INTERVIEW Lok Stendals Trainer Jörn Schulz spürt die Rückendeckung

„Geht nicht um meine Person“

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Durchleben Tiefen: Lok Stendals Trainer Jörn Schulz (l.) und Abwehrspieler Johannes Mahrhold.

Jörn Schulz ist seit einem Jahr Trainer des 1. FC Lok Stendal. Erneut geht es nur um den Oberliga-Klassenerhalt. Im Interview mit AZ-Sportvolontär Patrick Nowak äußert sich der 42-Jährige zur nicht sorgfreien sportlichen Gegenwart.

Herr Schulz, der 1. FC Lok Stendal steht erneut auf einem Abstiegsplatz. Wie sehen Sie die aktuelle sportliche Situation?

Es ist für alle Beteiligten eine schwierige Situation. Wir haben die Hinrunde gut angefangen, gegen die Top-Mannschaften aus dem oberen Bereich gepunktet, aber zu viele Punkte liegen lassen. In den wichtigen Begegnungen mit Mannschaften auf Augenhöhe konnten wir leider nicht überzeugen, um etwas Zählbares mitzunehmen. Aus diesem Grund ist eine gut erhoffte Hinrunde in eine unzufriedene Halbserie übergegangen. Die Zuschauer, Fans, Mannschaft, der Verein und das Trainerteam sind zurecht nicht glücklich über die derzeitige Situation.

Ist das die schwierigste Phase Ihrer Laufbahn?

Nein, absolut nicht. Da ich mit dem Abstiegskampf in den letzten Jahren vertraut bin. Das gehört im Fußball dazu. Es sind keine schönen Momente und beschäftigt einen persönlich inklusive des eigenen Umfelds. Als Trainer muss man die Ruhe bewahren, Optimismus ausstrahlen und vorne weggehen.

Kürzlich wurde ein neuer Vorstand beim 1. FC Lok gewählt. Wie sehr spüren Sie die Rückendeckung?

Ich kann bisher sagen, dass der neue Vorstand ganz viele Ideen hat und vor positivem Tatendrang nur so strotzt. Aktuell habe ich nicht den Eindruck, dass meine Arbeit infrage gestellt wird. Es geht dabei auch nicht um meine Person, sondern den Erfolg des Vereins. Der Vorstand wird da die richtigen Entscheidungen treffen.

Bei Lok Stendal sind Sie nun ziemlich genau ein Jahr tätig. Wie sehen Sie rückblickend Ihre Mission als Feuerwehrmann mit dem gesicherten Oberliga-Klassenerhalt?

Rückblickend war das schon eine heftige Zeit, in einer fast aussichtslosen Phase, diese Mission Klassenerhalt zu übernehmen. Mein Einstieg gegen Blau-Weiß Berlin war eine Katastrophe und in der Rückrunde hatten wir quasi jede Woche ein Endspiel. Wir konnten dann in einer überragenden Rückrunde überzeugen. Und hatten einen extremen Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft, aber auch das nötige Spielglück auf unserer Seite.

Im Sommer haben Sie sich eine ruhigere Saison gewünscht – ohne Abstiegskampf. Hat Lok Stendal den kleinen Sprung in der eigenen Weiterentwicklung verpasst?

Schwierig zu analysieren. Wir haben wichtige Säulen wie Marcel Werner, Franz Erdmann, Lukas Kycek und Martin Gebauer verloren, konnten aber sehr gute Spieler für den von Lok Stendal eingeschlagenen Weg gewinnen. Natürlich fällt alles mit dem sportlichen Erfolg. Und da können wir momentan von keiner Weiterentwicklung sprechen.

Allerdings muss man auch alles realistisch beurteilen: Wir spielen jetzt im dritten Jahr in der Oberliga. Im ersten Jahr wurde die Liga erst am letzten Spieltag gehalten, letzte Saison dank einer überzeugenden Rückrunde am vorletzten Spieltag. Und nun befinden wir uns aktuell wieder auf einem Abstiegsplatz. Am Ende hat auch alles etwas mit Qualität zu tun und ich denke, Lok Stendal macht einen guten Job und kann stolzer Bestandteil der Oberliga sein.

Den Kader haben Sie bereits kurz erwähnt. Wie beurteilen Sie die Kaderzusammenstellung, an der Sie im Sommer auch beteiligt waren?

Ich bin von der Mannschaft und der Zusammenstellung absolut überzeugt. Es muss auch wirtschaftlich alles übereinstimmen. Man darf nicht von eingeschlagenen Wegen – mit Spielern aus der Jugend und Region Oberliga spielen zu wollen – predigen, sondern diese auch Leben. Aber dann auch zu eventuellen Konsequenzen stehen. Ich stehe absolut hinter diesem Weg. Man darf dann auch keine Wunderdinge erwarten. Lok Stendal hat eine gute Jugendarbeit. Die Spieler brauchen im Oberliga-Männerbereich einfach Zeit, die wir als Verein im Abstiegskampf kaum haben.

2019 stehen noch zwei Spiele an. Eins gegen den Kellerkonkurrenten Brandenburger SC Süd. Ist da ein Sieg schon Pflicht?

Definitiv. Wir wollen gewinnen und uns für den Aufwand belohnen. Am liebsten mit einer überzeugenden Leistung, um unseren Zuschauern etwas anzubieten.

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