zeiten, in denen sich alles gut miteinander vereinbaren lässt.

Welche Ziele haben Sie selbst für die nächsten fünf bis zehn Jahre?

Ich lasse alles auf mich zukommen. Ich bin jemand, der nicht mit irgendwelchen Hintergedanken Posten übernimmt. Was sich ergibt, dass ergibt sich. Das hat man in den letzten Jahren wunderbar gesehen. Man darf seine Körner nicht in Dinge investieren, die unrealistisch erscheinen. In eine Glaskugel schauen kann ich nicht. Was in fünf bis zehn Jahren ist weiß niemand.

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