Fußball: Tangerhütte dominiert die Hinserie / Schinne und Goldbeck hinter Erwartungen zurück

Germania ist das Maß aller Dinge

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Zwei Routiniers an unterschiedlichen Tabellenenden: Christian Englich (links) führt mit Germania Tangerhütte die Liga an, während Christian Lust (rechts) und Elbe Uetz Rang 16 belegen.

Altmark. Zwischen den eigenen Ansprüchen, den Erwartungen der hiesigen Fußballfans und dem tatsächlichen Leistungsvermögen klaffte bei den Kreisoberliga-Fußballern aus der Ostaltmark in der ersten Hälfte der Saison 2017/18 zuweilen eine recht große Lücke.

Das mussten gleich mehrere Teams feststellen, die im Sommer noch als große Titelkandidaten gehandelt worden waren. Zur Saisonhalbzeit zeigt sich einmal mehr, dass Otto Rehhagel mit seiner Fußballweisheit immer noch richtig liegt. Denn: „Die Wahrheit liegt auf dem Platz. “ Auch im Kreisoberhaus.

Beeindruckend konstant

Als absolut beeindruckend darf die Hinserie von Germania Tangerhütte bezeichnet werden. Mit Jürgen Dobberkau an der Seitenlinie haben sich die Tangerstädter nicht nur in der Defensive stabilisiert, sie spielten von Woche zu Woche im Stile einer Spitzenmannschaft und haben ihr volles Potenzial trotzdem nicht immer ausgeschöpft. Soll heißen: Hinten stand bei den Germanen fast immer die Null und vorne wurden die Chancen mal mehr, mal weniger konsequent genutzt. Allen voran durch die beiden Top-Torjäger Patrice Boehm und Christian Englich. Dank der mit Abstand besten Defensive der Liga und der treffsichersten Offensive gewann Tangerhütte elf der 14 absolvierten Partien, spielte dreimal unentschieden und ist immer noch ungeschlagen.

Enttäuschende Favoriten

Die hochgelobte Konkurrenz aus Schinne, Stendal oder Goldbeck kann angesichts einer solchen Bilanz nur neidlos Beifall klatschen und auf ein Wunder hoffen, damit das Rennen um die Kreismeisterschaft in der Rückrunde vielleicht irgendwie doch noch an Spannung gewinnt. Dabei war der Kampf um die Tabellenspitze bis etwa November wirklich spannend. Insbesondere weil Aufstiegskandidat Schinne ein fast makelloser Saisonstart gelang. „Wir hatten eine gute Vorbereitung, haben dementsprechend stark angefangen. Doch dann hat die Trainingsbeteiligung bei uns nachgelassen, was sich besonders zum Ende der Hinrunde auf dem Platz gezeigt hat“, erklärt Eintracht-Coach Lars Reifke den für Außenstehende überraschenden Leistungsabfall seines Teams.

Ähnlich selbstkritisch wie Reifke ist auch dessen Goldbecker Trainerkollege David Rose, der im Sommer ganz selbstbewusst vom direkten Wiederaufstieg seiner Blau-Gelben in die Landesklasse sprach. Derzeit steht Goldbeck auf Platz sieben der Tabelle. „Wir haben die Messlatte selbst ziemlich hochgelegt und sind weit davon entfernt, unser eigentliches Saisonziel noch zu erreichen. Ich möchte mich aber noch nicht ganz geschlagen geben und in der Rückrunde wenigstens noch gegen Schinne und Tangerhütte gewinnen“, sagt Rose.

Kamern stellt das Überraschungsteam

Wesentlich zufriedener als die hoch gehandelten Teams aus Schinne und Goldbeck ist man dagegen beim 1. FC Lok Stendal II, der im Sommer neu gegründeten SpG Bismark/Kläden, bei Empor Kamern und Germania Klietz. Alle vier Teams haben sich nämlich im oberen Tabellendrittel der Kreisoberliga etabliert, womit vor allem bei Empor Kamern vor Saisonbeginn nicht unbedingt zu rechnen war. Spielertrainer Benjamin Scheel hat aus dem Abstiegskandidaten aber einen echten Favoritenschreck geformt, der sowohl auswärts als auch zu Hause immer wieder mit positiven Ergebnissen überraschte.

Als Aufsteiger spielten sowohl der ASV Weiß-Blau Stendal als auch Post Stendal eine ordentliche Hinrunde. Beide Teams haben jeweils 20 Zähler auf der Habenseite und damit acht Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. So weit so gut. Vollends konnten beide Stendaler Vereine den in sie gesetzten, hohen Erwartungen aber trotzdem nicht gerecht werden. Schließlich wurde in personeller Hinsicht sowohl bei Weiß-Blau als auch bei Post im Sommer ein enormer Aufwand betrieben. Doch die zahlreichen klangvollen Neuverpflichtungen blieben in der ersten Saisonhälfte phasenweise noch einiges schuldig, was allerdings für die anstehende Rückserie hoffen lässt – zumindest beim Post SV. Weiß-Blau hingegen muss nach dem dubiosen Abgang von Trainer Riep und der nahezu kompletten ersten Mannschaft (die AZ berichtete) alle Kräfte mobilisieren, um nicht doch noch in den Keller abzurutschen.

Zwischen die beiden Aufsteiger – auf Platz neun – hat sich der Rossauer SV um Trainer Christian Schulze geschoben, der seinen vor Kurzem eingeschlagenen Weg konsequent weiter geht. Soll heißen: Beim RSV setzt man auf junge Talente und ein modernes Spielsystem. Dass dadurch die Leistungen schwanken und die Ergebnisse nicht immer positiv sind, war zu erwarten bzw. ist ganz normal. Auf lange Sicht gesehen dürften sich die Erfolge aber einstellen – vielleicht ja auch schon in der Rückrunde.

Sechs Traditionsteams müssen zittern

Ab Platz elf kämpfen gleich sechs Teams um den Klassenerhalt in der Kreisoberliga. Dabei konnten sich Preußen Schönhausen und Eintracht Lüderitz zum Ende der Hinrunde ein kleines Polster auf die drei Abstiegsränge verschaffen. Sven Stiewe, Trainer der Lüderitzer Eintracht, freute sich ganz besonders über die beiden Siege gegen Schinne und die Lok-Reserve: „Das war ein wirklich gelungener Abschluss der Hinrunde und macht Mut für die Rückrunde, in der wir dann hoffentlich noch besser besetzt sind.“

Derzeit sieht es so aus, als ob die beiden Kreisoberliga-Urgesteine Kickers Seehausen und KSG Berkau um den letzten Nichtabstiegsplatz kämpfen. Dabei zeigte vor allem bei Berkau die Formkurve nach einem ganz schwachen Saisonstart leicht nach oben. Und nach dem Wechsel auf der Kommandozentrale – Björn Staschat hat etwa zur Mitte der Hinrunde das Traineramt von Christian Schlawin übernommen – ist man bei der KSG frohen Mutes, dass man im zweiten Saisonabschnitt noch genügend Punkte einfährt, um die Klasse zu halten. Von so viel Zuversicht können die Verantwortlichen bei der SV Krüden/Groß Garz und beim VfB Elbe Uetz dagegen nur träumen. Beide Mannschaften stehen nach einer desolaten Hinrunde bereits mit dem Rücken zur Wand. „Der Blick auf die Tabelle ist ernüchternd, der letzte Platz sagt alles über unsere Hinrunde aus“, resümiert Torsten Bruns, Trainer der Uetzer, absolut enttäuscht.

Ähnlich bitter sieht es für die Krüdener/Groß Garzer aus. Vor einem guten halben Jahr noch in der Landesklasse aktiv, sieht derzeit alles danach aus, dass die Lange-Elf schon bald für die Kreisliga planen kann. Es sei denn, die Mannschaft bekommt ihre unübersehbaren Offensivprobleme endlich in den Griff.

Von Christian Buchholz

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