FUSSBALL Altmärkische Funktionäre trotz DFB-Maßnahmen pessimistisch

„Ich denke, dass es gelaufen ist“

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Die Sportplätze in der Altmark bleiben weiterhin verwaist. Das Ende der Saison ist offen.

Altmark – Der Deutsche Fußballbund (DFB) hat am Freitag als Reaktion auf die Corona-Krise eine umfassende Anpassung seiner Spiel- und Jugendordnung vorgenommen. Die Änderungen sind mit sofortiger Wirkung bis zum 30.

Juni 2021 gültig und sollen dringend nötige Flexibilisierungen und Erleichterungen für die Vereine in der aktuellen Situation ermöglichen.

Ob die Maßnahmen wirklich helfen und welche Baustellen dennoch offenbleiben, hat AZ-Sportredakteur Tobias Haack in einem Doppel-Interview mit Axel Garz (Verantwortlicher Spielwesen des KFV Altmark-West) und Werner Meinschien (Präsident KFV Altmark-Ost) erörtert.

Herr Garz, Herr Meinschien, liefert der DFB mit seinen Anpassungen die richtige Hilfe zur richtigen Zeit?

Garz: Es ist schwierig, über richtig und falsch zu entscheiden. Noch ist auch nichts Offizielles vom DFB oder FSA bei uns eingegangen. Solange es kein konkretes Datum gibt, wann es realistisch weitergehen kann, ist alles schwierig.

Meinschien: Ich denke nicht, dass uns der DFB helfen kann. Für uns ist der Landesverband FSA maßgebend und von dort haben wir noch nichts Konkretes in der Hand. Außerdem sieht die Situation ja in jedem Kreisverband ein bisschen anders aus.

Sie wünschen sich also konkretere Vorgaben?

Garz: Ja. Ich wünsche mir, dass es einheitlich ist. Von Arendsee bis Zerbst, von der E-Jugend-Kreisliga bis zur Herren-Verbandsliga. Sonst ist uns als Basis nicht geholfen. Es muss jetzt vom Landesverband transparent und nachvollziehbar entschieden werden.

Meinschien: Ich denke, uns wäre am meisten geholfen, wenn wir freie Hand hätten. Es wäre am vernünftigsten, die Saison ohne Absteiger zu beenden und bei uns die Kreisliga und Kreisoberliga für eine Saison aufzustocken.

Wie gehen Sie im KFV mit der Situation um, wie sieht die Suche nach Lösungen aktuell aus?

Garz: Wir haben mehrere Szenarien besprochen. Aber so lange es nichts Einheitliches gibt, können wir uns auch mit nichts konkret beschäftigen. Am Ende geht es nur mit den Vereinen. Die müssen spielen, wir sitzen nur am Schreibtisch. Deshalb werden wir zu gegebener Zeit Varianten vorschlagen und darüber abstimmen lassen.

Meinschien: Im Moment können wir nur die Füße stillhalten. Alles hängt am FSA. Wenn der irgendwann einen Startschuss gibt, werden wir Lösungen an der Hand haben. Erste Vereine haben uns aber schon signalisiert, dass sie in dieser Situation nicht mehr unbedingt spielen möchten. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass alle gleich wieder Fußball spielen wollen, wenn die Kontakteinschränkungen wieder gelockert werden.

Haben Sie eine Deadline gesetzt, bis wann es Klarheit geben muss?

Garz: Nein. Die Politik weiß doch noch nicht einmal, wann sich das Leben wieder normalisieren lässt. Und wenn es so weit ist, steht der Fußball erstmal hinten an. Wegen Kurzarbeit, Kündigungen und Schulschließungen haben die Menschen sicherlich andere Sorgen.

Meinschien: Nein. Eine Deadline macht keinen Sinn. Wir werden aber wohl in der kommenden Woche mal ein Rundfragen bei den Vereinen starten.

Als mögliches Szenario stehen auch ein Abbruch oder eine Annullierung der Saison im Raum. Wie realistisch ist das aktuell?

Garz: Das ist noch ganz weit weg. Aber natürlich muss irgendwann eine Entscheidung her. Je länger die Krise dauert, desto schwieriger wird es natürlich, an dem Glauben festzuhalten, dass in dieser Saison nochmal gespielt werden kann.

Meinschien: Eine Annullierung kommt für mich nicht in Frage. Dann wäre ja alles, was bisher gespielt wurde, hinfällig. Damit macht man mehr kaputt, als man gewinnen kann.

Neben den Punktspielen sind auch noch Pokalspiele offen. Wie ist diesbezüglich der Stand?

Garz: Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir schon beim Halbfinale sind. Wenn es eine Entscheidung geben muss, kann man drei Spiele sicherlich auch verspätet noch hinbekommen. Probleme könnte es dann aber trotzdem geben, zum Beispiel mit den Fristen bei Vereinswechseln.

Meinschien: Es ist schwieriger, die Meisterschaft zu Ende zu spielen als den Pokal. Im Zweifel bringe ich lieber den Pokal noch über die Bühne und habe wenigstens einen Wettbewerb sauber beendet.

Wie ist Ihr Bauchgefühl, ist die Saison 2019/20 noch zu retten?

Garz: Für den Amateurfußball sieht es schlecht aus. Ich sehe das wirklich sehr kritisch und gehe leider vom Worst Case aus. Das ist aber nur meine persönliche Meinung.

Meinschien: Es wird irgendwann eine Lösung geben, aber die wird uns in der laufenden Meisterschaft nicht mehr helfen. Ich denke, dass es gelaufen ist. Die Situation wird ja noch nicht besser.

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