1. FC Lok Stendal hinterlässt bei der Premiere in der Oberliga Eindruck

Gefährliche Leidenschaft

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Franz Erdmann (rechts) und Lok spielten über weite Strecken der Partie gegen Rudolstadt einen guten Ball. Von Gegner kam hinterher ein Lob.

Stendal. „In der Liga kann jeder jeden schlagen.“ Mit einem Satz sagt Holger Jähnisch, was aus seiner Sicht Sache ist in der Fußball-Oberliga. Er muss es wissen, schließlich spielt seine Mannschaft schon das sechste Jahr in der fünfthöchsten Spielklasse mit.

Das mit dem geschlagen werden hat er am Sonntag erfahren – und dafür war ausgerechnet der Neuling 1. FC Lok Stendal verantwortlich. Der Aufsteiger war dem Tabellenfünften der Vorsaison, Einheit Rudolstadt, in vielen Belangen überlegen.

Der wichtigste Punkt war die Leidenschaft, die der Liga-Neuzugang bei seiner Premiere vor heimischer Kulisse an den Tag legte. Wie von Lok-Trainer Sven Körner gefordert, überdrehte sein Team im ersten Spiel in der fünften Liga nicht, sondern drehte nach einer kurzen Kennenlernphase in der neuen Spielklasse auf. „In den ersten 20 Minuten mussten wir uns erstmal ein bisschen orientieren, wie es abläuft in dieser Liga. Ab der 20. Minute waren wir richtig gut im Spiel“, erkannte Körner.

Und dann aber wie. „Meine Mannschaft hat sehr leidenschaftlich gespielt“, war der Coach beeindruckt. Der Gegner offenbar auch. „Stendal hat sich mit Leidenschaft und Hingabe in den Zweikämpfen gewehrt. Mit allem, was sie hatten, haben sie sich reingeworfen“, lobte Jähnisch nachdem sein Team ohne jeglichen Erfolg geschlagen von dannen ging. Für ihn war die Niederlage in Stendal verdient. „Wenn du zwei Buden machst – egal wie – und wenn der Gegner aus vielen Chancen keine Tore erzielt, dann hast du verdient gewonnen. Ohne Tor kannst du keine Punkte mitnehmen, wenn du hinten Fehler machst“, merkte der Trainer der Thüringer an.

Lok nutzte als frech auftretender Aufsteiger die Fehler der Gäste vor allem in der ersten Halbzeit eiskalt aus. Aus vier guten Chancen machte Lok zwei Tore – keine schlechte Ausbeute. Das 0:1 kam für Jähnisch mit Ansage. Er hatte schließlich vor den Ecken der Stendaler gewarnt. Die kann Franz Erdmann ziemlich gut und Tim Schaarschmidt ist als Innenverteidiger auch keiner, der keine Kopfbälle kann.

Das Lok „gefährliche Standards“ produzierte, und das nicht nur beim ersten Tor in der Oberliga nach 14 Jahren, freute Körner. Beim 0:2 agierten Niclas Buschke und Benedikt Nellessen mit Entschlossenheit – und die Rudolstädter „nicht energisch genug“, wie ihr Coach monierte. Stendal begrüßte die Liga gleich mal mit einem guten Spiel. Dabei gab es „gute Umschaltmomente“, die Körner gerne sieht. Seine Umschalter profitierten dabei von der rustikalen Spielweise der Gäste, die mehr auf den langen Ball setzten.

Die ersten drei Punkte von anvisierten 30 haben die Körner-Schützlinge dank ihres guten, aber noch nicht perfekten Auftritts im Sack. Nach der Landespokal-Erstrundenspiel am Sonnabend beim Landesligisten Rot-Weiß Zerbst folgen in der Liga zwei Auswärtsspiele bei Askania Bernburg und VfL Halle. Mal sehen, wie Lok sich da macht. Und was die Gegner danach feststellen.

Von Benjamin Post

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