Leserbrief zur Freistellung Sven Körners beim 1. FC Lok Stendal

„Ich bin geschockt“

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Die Freistellung von Lok-Trainer Sven Körner stößt überwiegend auf Unverständnis. 

Die Trainerentlassung beim Fußball-Oberligisten 1. FC Lok Stendal hat hohe Wellen geschlagen, und nicht zuletzt auch zu kontroversen Diskussionen geführt.

War es nötig, Sven Körner bereits nach dem fünften Spieltag freizustellen? Haben ausschließlich sportliche Gründe eine Rolle bei der Entscheidung des Vorstands gespielt? Und wie geht es jetzt überhaupt beim 1. FC Lok Stendal weiter?

Anlässlich der jüngsten Geschehnisse am „Hölzchen“ hat die Sportredaktion der Altmark Zeitung folgender Leserbrief eines langjährigen Vereinsmitglieds erreicht:

Leserbrief von Andreas Stieding aus Tangermünde

„Als langjähriger Anhänger und Vereinsmitglied des 1. FC Lok Stendal bin ich geschockt, wie der verbliebene Vorstand des 1. FC Lok nun mit seinem verdienten Trainer Sven Körner nach gerade einmal fünf Spieltagen umgeht.

Sven Körner hat die erste Männermannschaft zu dem gemacht, was sie nun wieder ist – ein Aushängeschild des Vereins. Aus einer vom Abstieg bedrohten, im besten Falle mittelmäßigen Verbandsligamannschaft formte er ein spielstarkes Team, aufgebaut mit jungen Spielern aus den eigenen Reihen und der Region, dem Credo unseres Vereins. Seine Spielidee griff Jahr für Jahr mehr.

Nachdem man anfänglich ‘nur’ besser spielte, aber die Ergebnisse noch überschaubar waren, waren auch diese ein Teil des Entwicklungsprozesses. So spielte man in den Folgejahren nicht nur gut, sondern wurde auch immer erfolgreicher, was nicht zuletzt zum lang ersehnten Oberliga-Aufstieg 2017 führte.

Auch in der neuen Spielklasse stellten Körner und sein Team stets eine starke Einheit da, wodurch wenige Minuten vor Saisonschluss sogar der direkte Klassenerhalt sicher gestellt werden konnte. Zusätzlich konnte man sich nach mehreren Jahrzehnten über den Landespokal wieder für den DFB-Pokal qualifizieren und hob den 1. FC Lok endlich einmal wieder auf eine überregionale, ja nationale Ebene.

An all diesen Erfolgen ist der Trainer und die Persönlichkeit Sven Körner maßgeblich beteiligt gewesen, basierten diese doch auf seiner Arbeit als Trainer. Das wohlgemerkt mit nahezu unverändertem Kader. Und all dies spielt nach fünf Ligaspielen keine Rolle mehr?

In allen Spielen war unsere Mannschaft spielerisch ebenbürtig, ließ in der Offensive aber die von den Gegnern praktizierte Kaltschnäuzigkeit vermissen. Und genau hier liegt das aktuelle Problem. Dem Verein und damit dem Vorstand ist es nicht gelungen, bei der bekannten Schwachstelle, der offensiven Durchschlagskraft, nachzurüsten. Aber ist das ein Verfehlen des Trainers?

Jedem Anhänger dürfte von Saisonbeginn an klar gewesen sein, dass es nur ein Saisonziel geben kann und das lautet Klassenerhalt. Wenn der Vorstand nicht in der Lage ist, für die benötigte Verstärkung zu sorgen, lässt sich das nicht einfach durch eine Entlassung des Trainers nach FÜNF Spieltagen wegwischen.

Wer höhere Ansprüche hat, muss auch an den entsprechenden Stellen im Kader nachjustieren. Wenn dies nicht möglich ist oder erfolgt und es am Ende sportlich nicht für den Klassenerhalt reicht, wäre der Trainer am Ende der letzte gewesen, der zur Disposition hätte stehen dürfen. Auch im Falle eines Abstiegs wäre der Trainer Sven Körner noch der richtige Übungsleiter für diese tolle Mannschaft gewesen.

In diesem Sinne, vielen Dank Sven Körner!“

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