Handball-Verbandsligist SG Seehausen vollzieht eine erfolgreiche Verjüngung des Kaders

Generationswechsel ohne Druck

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Wenn Gunnar Menofs (Mitte) konsequent zum Tor zieht, ist er von den Gegnern kaum zu halten. Er ist nur eines von vielen jungen Talenten der SG Seehausen.

Seehausen. Es ist gut zwei Jahre her, da stiegen die Handballer der SG Seehausen nach einer schwachen Saison als Tabellenletzter aus der Sachsen-Anhalt-Liga ab.

Die Mannschaft damals wirkte leer, emotionslos und nach einigen Jahren des Abstiegskampfs in der höchsten Spielklasse des Landes einfach ausgebrannt. Die Abstiegssaison verlangte förmlich nach einem Umbruch – und der Verein handelte. Mit Frank Leo übernahm nicht nur der Abteilungsleiter, sondern auch ein Jugendtrainer die Verantwortung im Herrenbereich. Leo leitete bereits in der vergangenen Spielzeit einen strikten Verjüngungskurs ein, der sich nach nunmehr anderthalb Jahren auch immer öfter mit starken Ergebnissen bezahlt macht.

Der jüngste 40:30-Heimerfolg gegen den Post SV Magdeburg II war nicht nur der dritte Sieg in Serie, er bedeutete auch den zweiten Triumph in dieser Spielzeit mit über 40 eigenen Treffern. Aus der einst eher biederen SGS, die in der Vergangenheit vor allem für ihre resolute Abwehr berüchtigt war, ist eine spielstarke, dynamische, junge Mannschaft geworden. „Wir haben diesen Generationswechsel bereits im letzten Jahr eingeläutet und jetzt ist es so, dass die Kombination passt“, sagt Leo, „die Alten versuchen den Jungen zu helfen und die Jungen sind bereit, diese Hilfe auch anzunehmen.“

Was nach einer eher banalen Trainerfloskel klingt, lässt sich längst auch auf dem Spielfeld nachweisen. Die Veränderungen sind für jeden Zuschauer offensichtlich. Da wäre zum Beispiel Noah Bertram, ein Youngster, der erst in diesem Jahr fest zum Herrenkader gestoßen ist. Der Newcomer hat Routinier Alexander Söhnel als Siebenmeterschützen verdrängt und erledigte den Job vom Punkt in den vergangenen Wochen mit einer beeindruckenden Abgebrühtheit. Sowohl gegen Post Magdeburg als auch zuvor beim 29:28-Derbysieg in Stendal lag Bertrams Trefferquote bei hundert Prozent. „Der Junge ist einfach abgezockt“, meint Leo treffend.

Doch es sind nicht mehr nur die Siebenmeter, die gestandene Spieler wie die Söhnel-Brüder, Torhüter Sebastian Johannes oder Spielmacher Philipp Arndt an die Jugend abtreten. Auch die Spielanteile verschieben sich immer mehr in Richtung Nachwuchs. „Einen Spieler wie den Alex Söhnel, den musstest du früher vom Platz runterprügeln, heute lässt er der Jugend freiwillig den Vortritt“, erklärt Leo. Streit oder Ungereimtheiten aufgrund des Konkurrenzdrucks im üppigen Seehäuser Kader konnte der Trainer noch nicht ausmachen. Vielmehr seien die Routiniers erleichtert, endlich etwas von ihrer jahrelangen Verantwortung abgeben zu können.

Jugend und Alter gehen im Verbandsliga-Team der SG Seehausen derzeit Hand in Hand. Die Philosophie der Verjüngung wird vom kompletten Verein getragen. Trainer Frank Leo lebt sie vor. „Die Jungs brauchen alle ihre Spielzeit, damit sie sich entwickeln können. Egal bei welchem Spielstand! Das Potenzial ist da, also muss man es sich entfalten lassen“, so sein Credo.

Von Tabellenplatzierungen und Titeln möchten die Seehäuser ihre Entwicklung nicht abhängig machen. Auch eine mittelfristige Rückkehr in die Sachsen-Anhalt-Liga sei laut Leo kein Thema. „Der Zwang ist nicht gegeben. Wir wollen schöne Spiele machen und in der Verbandsliga oben mitspielen.“ Der Grundstein dafür ist beim Tabellen-Sechsten aus der Wischestadt gelegt.

Von Tobias Haack

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