„Eine stärkere Stimme im Ostfußball“

Holger Stahlknecht spricht über seine Kandidatur als FSA-Präsident

Holger Stahlknecht auf einer Pressekonferenz.
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Holger Stahlknecht kämpft um das Amt des FSA-Präsidenten.
  • Tobias Haack
    VonTobias Haack
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Sachsen-Anhalts ehemaliger Innenminister Holger Stahlknecht kandidiert Ende des Monats für das Präsidenten-Amt im Fußballverband FSA. Im Interview mit der Altmark-Zeitung schildert der 56-Jährige seine Beweggründe.

Herr Stahlknecht, warum haben Sie sich dazu entschlossen, für das Amt des FSA-Präsidenten zu kandidieren?

Ich habe am 1. Mai vom Präsidenten des Kreisfachverbands Anhalt-Bitterfeld, Herrn Saalbach, einen Telefonanruf erhalten. Er hat mich gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte zu kandidieren. Ich habe mir daraufhin Bedenkzeit erbeten und diese auch genutzt. Anschließend habe ich ihm zugesagt und die Entscheidung an einem Freitag auch offiziell gemacht. Auch danach habe ich viele Anrufe erhalten, die mich in dieser Entscheidung bestärkt haben. Hintergrund ist für mich, dass ich in meiner Zeit als Innenminister viele engagierte Trainer, Verantwortliche und Eltern kennengelernt habe. Und mit meiner Entscheidung möchte ich dem Sport jetzt etwas zurückgeben.

Neben dem Amt beim FSA haben Sie gerade erfolgreich für ein Mandat im Landtag kandidiert. Sind diese beiden Dinge miteinander vereinbar, vor allem zeitlich?

Da sehe ich überhaupt keine Probleme. Das eine ist ein Ehrenamt, das andere nicht. Außerdem strebe ich in der Politik auch keine verantwortungsvolle Position mehr an. Das eine schließt in meinen Augen das andere nicht aus und beide Dinge lassen sich gut miteinander vereinbaren.

Welche Verbindungen haben Sie zum Fußball, abgesehen von Ihren Erfahrungen als Innenminister?

Meine gesamte Familie ist sehr fußballbegeistert. Unser jüngster Sohn ist seit jungen Jahren in verschiedenen Vereinen aktiv, auch unser älterer Sohn spielt Fußball. Als Familie fiebern wir zuhause sehr mit. Ich selbst habe keine Zeit zum Fußballspielen, mein Sport ist Joggen. Trotzdem fühle ich mich dem Sport Fußball sehr verbunden.

Der FSA steckt in einer Vertrauenskrise aus Skandalen und zweifelhaften Entscheidungen wie unlängst im Landespokal. Wie nehmen Sie die Arbeit des Verbands wahr?

Da gibt es mehrere Punkte, die mich bewegen. Ich denke, wir brauchen einen Neuanfang und müssen als Mannschaft Glaubwürdigkeit und Vertrauen wieder herstellen. Wir brauchen für den Neuanfang eine starke Personalie für den Bereich Finanzen. Insofern freue ich mich, dass René Cunaeus für dieses Amt kandidiert. Wichtig wird auch die Verbindung zur Basis sein. Wir brauchen keinen Verband, der als UFO über den Vereinen schwebt. Ich werde deshalb Vereinsdialoge und Regionalkonferenzen abhalten. Die Basis muss sich wieder mehr mit dem Verband identifizieren und dafür auch stärker eingebunden werden.

Haben Sie im Falle Ihrer Wahl zum FSA-Präsidenten schon konkrete Projekte im Kopf, die Sie angehen möchten?

Natürlich müssen wir uns nach Corona verstärkt um Nachwuchsförderung und Nachwuchsgewinnung kümmern. Auch eine engere Zusammenarbeit zwischen Verband und Vorstand liegt mir am Herzen. Außerdem ist mir wichtig, dass der FSA eine stärkere Stimme im ostdeutschen Fußball einnimmt. Wir müssen wahrnehmbar werden und ein stärkeres Gewicht beim DFB bekommen. Das wäre so das Erste. Der Rest wird sich dann entwickeln. Wichtig für die Basis wird sein, dass wir den Spielbetrieb jetzt wieder in Gange kriegen. Die Leute wollen wieder Fußball spielen, zurück auf den Platz und wieder Freude an ihrem Sport haben.

Sollten Sie gewählt werden, begegnen Ihnen zuerst konkrete Probleme wie Corona, Mitgliederschwund oder auch der demografische Wandel. Patentrezepte gibt es nicht, haben Sie dennoch Lösungsansätze im Kopf?

Ich habe schon damals mit dem LSB gute Programme entwickelt. Ich habe auch nach wie vor einen guten Kontakt zur LSB-Präsidentin Silke Renk-Lange. Wir müssen das Rad also nicht neu erfinden, sondern lediglich Dinge fortführen, die wir bereits begonnen haben. Projekte wie Sichtungstests an Schulen wären ein Beispiel. Aber das muss dann in Ruhe besprochen und ordentlich durchdacht werden.

Als Innenminister waren Sie auch für den Sport im Land verantwortlich, haben viel mit Verbänden und Vereinen gearbeitet. Welche Vorteile bringt dies für Ihre mögliche Arbeit als FSA-Präsident mit sich?

Ich habe sehr eng und vertrauensvoll mit den Verbänden zusammengearbeitet. Ich denke, dass wir dazu beigetragen haben, dass sich der LSB sehr gut entwickelt hat. Ich habe Erfahrungen, wie man Dinge zusammenhält und wie man verschiedene Meinungen austariert. Ich bringe eine lange Führungserfahrung mit.

Sie sind bei der Wahl am 26. Juni ein Kandidat, der von außerhalb kommt. Sehen Sie das als Nachteil oder als Ihre Chance?

Viele Leute haben mir gesagt, dass es eine Chance wäre. Mein Motto ist jedoch, dass man sich Vertrauen erarbeiten muss, man bekommt es nicht geschenkt. Deshalb weiß jeder, der mich kennt, dass ich das mache, was ich sage und dass ich sage, was ich mache. Bei mir weiß man, woran man ist.

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