Wohin geht die Reise?

Handball-Europameisterschaft: Altmärker sehen Turnier als Chance

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Am Sonnabend ab 18.30 Uhr starten Dagur Sigurdsson und die Deutsche Handballnationalmannschaft mit dem Spiel gegen Spanien in die Europameisterschaft in Polen.

Altmark/Polen. Selten dürfte eine Handballnationalmannschaft mit solch gemischten Gefühlen in eine Europameisterschaft starten wie in diesem Jahr. Dabei ist ihr Trainer Dagur Sigurdsson alles andere als zu beneiden.

Zahlreiche Ausfälle machen es dem deutschen Nationaltrainer nicht leicht, ein geformtes Team am Sonnabend bei der EM in Polen gegen Spanien auf das Parkett zu bringen (Anwurf 18. 30 Uhr). Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki (beide Rhein-Neckar Löwen) sind nur zwei Beispiele für die krassen Ausfälle des DHB-Teams.

Dennoch fiebern die altmärkischen Handballer dem Turnier entgegen. „Ich versuche jedes Spiel zu sehen“, so Sebastian Papendiek, Spielertrainer der HSG Osterburg. Aber auch Frank Ziekau vom HV Lok Stendal freut sich auf das Turnier, wenngleich er der Mannschaft Titelchancen abspricht: „Wir freuen uns, dass es im Free-TV läuft. Auch wenn Deutschland ausscheidet schauen wir weiter die EM. Wann sieht man schon so viele klasse Handballer auf einem Haufen.“

Schwankende Leistungen, anhaltende Personalsorgen – die deutschen Handballer gleichen in diesem Jahr einer Wundertüte. In der Vorbereitung wechselten sich Lichtblicke wie das Spiel gegen Tunesien (37:30), mit schwarzen Momenten wie die 24:27-Niederlage zuletzt gegen Island ab. „Sie haben gegen Tunesien viel probiert. Es sind interessante Spielertypen mit dabei“, sieht Papendiek das Positive. „Es ist eine sehr junge Mannschaft, die heiß ist und unbekümmert aufspielen kann. Sie wird sich im Turnierverlauf steigern.“

Für die beiden altmärkischen Handballer sollte ein Weiterkommen für die deutsche Mannschaft drin sein, doch wohin geht die Reise? „Gerade bei der EM ist die Leistungsdichte sehr eng. Man kann gegen jeden rausfliegen“, so Papendiek. Ziekau wettert hingegen gegen das System der deutschen Bundesliga: „Die Liga ist total aufgebläht und man braucht sich nicht wundern, dass sich Leistungsträger verletzen. In Spanien und Frankreich haben die Spieler weniger Stress. Früher konnte man sich in Ruhe auf die EM vorbereiten.“

Aber für die jungen Spieler, welche im Normalfall nicht nominiert worden wären, ist die EM eine große Chance: „Sie können sich unter Wettbewerbsbedingungen internationale Erfahrung holen und beweisen. Es sind keine schlechten Spieler, nur sie brauchen noch zwei Jahre. Es fehlt die Cleverness.“

Von Falk-Stéphane Dezort

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