Fußball – Landespokal-Halbfinale: Der Triumph des 1. FC Lok Stendal in fünf Punkten

Getaktet wie die Profis

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Ohne Rücksicht auf Verluste in eigenen Reihen sprang Lok-Keeper Lukas Kycek in die zahlreichen hohen Bälle der Zorbauer (l., Alexander Palme). Marcel Werner (Mitte) musste einstecken.

Stendal. Knapp ein Jahr nach der Landesmeisterschaft und der Rückkehr in die Fußball-Oberliga hat die junge Mannschaft des 1. FC Lok Stendal am Sonntag erneut etwas Historisches geschafft.

Dank des 1:0-Sieges im Landespokal-Halbfinale bei Blau-Weiß Zorbau stehen die Altmärker erstmals seit 15 Jahren wieder im Endspiel des FSA-Pokals. Heißt der Finalgegner am 21. Mai 1. FC Magdeburg, ist sogar die Teilnahme am DFB-Pokal in der kommenden Saison wahrscheinlich. Letztmals traten die Altmärker dort im Jahr 1996 an und schieden vor 3500 Zuschauern in der 1. Runde mit 1:5 gegen Hertha BSC Berlin aus. Die Hintergründe zum großen Wurf in Zorbau haben wir in fünf Punkten zusammengefasst.

Erst glücklich, dann tüchtig

Matchwinner Philipp Groß konnte sich nach der Partie vor Umarmungen kaum retten. 

Den Auftakt in die Partie verschliefen die Stendaler komplett. Verbandsligist Zorbau begann vor über 800 Zuschauern furios, angeführt von seinem Torjäger Alexander Palme. Der Angreifer der Gastgeber war für die Stendaler Hintermannschaft zunächst nur schwer zu verteidigen, scheiterte aber an Latte (4.), Pfosten (7.) sowie mit einem Freistoß, der knapp am Tor vorbeistrich (20.). Erst nachdem Lok mit seiner ersten Chance zum 1:0 (24.) traf, schaffte es die Mannschaft von Trainer Sven Körner, Gleichwertigkeit herzustellen. Sie verteidigte mit viel Leidenschaft und begann, sich den Sieg mit ehrlicher Arbeit zu verdienen.

Rechtzeitig in Topform

Entscheidenden Anteil am Stendaler Halbfinalerfolg hatte Torhüter Lukas Kycek. Der Winterneuzugang hatte erst in der vergangenen Woche Bryan Giebichenstein als Nummer eins abgelöst und lieferte nun seine bislang beste Partie ab. „Am Anfang hatte er Probleme bei uns, weil ihm die Spielpraxis fehlte. Er hat sich aber inzwischen stabilisiert und heute viele hohe Bälle weggenommen. Damit hat er der Mannschaft Ruhe gegeben“, verteilte Lok-Trainer Sven Körner nach der Partie ein Lob an den tschechischen Schlussmann.

Hart aber fair

Obwohl in diesem Halbfinale sowohl sportlich als auch finanziell viel auf dem Spiel stand, verlief die Partie ausgesprochen fair. Eine Gelbe Karte für Zorbaus Marc Barthmuß und eine für Stendals Benedikt Nellessen, mehr Verwarnungen musste Schiedsrichter Felix-Benjamin Schwermer nicht aussprechen. Beachtlich war dies vor allem aus Stendaler Sicht, da sich die Gäste nach der Führung sehr tief aufstellten und robust verteidigten. Eine Ausgangslage, bei der sich schnell mal Karten ansammeln können. Nicht so beim 1. FC Lok in Zorbau. „Ich habe den Jungs gesagt, dass sie nicht überdrehen sollen. Das haben sie gut umgesetzt“, erklärte Trainer Körner, „wir sind allerdings auch noch nie eine Mannschaft gewesen, die Karten sammelt. Von daher kam das nicht überraschend.“

Einmal wie eine Profimannschaft

Um das große Ziel Finale zu erreichen, überließ der 1. FC Lok Stendal auch organisatorisch nichts dem Zufall. Mannschaft, Trainer und Betreuer reisten bereits am Sonnabend in die „Egidius-Braun-Sportschule“ nach Leipzig, wo sie die letzten Stunden vor dem Spiel des Jahres verbrachten. Der Ablauf bis zum Anpfiff am Sonntag war im Stile einer Profimannschaft exakt durchgetaktet. Gemeinsame Mahlzeiten zu festen Zeiten, Videoanalysen des Gegners, ein Spaziergang am Morgen des Spieltags, gefolgt von Einzelgesprächen und der abschließenden Teambesprechung. Um 12 Uhr brach der Lok-Tross zum Zorbauer Stadion auf, wo er planmäßig 12.45 Uhr ankam. Anschließend lief alles wie bei normalen Punktspielen ab. Erwärmung und Abläufe vor Ort waren schließlich schon vor dem Pokalspiel professionell.

Emotionen kochen über

In Zorbau wurde die Mannschaft von knapp 300 mitgereisten Fans beim Finaleinzug unterstützt. Zum Leidwesen des Vereins lief diese Unterstützung allerdings nicht wunschgemäß ab. Eingangs jeder Halbzeit zündete der Lok-Anhang Pyrotechnik, gleich dreimal wurde der (Bau-)Zaun vor der Tribüne zum Einsturz gebracht. Sportvorstand Ralf Troeger musste zur Beruhigung ebenso vor den Fanblock treten wie Trainer Sven Körner Mitte des zweiten Durchgangs, nachdem sein Trainerkollege massiv beschimpft worden war.

Der kollektive Platzsturm nach dem Abpfiff zur gemeinsamen Feier mit den Spielern war zwar abgesprochen, verlief aber ebenfalls nicht reibungslos. Ein halbes Dutzend vermummter Stendaler Anhänger nahm Kurs auf die Ordner, wurde aber rechtzeitig von Kapitän Philipp Groß, Benedikt Nellessen und weiteren Spielern zurückgehalten. Zudem wurden mehrere Böller gezündet.

Der fade Beigeschmack für den Verein: Ehe er sich über die zu erwartenden sechsstelligen Einnahmen für die Teilnahme am DFB-Pokal freuen kann, dürfte der 1. FC Lok Stendal zunächst vom Landesverband FSA für die Vergehen seiner Fans in Zorbau zur Kasse gebeten werden.

• Die Bilder vom Pokal-Halbfinale in Zorbau finden Sie in unserer Galerie unter:

Von Tobias Haack

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