INTERVIEW Trainer Sven Körner spricht über seine neue Aufgabe

„Hatte dort das beste Gefühl“

+
Zurück auf der Trainerbank: Sven Körner. Der ehemalige Coach des 1. FC Lok Stendal übernimmt den Regionalligisten VfB Germania Halberstadt.

Sven Körner ist in der Altmark bekannt. Als Spieler und Trainer begleitete Körner den 1. FC Lok Stendal jahrelang. Und feierte Erfolge. Oberliga-Aufstieg, Klassenerhalt, Landespokalfinale und DFB-Pokalteilnahme. Doch im September 2018 trennten sich Körners und Stendals Wege.

Der 37-Jährige beobachtete den Fußball seitdem aus einer anderen Perspektive und lernte viel dazu. Nun kehrt er auf die Trainerbank zurück. Die Aufgabe: Der VfB Germania Halberstadt aus der Regionalliga Nordost. Im Interview mit AZ-Sportvolontär Patrick Nowak begründet Sven Körner seine Entscheidung pro Halberstadt, spricht über die vereinslose Zeit und seinen Ex-Verein Lok Stendal.

ALTMARK ZEITUNG: Herr Körner, Sie haben beim VfB Germania Halberstadt einen neuen Trainerposten gefunden. Wie erleichtert sind Sie über die Rückkehr auf die Trainerbank?

SVEN KÖRNER: Erleichtert würde ich jetzt nicht sagen. Das ist mehr eine Vorfreude darauf, was kommt. Endlich wieder auf dem Trainingsplatz zu stehen und der Mannschaft gewisse Inhalte mitzugeben. Ansonsten ist es eine neue Situation gegenüber der beim 1. FC Lok Stendal, wo ich noch mit einigen Spielern zusammengespielt habe.

In den letzten Wochen haben Sie ohnehin viele Gespräche geführt, richtig?

Ja, das stimmt.

Mit welchen Vereinen?

Es war ein weiterer Verein aus der Regionalliga Nordost. Halberstadt wusste auch von dem anderen Verein und der andere Verein wusste von Halberstadt Bescheid. Ich habe dann ein Stück weit auf mein Herz gehört und mich innerhalb meiner Familie beraten. Nachher fiel dann die Wahl auf Halberstadt, weil ich dort einfach das beste Gefühl hatte und es ein familiär geführter Verein ist.

Warum konnte in den anderen Gesprächen keine Einigung erzielt werden?

Entweder war es zu weit weg und ich wäre nur alle sechs, sieben Wochen zu Hause gewesen. Oder man konnte sich vertraglich nicht einigen. Und dann hat man im Prinzip nicht zusammengefunden.

Sie sagen, dass Sie auf Ihr Herz gehört haben. Daraus lässt sich heraushören: Sven Körner und Germania Halberstadt – das könnte passen. Weil?

Man muss schon sagen, dass Halberstadt ein Ausbildungsverein für junge Spieler ist. Ich identifiziere mich absolut damit. Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass viele junge Spieler, mit denen vorrangig gearbeitet wurde, dann auch Schritte in andere Vereine machen können, die unter Profibedingungen arbeiten.

Bei Lok Stendal haben Sie es auch vorgezogen, mit jungen Spielern zu arbeiten und sie zu entwickeln. Sehen Sie sich also mit Blick auf Ihr Trainerprofil als Entwickler?

Bei Lok Stendal war es ja aus der Situation heraus geboren, dass man da auf den eigenen Nachwuchs gesetzt hat. Es hat unglaublich viele Vorteile mit Spielern zu arbeiten, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen. Ich sehe mich schon als jemanden, der unglaublich gerne mit jungen Spielern arbeitet und als Entwicklungshelfer, der den Spielern viele Dinge für ihre weitere Laufbahn mitgibt.

Bislang haben Sie Lok Stendal in der Oberliga und Verbandsliga trainiert. Jetzt geht es in die Regionalliga. Welche Chancen bieten sich damit für Sie?

Es ist eine Riesen-Chance unter profiähnlichen Voraussetzungen zu arbeiten. Ich denke, dass in Halberstadt solche Bedingungen herrschen mit dem super Umfeld, dem Stadion, einem tollen Trainerstaff und einem richtig gut geführten Verein. Ich bin dankbar, dass der Verein auf mich zukam und möchte dies mit Akribie, Leidenschaft und Ergebnissen zurückzahlen.

Bevor Sie in Halberstadt unterschrieben haben, waren Sie seit September ohne Trainerjob. Kam diese Aufgabe zur neuen Saison für Sie zum idealen Zeitpunkt?

Das Ziel für mich war schon am 1. Juli wieder einzusteigen. Aber ich war nie weit weg. Ich habe sehr viel Fußball geguckt, hab mich weitergebildet, war in der Slowakei und hab auch bei ein, zwei Vereinen hospitiert. Man nimmt viele Sachen durch Gespräche mit. Ich werde jetzt aber meinen eigenen Weg finden, der sicherlich anders aussehen wird, als in der Vergangenheit.

Ganz ohne Fußball ging es nicht. Sie haben Ihre UEFA Level A-Trainerlizenz erworben und bei Peter Hyballa in der Slowakei hospitiert. Sind Sie so mit Blick auf die Trainerkarriere aufs Ganze gegangen?

Mein Ziel ist es, Fußballlehrer zu werden. Ob ich das schaffe, weiß ich nicht. Das hängt an vielen Faktoren. Daher gehe ich das entspannt an und habe jetzt eine Chance, die ich mit der Mannschaft nutzen möchte. Ich versuche einfach, so professionell wie möglich zu arbeiten, um dann irgendwann vielleicht den nächsten Schritt zu machen. Im Fußball ist aber nichts planbar.

Sie haben in der vereinslosen Zeit Abstand gewonnen und etwas für sich getan. Wie sehen Sie diese Zeit im Nachhinein?

So eine Entlassung hat drei Phasen. Das hab ich jetzt so wahrgenommen. Die erste ist die Enttäuschung. Ich war sehr lange bei Lok Stendal als Spieler und als Trainer. Wenn man dann freigestellt wird, ist das am Anfang nicht so einfach. Dann kommt die zweite Phase, wo man die Zeit genießt, weil man nichts macht. Und dann kommt die Phase, wo man wieder heiß ist und auf den Trainingsplatz will.

Sie sind bereits öfter auf Ihren ehemaligen Verein eingegangen. Lok Stendal hat den Klassenerhalt geschafft. Wie oft haben Sie dort noch hingeschaut?

Da ich in Stendal wohne, ist es immer so gewesen, dass ich das im Auge hatte. Ich freue mich für die Mannschaft und für das Trainerteam, dass sie die Klasse gehalten haben. Ich hoffe, dass Lok Stendal in naher Zukunft daran anknüpfen kann und werde das weiter verfolgen.

Mit Stendal durften Sie im vergangenen August im DFB-Pokal gegen Arminia Bielefeld ran. Halberstadt hat sich auch zur neuen Saison für den Wettbewerb qualifiziert.

Dieses Spiel hatte für meine Entscheidungsfindung keine Bedeutung gehabt. Das Spiel ist dennoch super und ein Highlight.

Es geht gegen Union Berlin. Wie sehen Sie das Los?

Es ist ein schönes Ost-Duell. Wir freuen uns auf ein attraktives Los und ein intensives Spiel vor einer überragenden Kulisse.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare