RUDERN – U19-WM IN TOKIO Paul Berghoff im Doppelvierer weiter

Auf dem Weg zu Gold

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Der deutsche Doppelvierer mit Paul Berghoff (an Position drei) überstand den Vorlauf bei den U19-Weltmeisterschaften im japanischen Tokio souverän als Erster. Morgen steht das Halbfinale an.

Stendal/Tokio – Er kam mit 24-stündiger Verspätung an. Sein Gepäck war nicht im richtigen Flieger. Und so musste Paul Berghoff bei den U19-Weltmeisterschaften der Ruderer in Tokio, die gestern mit den Vorläufen begonnen haben, ohne seine eigene Wettkampfkleidung antreten.

Und auch ohne seine Kontaktlinsen. Eigentlich keine idealen Voraussetzungen.

Dennoch setzte sich der Stendaler gestern Vormittag mit seinen Kollegen des Doppelvierers, Alexander Finger, Sören Henkel und Elrond Kullmann, ins Boot. Es wurde ein packendes Rennen, in dem vier Boote an der Spitze den Einzug ins Halbfinale unter sich ausmachten. 50 Meter vor dem Ziel lag die russische Mannschaft noch vorn. Doch das deutsche Quartett konnte sich mit einem starken Schlussspurt auf den letzten 50 Metern noch an dem lange führenden Kontrahenten vorbeischieben. Für Paul Berghoff, der seine Rennen für den SC Magdeburg bestreitet, ein wichtiger Mosaikstein auf dem Weg zum durchaus möglichen WM-Titel.

Zugleich war es ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk. Am Montag ist er 18 Jahre alt geworden. Und durfte das Mannschaftshotel am Abend für ein gemeinsames Geburtstagsessen mit seinen Eltern für eineinhalb Stunden verlassen. Doch zum Anstoßen auf seine Volljährigkeit gab es für den Stendaler nur Wasser – aus der Flasche. Auch Eis darf er nicht essen. Alles muss dem wichtigen Wettkampf untergeordnet werden. Doch das nimmt der ehrgeizige Athlet gern in Kauf. „Er fühlt sich sehr wohl hier“, erzählt sein Vater Carsten Berghoff. Dass seine Eltern dabei sind, motiviert den nunmehr erwachsenen Ruderer zusätzlich. Die Medaille im Doppelvierer hat er fest im Visier.

Nahezu direkt nach dem Halbfinal-Einzug kam dann gestern auch sein Koffer an. So kann er morgen mit seiner eigenen Wettkampfkleidung und auch mit Kontaktlinsen antreten. Damit seine Brille nicht rutschen konnte, hatten ihm die Betreuer extra ein provisorisches Band befestigt. Bei 30 Grad im Schatten und einer Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent war das auch enorm wichtig. Paul Berghoff kommt mit den Bedingungen vor Ort ansonsten gut zurecht. Die Rennstrecke wurde in einem Hafenbecken errichtet. Und gilt wegen des Windes und der Wellen als sehr anspruchsvoll. „Aber wer auf der Elbe trainiert, kennt Wind und Wellen“, erzählt Vater Berghoff.

Um die Stadt zu erkunden, dafür hat der Ruderer keine Zeit. Aber seine Eltern haben schon einiges in der japanischen Metropole entdeckt. „Es ist groß, laut und bunt. Aber schön“, sagt Carsten Berghoff. Das erste Abenteuer hat die Familie schon überstanden. Ein Ausläufer eines Erdbebens ließ alles im Hotelzimmer im 14. Stock wackeln. Auch das gehört zu einem Japan-Besuch.

VON SABINE LINDENAU

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