Andreas Kalupke beendet Laufbahn

40-Jähriger hat beim SV Oebisfelde Handball-Geschichte geschrieben

Vater und Tochter Kalupke
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Andreas Kalupke beendet seine Handball-Laufbahn, Tochter Lana tritt bereits erfolgreich in die Fußstapfen ihres Vaters.
  • Renee Sensenschmidt
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VON JÖRG STAADE

Verschleiß zu groß

Sicher mit ein Grund, dass die SVO-Legende seine Laufbahn laut eigenen Aussagen beenden wird, Der körperliche Verschleiß ist einfach zu groß geworden. „Seit gut zehn Jahren laufe ich mit einer kaputten Schulter rum, bin deshalb auch mit weniger Wurfkraft vom Rückraum an den Kreis gewechselt. Es zwickt hier und da, es reicht jetzt. Nun wollen wir mal der jungen Generation das Feld überlassen.“ Diese Entscheidung kann man verstehen, hat Andreas Kalupke doch über Jahre wie kaum ein Anderer alles für den Handballsport in der Allerstadt Oebisfelde gegeben.

Laufbahn

Sein Vater Reinhard war selbst aktiver Handballer. Ein technisch eleganter Spielmacher der 70/80er Jahre bei der BSG Lok Oebisfelde, der den jungen Andreas 1987 im Alter von sechs Jahren mit zum Handball nahm, ihm die Gene und das Talent vererbte. Kalupke-Junior durchlief alle Nachwuchsmannschaften in der Handballsparte bei der BSG Lok und dann beim Nachfolgeverein SV Oebisfelde. Er fiel schnell mit überdurchschnittlichen Leistungen auf und gab 1998 als 17-Jähriger sein Debüt in der ersten Männermannschaft. Andreas war stolz, neben Spielern wie Sven Breiteneder und Markus Müller auflaufen zu dürfen. „Die Jungs haben mich wirklich gut aufgenommen und mir geholfen, wo es ging. Besonders dankbar bin ich meinem damaligen Trainer Enrico Nefe, der mich toll gefördert hat und großen Anteil an meiner weiteren sportlichen Entwicklung besitzt.“

Andreas Kalupke wurde zu einem der Leistungsträger beim SVO. Er agierte im linken Rückraum und wurde dank seiner vielseitigen Technik und Spritzigkeit von den Gegnern gefürchtet. Nur eine Saison (2003) spielte er kurzzeitig mal für den MTV Vorsfelde in Niedersachsen, dann zog es ihn aber wieder zurück in die Heimat, wo er bis heute aktiv ist.

Wehmut

Mit etwas Wehmut blickt der Jubilar nun zurück auf die Zeit in der 1. Männermannschft. „Es war schon eine schöne Zeit. Vor allem die drei Jahre in der Regionalliga, mit Fahrten bis nach Bremervörde und Nordenham. Das war schon geil mit Elle (Timo Ellenberg), den Bischoff-Zwillingen, Kasi (Andreas Werner) und Eck (David Eckert). Da haben wir für einen sogenannten Dorfverein wie den AVO aus der Altmark in Sachsen-Anhalt viel geleistet. Da denkt man gerne dran zurück. Natürlich ging das auch alles nur mit Unterstützung der Eltern oder später, wenn die Familie dahinter steht.“

Denn durch den Sport lernte Andreas auch seine Frau Nadine kennen, die unter ihrem Mädchennamen Weber selbst bei den Frauen im Rückraum auf gleicher Position wie ihr Mann spielte. Mittlerweile gibt es in der Familie zwei Töchter, Lana (16 Jahre) und Mia (13), die sich, wie es auch anders nicht zu erwarten, dem Handballsport verschrieben haben. Andreas selbst ist seit einigen Jahren Trainer der weiblichen D-Jugend, da durchleben sie dann auch teilweise mal Lehrstunden beim Papa, dem sehr viel an der Unterstützung für den Nachwuchs liegt.

Extraschichten

Um dem körperlichen Verschleiß entgegenzuwirken und um weiter auf dem Niveau der Mitteldeutschen Oberliga spielen zu können, musste „Lumpi“ in den letzten Jahren mit großer Selbstdisziplin zusätzlich Trainingseinheiten einlegen. Er absolvierte so unter der Woche mehrmals Läufe über 10 Kilometer nach der Arbeit oder vor den Spielen einen Waldlauf. In Zeiten von Corona sieht man ihn jetzt öfter in familiärer Begleitung.

Doch sein Entschluss steht fest. „Irgendwann hat alles mal ein Ende, jetzt ist der richtige Zeitpunkt zum Aufhören. Ich bin aber der Letzte, der Nein sagt und nicht hilft, wenn Not am Mann ist. Doch es gibt genug junge Leute im Verein, denen es aber meist an Ehrgeiz fehlt.“ So beendet Andreas Kalupke nach 23 Jahren nun seine Karriere in der ersten Männermannschaft. Das Heimspiel am 24. Oktober 2020 gegen die HG Köthen, welches die Allerstädter mit 33:31 gewinnen konnten, ist somit das letzte Punktspiel von „Lumpi“ in Dress der SVO-Sieben.

Geschätzt

Die Entscheidung des Routiniers hat auch Trainer Christian Herrmann mit Bedauern zur Kenntnis genommen. „Ich schätze Andreas sehr als Sportsmann, wie auch als Mensch. Er hat auch mich unterstützt, als ich nach Oebisfelde kam und mich später als jüngeren Trainer respektiert. Gerade in den letzten Spielen als Abwehrchef hat man gesehen, was wir an ihm haben und welche Impulse er dem Team geben konnte. Natürlich hätten wir uns alle für ihn eine würdige Verabschiedung gewünscht vor einer Partie in der Hans-Pickert-Halle. Aber das wird nachgeholt.“

Zeit für Hobbys

Auf alle Fälle wird der Andreas in Zukunft etwas mehr Zeit für seinen Hobbys haben. Da ist zum einen das Traktor fahren. Eine Leidenschaft schon aus der Jugendzeit in den Ferien bei Opa und Oma. Jetzt in der Erntezeit auch mal für die Agrargenossenschaft wieder, da opfert der VW-Angehörige schon mal sein Überstundenkonto. „Auf diesen neumodernen Treckern heute das ist schon eine tolle Sache mit der ganzen Technik. Ein geiles Gefühl.“ Und dann hat er vor drei Jahren mit seinem Schulkumpel David Eckert den Angelschein gemacht. Jetzt geht es öfter an den Mittellandkanal, zur Müritz oder bis nach Österreich zum Fische fangen.

Talentierte Tochter

Besonders stolz ist Andreas aber auf Tochter Lana, konnte diese doch im vorigen Jahr mit den C- und den B-Mädchen des SV Oebisfelde jeweils den Landesmeistertitel an die Aller holen. Lohn für ihre ganz starken Leistungen: Sie wurde für die Landesauswahl von Trainerin Lena Witzke nominiert. Dazu trainierte sie schon seit letztem Herbst mit bei den 1. Frauen des SV Oebisfelde, war hoch-motiviert und hätte zur Rückrunde eine Verstärkung in der Sachsen-Anhalt-Liga werden können. Im Februar wurde Lana 16 Jahre alt, ist damit offiziell spielberechtigt und damit die Jüngste im Team. Coronabedingt ist die Saison abgebrochen, doch sie wird ihr Talent noch unter Beweis stellen können. Da ist man sich im Hause Kalupke sicher. Man kann Nadine, Lana, Mia und Andreas für die Zukunft nur alles Gute und viel Gesundheit wünschen.

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