Fußball – Oberliga: Benedikt Nellessen blickt auf seine Zeit beim 1. FC Lok zurück

„Ich gehe zufrieden“

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Benedikt Nellessen (am Ball) wechselte in der B-Jugend aus Tangerhütte nach Stendal und entwickelte sich zu einer Identifikationsfigur des 1. FC Lok, den er nun verlassen hat.

Stendal. Die aktuelle Sommerpause ist für Fußball-Oberligist 1. FC Lok Stendal bislang geprägt von namhaften Abgängen. Der prominenteste unter ihnen ist Angreifer Benedikt Nellessen, den es zum Liga-Konkurrenten Hertha Zehlendorf verschlagen hat.

Ein Wechsel, der für Fans und Verein mehr bedeutet als nur den Verlust eines Spielers. Mit Nellessen hat sich ein Publikumsliebling verabschiedet, ein Gesicht der jüngsten Erfolgsära aus Aufstieg, Meisterschaft, Klassenerhalt und DFB-Pokal-Einzug.

„Keine Frage, es ist brutal für eine Mannschaft, einen Spieler mit so einer Qualität zu verlieren“, betrachtet Lok-Trainer Sven Körner den Verlust vor allem aus sportlicher Sicht. Das muss er, wenngleich auch den Trainer mehr mit dem Stürmer verbindet, als nur die tägliche Arbeit auf dem Platz. Als Nellessen vor zehn Jahren in den Herrenkader des 1. FC Lok stieß, war Körner noch dessen Mitspieler. Beide gingen am „Hölzchen“ durch turbulente Zeiten. „Als ich bei den Männern anfing, war es chaotisch. Viele Spieler und Trainer kamen und gingen“, sagt Nellessen rückblickend. Der heute 28-Jährige ging trotzdem seinen Weg, blieb dem Klub und nicht zuletzt auch seinem Vater, Vereinspräsident Ulrich Nellessen, treu. Die Geduld wurde belohnt. „Unter Wolfgang Sandhowe und Volkan Uluc wurde es besser. Es war dann zu erkennen, dass es aufwärts geht“, erinnert er sich. Schließlich übernahm Körner vor nunmehr fünf Jahren das Traineramt. Der Rest ist Geschichte. Im Frühjahr 2017 kehrte der 1. FC Lok in die Oberliga zurück. Klassenerhalt und DFB-Pokal-Einzug folgten.

Für Nellessen ist das Kapitel 1. FC Lok Stendal an diesem Punkt abgeschlossen. „Es ist schön, dass wir das geschafft haben. Ich bin jetzt zwar schweren Herzens, aber sehr zufrieden gegangen“, resümiert er. Letztlich waren es private Gründe, die ihn zum Schritt des Abschieds bewegten. Nellessen studiert in Berlin und pendelte bereits sechs Jahre von der Hauptstadt in die Altmark. Diesen Strapazen möchte er sich nun nicht mehr aussetzen. Als das Angebot der Hertha kam, musste der Elversdorfer, der in der B-Jugend aus Tangerhütte zum 1. FC Lok gewechselt war, nicht lange nachdenken. „Mir war ziemlich schnell klar, dass ich das machen möchte.“ Auch die Teilnahme Stendals am DFB-Pokal vermochte den schnellen Angreifer nicht von einem Verbleib zu überzeugen. „Das ist nur ein Spiel und über ein Spiel kann man nicht eine ganze Saison definieren“, sagt er, „ärgern würde ich mich erst, wenn Lok ins Finale einzieht.“

In Berlin hat für Nellessen nun eine neue Herausforderung begonnen. Seit zwei Wochen ist er im Training, nachdem er zuvor vier Monate verletzt war. Der Weg in die Stammelf wird für den Stürmer dementsprechend langwierig. „Ich bin mir sicher, dass er dort eine gute Rolle spielen wird“, glaubt Sven Körner an seinen Zögling. Dieser freut sich vor allem auf die Art des Zehlendorfer Fußballs. „Das ist eine Mannschaft mit erfahrenen Spielern, die am Ball sehr ruhig agiert und mehr auf Ballbesitz setzt. Das kommt mir entgegen.“ Mit dem Stendaler Pressing- und Umschalt-Stil hatte sich der 28-Jährige in der Vergangenheit nicht immer glücklich gezeigt. Als Saisonziel hat sich sein neues Team einen Platz unter den Top Vier gesetzt.

Dort wird der 1. FC Lok, den neben Nellessen auch die Stammkräfte Martin Gebauer und Christos Iereidis verlassen haben, wahrscheinlich nicht landen. Sorgen um seinen Ex-Klub macht sich der Neu-Berliner deshalb aber nicht: „So wie ich von meinem Vater gehört habe, werden sie auch dieses Jahr wieder eine gute Mannschaft zusammenbekommen.“

Eine Identifikationsfigur wie Nellessen oder Gebauer dürfte aber vorerst nicht unter den noch zu erwartenden Neuzugängen des 1. FC Lok zu finden sein.

Von Tobias Haack

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