Größter Umbruch seit 13 Jahren

HV Lok Stendal schmeißt die Jugend ins kalte Wasser

Ludwig Gercke tankt sich zum Wurf durch.
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Tom Schumann (hinten, Mitte) schaut bei Ludwig Gercke (vorne) und Co. in Zukunft noch genauer hin.
  • Tobias Haack
    vonTobias Haack
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Handball-Verbandsligist HV Lok Stendal steht vor einem großen Umbruch. Einige Leistungsträger wollen das Team verlassen. Die entstehenden Löcher soll der eigene Nachwuchs stopfen. Das Potenzial dafür ist laut Vereinsführung vorhanden.

Stendal - „Alles neu macht der Mai“, heißt es in einem bekannten Kinderlied. Handball-Verbandsligist HV Lok Stendal hat sich diese Zeilen offensichtlich zu Herzen genommen und am Wochenende verkündet, dass er sich zur kommenden Saison neu aufstellen möchte. Zwar bleibt Jörg Schulze im etablierten Gespann mit Frank Ziekau der Cheftrainer der Eisenbahner, doch auf der Platte zieht der Klub eine radikale Verjüngungskur durch.

Der Vorstand um den Vereinsvorsitzenden Maik Hornuff sowie die Trainer der Herren und der A-Jugend hatten die Corona-Pause genutzt, um sich intensiv über die künftige Ausrichtung des Vereins auszutauschen und sind zu einem einstimmigen Ergebnis gelangt: Die Sachsen-Anhalt-Liga-Vertretung der A-Jugend wird aufgelöst, die Youngster rücken in den Verbandsliga-Kader auf und füllen dort die Lücken, die sich zur neuen Saison durch diverse Spieler-Abgänge ergeben werden.

A-Junioren rücken in den Kader

„Einige Spieler der A-Jugend aber auch der Herren haben ihren Lebensmittelpunkt nicht mehr in Stendal. Daher mussten wir diese Entscheidung jetzt treffen. Im Sinne der Qualität auf dem Feld, aber auch im Sinne der Quantität und Qualität im Training“, erklärt HV-Lok-Chef Maik Hornuff im Gespräch mit der Altmark-Zeitung. „Wir wollen die Chance jetzt nutzen, ein neues Team aufzubauen, in dem sich jeder neu beweisen muss. Die Jungen, aber auch die Älteren.“

Wir wollen die Chance jetzt nutzen, ein neues Team aufzubauen, in dem sich jeder neu beweisen muss. Die Jungen, aber auch die Alten.

Maik Hornuff (Vereinsvorsitzender, HV Lok Stendal)

Wie genau der Verbandsliga-Kader der Stendaler zum Saisonstart aussehen wird, ist aktuell noch unklar. „Erstmal muss man abwarten, ob alle nach der Pandemie am Ball bleiben“, schildert Hornuff die diffizile Ausgangslage. Bei Tim Krähe und Elias Tembe, die ihr Studium in Kürze beendet haben werden, geht die Tendenz dahin, dass sie Lok aus beruflichen Gründen verlassen werden. Torhüter Frank Nagel möchte altersbedingt nur noch im Notfall aushelfen und auch Chris Rosentreter und Tobias Vogel haben angekündigt, kürzertreten zu wollen.

Wie einst im Jahr 2008

Fünf Leistungsträger, die es für die Rolandstädter zu ersetzen gilt. Mit Kräften aus der eigenen Jugend, so der Plan. „Die A-Jugend hat ihr Potenzial in der Sachsen-Anhalt-Liga angedeutet. Jetzt wird es Zeit, dass wir auf diese super Truppe zurückgreifen“, merkt Hornuff fast schon vorfreudig an. Es ist ein Umbruch, wie ihn die Eisenbahner zuletzt vor knapp 13 Jahren vollzogen haben. Damals sei das Herrenteam laut Hornuff ausgetrocknet gewesen, spielte in der Nordliga gegen den Abstieg. Es stießen Talente wie Rosentreter oder Tom Schumann dazu und der HV Lok entwickelte sich Schritt für Schritt nach vorne, bis zum Aufstieg in die Verbandsliga.

Trainerteam wird erweitert

Ob die neue Generation eine ähnliche Erfolgsstory schreiben kann, bleibt abzuwarten. Alternativlos ist der Sprung ins kalte Wasser dennoch. „Wir wollten einen Abwärtstrend vermeiden und mussten deshalb jetzt proaktiv handeln“, unterstreicht Maik Hornuff. Damit die Integration der Talente gelingt, werden Jörg Schulze und Frank Ziekau auf der Bank von Norman Elsner und Tom Schumann unterstützt. Hornuff: „Dabei geht es darum, dass unsere Trainer im Trainingsbetrieb entlastet werden. Aber auch darum, dass die älteren Spieler die jungen Spieler führen. Natürlich muss sich das alles erst einspielen. Wir müssen sehen, wie es sich entwickelt.“

Auf konkrete Saisonziele lassen sich die Stendaler aufgrund der unklaren Ausgangslage nicht festlegen. Zu ungewiss ist die aktuelle Situation und auch die Konkurrenz lässt sich aufgrund der Pandemie kaum bis gar nicht einschätzen. Maik Hornuff bleibt deshalb entspannt: „Die neue Saison wird eine Standortbestimmung für uns. Wenn wir am Ende die Klasse halten, ist das absolut in Ordnung.“

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