Individualsport als Alternative

Kraftsport: Johannes Frenkel wird in der Corona-Pause Gewichtheber

Gewichtheber mit Hantel
+
In der Corona-Pause nahm Johannes Frenkel an einer Talente-Sichtung für Gewichtheber teil und hat sich seitdem dem Kraftsport verschrieben.
  • Renee Sensenschmidt
    VonRenee Sensenschmidt
    schließen

Altmark – Die Corona-Pandemie hat auch im Sportbereich für zahlreiche Veränderungen gesorgt. Insbesondere der mehrmonatige Lockdown setzte den Sportlerinnen und Sportlern aller Altersklassen mächtig zu. Die Hallen und Sportplätze waren geschlossen, einzig Individualsport war noch möglich. Viele suchten sich Alternativen und so landete Handballer Johannes Frenkel bei den Kraftsportlern.

Der gebürtige Salzwedeler ist eines der größten Talente, die der ehemalige SVT Uelzen/Salzwedel hervorgebracht hat. Der inzwischen 23-Jährige glänzte im 1:1-Spiel und war in seinem Tordrang kaum zu bremsen. Zudem hatte er einen Blick für seine Mitspieler und setzte diese mit teils überraschenden, weil verdeckten Zuspielen immer wieder gut in Szene. Da der Salzwedeler Nachwuchs in Niedersachsen spielte, wurden die Talentesichter in Magdeburg erst beim Schul-Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ auf den Rechtshänder aufmerksam. Damals war er 15 Jahre als. Für die Landesauswahl reichte es noch, für einen Wechsel zur Sportschule und zum SC Magdeburg war es zu spät. Beim SVT schaffte Frenkel bereits als A-Jugendlicher den Sprung ins 1. Männerteam, doch bereits zu diesem Zeitpunkt hatte der SV Oebisfelde mit seinem damaligen Trainer Hendrik Tuschy den Nachwuchsspieler im Visier, der schließlich 2016 gemeinsam mit Tim Schroeter an die Aller wechselte. Mit dem SVO stieg der Salzwedeler in die Mitteldeutsche Oberliga auf, zuletzt spielte Frenkel beim niedersächsischen Oberligisten HF Helmstedt-Büddenstedt.

Sport ist für Johannes Frenkel ein Grundbedürfnis, somit überraschte auch sein Berufswunsch nicht. An der Uni in Magdeburg studiert der Altmärker derzeit Sport und Wirtschaft auf Lehramt, nebenher stellt er seine bereits erworbenen Fähigkeiten als Aushilfslehrer an der Lessing-Ganztagsschule in seiner Heimatstadt Salzwedel unter Beweis. Da auch Handballer körperlich fit sein müssen, war und ist Johannes auch regelmäßig im Kraftraum zu finden und fand Gefallen am Kraftdreikampf. Er steigerte dort seine Kraftvermögen und schaffte in der Kniebeuge (240 kg), im Bankdrücken (190 kg) und Kreuzheben (290 kg) bereits recht ordentlich Leistungen. Daher war er auch sofort begeistert, als der Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG) im März über das Programm „Talenttransfer“ junge Sportler unter 25 Jahren suchte, um sie mit der Perspektive Olympia für das Gewichtheben zu begeistern. „Das kann ich ja mal probieren“, dachte sich Johannes Frenkel, der aufgrund seiner bereits vorhandenen Kraftwerte in das Programm aufgenommen wurde.

Der Individualsport Gewichtheben als Alternative zum ruhenden Mannschaftssport Handball. Timon Kukwa und Michael Müller, Trainer am Olympia-Stützpunkt in Berlin, kümmerten sich mit Trainingsplänen, Hinweisen und Anleitungen um den Salzwedeler, der einmal im Monat am OSP in Berlin seine Entwicklung unter Beweis stellen musste. „Die Kraft war vorhanden, die Technik musste ich erlernen“, berichtet Johannes Frenkel, der als Bestleistungen im Reißen 120 und im Stoßen 145 Kilogramm angibt. Weil der Verbleib von Gewichtheben im olympischen Programm nach Paris 2024 infrage gestellt wurde und somit eine Perspektive fehlte, beendete der BVDG nach sechs Monaten dieses Sichtungs-Programm. „Das war dennoch eine super Erfahrung, die ich nicht missen möchte“, blickt der 23-Jährige zurück und bleibt dem Kraftsport weiter treu. Beim Fermersleber SV widmet sich der Jeetzestädter nun wieder Kraftdreikampf, seine Bestleistungen in der Kniebeuge (265 kg), Bankdrücken (195 kg) und im Kreuzheben (310 kg) konnte der 118 kg schwere Athlet inzwischen weiter steigern. Frenkel betreibt den Dreikampf ohne leistungsförderndes Equipment (RAW/classic), seine Bestleistungen würden zirka 444 Relativpunkte ergeben. In den kommenden Wochen will der Altmärker seine Dreikampfleistung auf 800 kg verbessern, die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften 2022 ist das Ziel.

Die ehemaligen Mitstreiter verfolgen den sportlichen Werdegang und lassen nichts unversucht, um Johannes Frenkel wieder auf das Handball-Parkett zu locken. Auch der SV Oebisfelde um Trainer Christian Herrmann fragte bereits an. „Ich möchte eine Rückkehr für die Zukunft nicht ausschließen, doch unterhalb der 4. Liga werde ich nicht spielen“, meinte Johannes Frenkel, dessen Kraftwerte vermuten lassen, dass auch die Geschwindigkeit seiner Würfe zugenommen hat. Doch derzeit gehört die sportliche Leidenschaft dem Kraftdreikampf, der vielleicht 2028 seine olympische Premiere feiert. Sollte dies der Fall sein, dann müssen die Handballer wohl noch lange auf ihn warten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare