AZ-SERIE Frank Leo ist seit gut 13 Jahren bei der SG Seehausen

Mit Herzblut und Ansagen

Konzentrierter Blick von der Seitenlinie: Frank Leo ist seit gut 13 Jahren Trainer bei der SG Seehausen. Angefangen hat er im Jugendbereich, seit zweieinhalb Jahren lenkt er die erste Männermannschaft. ArchivFoto: Lindenau

Seehausen – Das Leben eines Trainers ist selten ein beständiges. Er ist meist der Erste, der gehen muss, wenn es nicht rund läuft. Doch es gibt Coaches, die über viele Jahre einem Verein treu geblieben sind. Thomas Schaaf (Werder Bremen) etwa.

Mit 14 Jahren und fünf Tagen hat er die längste Amtszeit eines Bundesliga-Trainers vorzuweisen. Volker Finke war ähnlich lange beim SC Freiburg, gefolgt von Bremens Otto Rehhagel. Doch auch in der Altmark gibt es sie, die Trainer-Dinos. In unserer gleichnamigen Serie stellen wir sie vor.

Nicht nur im Fußball sind die Verantwortlichen an der Seitenlinie von enormer Bedeutung. Auch Handballer brauchen Anweisungen. Im Training genauso wie im Pflichtspiel. Einer, der bei der SG Seehausen nicht wegzudenken ist, ist Frank Leo. Der 53-Jährige hat vor gut 13 Jahren begonnen, seine ersten Fußstapfen im Übungsleiter-Bereich zu setzen. „Ich habe mit einer E-Jugend angefangen“, blickt der Wischestädter zurück. Das war die Mannschaft, in der auch sein Sohn Moritz gespielt hat. Durch ihn ist Frank Leo erst wieder zur SGS zurückgekehrt. Zu DDR-Zeiten war er dort selbst aktiver Handballer. Da er beruflich aber irgendwann viel unterwegs war, hörte er auf. Und stieg dann im Altherren-Bereich wieder ein. Den Nachwuchs zu coachen, reizte Leo. Und so übernahm er die Jüngsten, bei denen neben seinem Sohn damals auch noch Christopher Nöring und die Wagner-Brüder spielten. Alles Akteure, die Frank Leo heute in der 1. Männermannschaft betreut.

Die damals noch so junge Truppe führte der heute 53-Jährige durch alle Altersklassen bis zur A-Jugend. „Der Höhepunkt war das zweite C-Jugendjahr, als wir den Aufstieg in die Sachsen-Anhalt-Liga geschafft haben“, erinnert sich der Seehäuser immer noch gern an die erfolgreichen Zeiten zurück. „Da hat die kleine SG Seehausen den großen SCM geschlagen. In Magdeburg. Die haben geflucht“, weiß er noch, als sei es gestern gewesen. Doch der Triumph liegt inzwischen neun Jahre zurück. Damals gelang zudem der Gewinn des Bezirkspokals. Erst als sich die A-Jugend vor gut drei Jahren aufgelöst hat, war Leos Zeit als Juniorentrainer vorbei. Ein halbes Jahr lang wusste er nicht so richtig, wohin die Reise noch gehen konnte.

Dann fiel die Entscheidung, die erste Männermannschaft zu übernehmen. Das ist jetzt gut zweieinhalb Jahre her. Den Schritt hat er nicht bereut. Ob Punktspiele in der Verbandsliga Nord, Beach-Handball-Turniere im Sommer oder die beiden Freundschaftsspiele gegen den HSV Handball Hamburg: Mit den Herren hat Leo viel erlebt. Ein Leben ohne Handball ist für ihn unvorstellbar. Und so ist die momentane Situation, in der der Ball ruht, für ihn auch frustrierend. Zum Nichtstun verdammt zu sein, nicht einmal trainieren zu können, setzt dem so erfahrenen Coach zu. Die Ungewissheit, wann und wie der Punktspielbetrieb wieder aufgenommen werden kann, kommt erschwerend hinzu.

Und so bleibt ihm in diesen pandemischen Zeiten nur, in Erinnerungen zu schwelgen. An die Zeit mit der Jugend in der Sachsen-Anhalt-Liga. Oder an den Aufstieg der Männer in diese Spielklasse. Die Wischelandhalle im entscheidenden Spiel gegen Ilsenburg war seinerzeit ausverkauft. An Zuschauer ist derzeit überhaupt nicht zu denken. Und trainieren können die Spieler nur individuell. Lauf- und Krafteinheiten: „Viel mehr kann man ja nicht machen.“ Und so sehnt sich Leo, der zu den Trainer-Dinos der Altmark gehört, nach einer Rückkehr zur Normalität.

Doch was macht den Trainerjob für ihn eigentlich so attraktiv? „Eine Mannschaft so zu leiten, dass am Ende ein Sieg herausspringt“, ist sein Ehrgeiz unverkennbar. Leo ist mit Herzblut dabei. „Und auch Kinder zu motivieren.“ Sicher, ein Trainer müsse auch unpopuläre Entscheidungen treffen, die am Ende vielleicht nicht immer die richtigen sind. Doch auch das gehöre dazu. „Eine Mannschaft muss immer geführt werden und auch mal eine Ansage kriegen“, bleibt Frank Leo seiner Philosophie treu. Und wird der Trainerlandschaft in der Altmark sicher noch eine ganze Weile erhalten bleiben.

VON SABINE LINDENAU

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