„Das können wir so nicht stehen lassen“

Gebeutelter 1. FC Lok Stendal lässt vieles vermissen

Jörn Schulz diskutiert mit Johannes Mahrhold.
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Jörn Schulz (l.) und Johannes Mahrhold auf Lösungssuche.
  • Patrick Nowak
    VonPatrick Nowak
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Nach der jüngsten 1:4-Pleite gegen Aufsteiger Mahlsdorf ist die Stimmung beim 1. FC Lok Stendal wieder einmal gedrückt. Trainer Jörn Schulz hadert dabei weniger mit der Niederlage, als viel mehr mit der Einstellung seiner Elf.

Stendal – Die Vorzeichen waren schwierig. Und haben sich bewahrheitet. Verletzungsbedingt hatte Trainer Jörn Schulz kaum Alternativen. Sein 1. FC Lok Stendal stellte sich personell quasi von alleine auf. Und verlor in der Fußball-Oberliga zu Hause 1:4 (1:2) gegen den Aufsteiger BSV Eintracht Mahlsdorf. Eine Nachbetrachtung in fünf Punkten:

Improvisierte Viererkette

Die Viererkette der Stendaler wirkte improvisiert. Und hatte so noch nie zusammen gespielt. Die Innenverteidiger Paul Schönburg und Artashes Danielyan fielen krankheitsbedingt aus. Johannes Mahrhold, etatmäßiger Verteidiger in der Abwehrzentrale, agierte gemeinsam mit dem jungen Lorenz Balliet. Nils Breda verteidigte rechts. Linksverteidiger Benjamin Bubke komplettierte die Viererkette. „Das ist zusammengewürfelt“, sagte Offensivmann Maurice Pascale Schmidt der AZ. Mühe sprach er den Defensiven nicht ab. Auch dem gesamten Team nicht. Von der Einstellung war es aber zu wenig. Gerade nach dem frühen Führungstreffer. Dem musste sich Lok-Trainer Schulz anschließen: „Wenn ich 1:0 in Führung gehe, muss ich alles dafür tun, mein eigenes Tor zu verteidigen.“

Zwei Beißer werden arg vermisst

Hinzu kommt, dass Lok Stendal ohne zwei Mentalitätsspieler auskommen musste. Felix Knoblich (Gelbsperre) und Steven Schubert (Gelb-Rot-Sperre) pflegen einen ähnlichen Spielstil. Niemals aufgeben. Zeichen in Zweikämpfen setzen. Sie gehen dorthin, wo es wehtut. Sie sind unangenehm. Unangenehm war Stendal gegen Mahlsdorf aber nicht. Eher zu zaghaft und zu brav. Abstiegskampf ohne Kampf bedeutet Abstieg, nicht nur im wörtlichen Sinne. Die dünne Personaldecke wollte Schulz nicht als Ausrede gelten lassen. Im eigenen Stadion, vor ihrem Publikum, nehmen sich die Eisenbahner vor, anders aufzutreten. Fehlen beim 1. FC Lok Stendal vier oder fünf Spieler und geht ein Teil davon nicht an seine Leistungsgrenze, „haben wir keine Qualität für diese Liga“, so die harte Analyse von Jörn Schulz. Wahr waren auch die Worte von Maurice Pascale Schmidt. „Wir hatten im Mittelfeldzentrum keinen Abräumer gehabt. Angelos Ntais und Lukas Breda sind kreative Sechser. Da hat ein Steven Schubert schon gefehlt.“

Pressing, aber nur halbherzig

Mit Dimos Daramaras und Maurice Pascale Schmidt versuchte es Schulz mit zwei unterschiedlichen Spielertypen in der Doppelsitze. Daramaras ist groß und wuchtig. Diese Eigenschaften zeigte der Grieche bei seinem Führungstreffer in der sechsten Minute per Kopf. Schmidt bringt das Tempo mit und ist für die Dribblings zuständig. Was phasenweise aber nicht funktionierte, war das Verhalten gegen den Ball. Daramaras machte vereinzelt die Wege, um vorne die Bälle zu erobern. Und winkte in der einen oder anderen Szene resignierend ab oder suchte schulterzuckend nach Unterstützung bei seinen Mitspielern. „Beim Pressing ist die Vorgabe, dass wir zusammen attackieren“, sagte Lok-Torwart Mateusz Zlotogorski. Der polnische Keeper schluckte vier Gegentore. Er parierte vor dem 1:2, war beim zweiten Ball machtlos und wurde alleine gelassen. Auch diese Details ließen Mahlsdorf vier Treffer im „Hölzchen“ erzielen.

Unzufriedenheit am Anschlag

Mit der Art und Weise der Niederlage war im Lager des 1. FC Lok Stendal keiner einverstanden. Trainer Jörn Schulz war der erste Protagonist, der das verdeutlichte. „Das ist das, was mich beschäftigt und das können wir so nicht stehen lassen“, kündigte der gebürtige Schweriner an, dass die Heimpleite detailliert hinterfragt wird. Schulz kann es sich selbst nicht erklären, warum seine Mannschaft mal kämpft und überzeugt, um dann in anderen Spielen keine Gegenwehr zu zeigen. Das dürfe nicht passieren, schob der Coach nach, der von einem „enttäuschenden Spieltag“ sprach.

Entschuldigung beim Publikum

Der Lok-Trainer hat während seiner nun fast dreijährigen Amtszeit immer wieder den Dialog zum treuen und kritischen Anhang im „Hölzchen“ gesucht. So auch während der Pressekonferenz am Sonnabend. „Ich möchte mich im Namen meiner Mannschaft bei unserem Publikum entschuldigen“, sagte Schulz. Auch Schmidt hat bemerkt, dass es für die Eisenbahner, die Tabellen-16. sind, ungemütlicher wird. Er dankte für die Unterstützung, und stellte heraus, dass es nicht im Interesse der Lok-Akteure sei, sich kampflos aufzugeben. „Es wird, wenn wir jedes Wochenende verlieren, unruhig. Kein Spieler kommt hier hin zum Training oder zum Spiel und nimmt sich vor, jedes Wochenende einen vor den Helm zu kriegen.“ Lok bekam es. Schmerzhaft. Mit 1:4. Aufgrund der dünnen Personaldecke. Aufgrund der fehlenden Leidenschaft. Trainer und Mannschaft hinterfragen sich intensiv. Der treue und kritische Lok-Fan aber auch. Fazit: Die Vorzeichen bleiben schwierig.

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