Fußball – Wie der SV Germania Tangerhütte den Weg zurück in die Landesklasse fand

Vom Gespött zum Meister

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Mit jungen Spielern wie Angreifer Rosario Schulze (am Ball) gelang dem SV Germania Tangerhütte ein erfolgreicher Neuaufbau, der in einer rekordverdächtigen Kreisoberliga-Saison mündete. 

Tangerhütte. Als der SV Germania Tangerhütte vor zwei Jahren den Gang in die Kreisoberliga antreten musste, war der Abstieg aus der Landesklasse mehr als brutal.

Lediglich vier Siege, 98 Gegentore, ein hilfloses Team ohne Plan und System – die Germanen gaben eine traurige Gestalt ab. Der Abgang von der Bühne Landesfußball war derart krachend, dass mit einer zeitnahen Rückkehr nicht zu rechnen war. In der Altmark machte sich hinter vorgehaltener Hand Spott breit. Die Lichter seien aus, der Verein läge in Trümmern.

Die Tangerhütter ignorierten die Unkenrufe, nahmen ihre neue Rolle an und wagten einen radikalen Umbruch. Die zweite Mannschaft wurde aufgelöst, der Kader des Kreisoberliga-Teams breiter aufgestellt. Mit Daniel Rapczinski fand sich zudem ein neuer Trainer, der auf ein modernes Spielsystem setzte. Nach einem soliden fünften Platz in der ersten Saison übernahm im vergangenen Sommer Jürgen Dobberkau mit der klaren Mission, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Der Plan ging auf: Tangerhütte stellte die überragende Kreisoberliga-Mannschaft 2017/18. Der Gewinn der Kreismeisterschaft mit 78 Punkten und 116:21-Toren bedeutete sogar einen neuen Rekord.

„Dass wir es am Ende zu so einem Durchmarsch geschafft haben, war nach den ersten Partien kaum absehbar. Eigentlich war Schinne der Maßstab“, blickt Meistertrainer Dobberkau auf einen umkämpften Saisonstart zurück. Letztlich war es aber eine beeindruckend konstante Tangerhütter Hinserie, die den Grundstein zum späteren Titel legte. Während Schinne, Goldbeck und Co. Punkte liegen ließen, marschierte Germania ungeschlagen in die Winterpause.

Bereits zur Halbserie war der Vorsprung immens (zehn Punkte). Das damalige Torverhältnis von 55:6 war eine Hausmarke, wobei besonders die Defensive um Jörn Schumacher und Kapitän Sören Buchholz souverän aufspielte. Am Saisonende kam Germania gar auf 17 Spiele ohne Gegentreffer.

In der Offensive setzten die jungen Spieler im Kader die entscheidenden Akzente. Patrice Boehm, Rosario Schulze und Max Göhring spielten eine starke Saison und standen somit stellvertretend für die gute Nachwuchsarbeit des Vereins. Auch personelle Rückschläge steckte die Mannschaft von Trainer Dobberkau unbeeindruckt weg. Die langfristigen Ausfälle von Hendrik Strube und Christian Englich (beide mit Beinbruch) sowie von Torjäger Boehm (Knöchelverletzung) kompensierte der junge Kader problemlos. „Eine großartige Moral“, konstatierte Dobberkau seinem Team daher nicht zu Unrecht.

Einzig zu Beginn der Rückrunde schienen die Tangerstädter Nerven zu zeigen. Beim mit acht Oberliga-Akteuren aufgehübschten 1. FC Lok Stendal II unterlag der Spitzenreiter mit 0:3. Trainer Jürgen Dobberkau nahm sich eine Auszeit, die Mannschaft raufte sich zusammen und zeigte eine beachtliche Reaktion. Germania ging aus dieser kleinen Krise noch stärker hervor. Ihr Trainer kehrte alsbald zurück. Der Leistung des SVG tat das zwischenzeitliche Chaos keinen Abbruch. Die letzten zehn Spiele wurden allesamt gewonnen. „Hervorzuheben war der 4:0-Heimsieg gegen Schinne, der auf einem sehr hohen Niveau stehend, das Rückrunden-Highlight darstellte“, so Dobberkau.

Eine weitere, nicht zu verachtende, Säule des Tangerhütter Erfolgs waren die familiären Strukturen des Vereins. Als die Personalnot im Laufe der Rückrunde größer wurde, sprangen mit Daniel Rapczinski, Sebastian Arndt, Thomas Bakowski und Ronny Poller vier Routiniers ein und wurden problemlos integriert. Abteilungsleiter Karsten Paul, Herrenspielleiter Peter Borstel, Vereinschef Gerhard Borstell sowie Mannschaftsbetreuer Ralf Düsedau hielten den Aktiven als „Team hinter dem Team“ den Rücken frei. Es war eine große Einheit, die sich auf den Weg zurück in die Landesklasse machte.

„Als Aufsteiger wollen wir mit den Tangerhütter Originalen Taube, Studte und Co. unsere Erfolgsgeschichte mit der Unterstützung unserer treuen Fans weiterschreiben“, geht Dobberkau motiviert in die neue Spielzeit. Dass die junge Mannschaft der Germanen als Neuling kleinere Brötchen backen muss, ist dabei allen Beteiligten bewusst. Zu einer Lachnummer wie vor zwei Jahren dürfte sich der Verein aber nicht mehr machen.

Von Tobias Haack

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