FUSSBALL Körner hospitiert bei Götze-Entdecker Hyballa in der Slowakei

Zu Gast bei „Mr. Gegenpressing“

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Zwei Trainer mit der gleichen Idee vom Fußball: Sven Körner (links) durfte in der vergangenen Woche bei Peter Hyballa (rechts) in der Slowakei hospitieren und nahm viele neue Ansatzpunkte für seinen weiteren Weg mit.

Streda/Stendal – Heiko Herrlich hat es mal beim FC Barcelona getan, Ralf Rangnick bei Arsenal London und Mirko Slomka sogar bei Real Madrid: Nicht wenige Trainer nutzen ihre unfreiwillige Freizeit nach einer Entlassung, um sich bei prominenten Kollegen in einem Praktikum weiterzubilden.

Gewöhnlich wird dabei ganz oben ins Regal gegriffen. Von Kontakten zu europäischen Spitzenklubs ist Lok Stendals ehemaliger Erfolgscoach Sven Körner aktuell noch weit entfernt. Doch auch er durfte in der vergangenen Woche Station bei einem bekannten Namen machen. Von Montag bis Freitag schnupperte der 36-Jährige Profiluft beim slowakischen Top-Klub DAC Dunajska Streda und schaute dabei dem renommierten deutschen Fußballlehrer Peter Hyballa über die Schulter. .

Der 43-jährige Hyballa hat vor allem im Jugendbereich des deutschen Fußballs seine Spuren hinterlassen. Er gilt als Entdecker Mario Götzes bei Borussia Dortmund und zog 2011 mit Zweitligist Alemannia Aachen sensationell ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein. Mittlerweile ist der gebürtige Bocholter Cheftrainer beim slowakischen Erstligisten Streda, den er in der laufenden Saison mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in die Europa League führen wird. Inhaltlich setzt Hyballa auf extrem hohes Pressing und Ballbesitz – am liebsten mit jungen Spielern. Gleiches galt auch für Körners gut fünfjährige Ära beim 1. FC Lok Stendal, weshalb die Hospitation bei Hyballa nun auch nicht zufällig zustande kam. „Bei mir gehen immer viele Bewerbungen für ein Praktikum ein. Ich gucke mir die Leute dann genau an und Sven hatte einen sehr interessanten Lebenslauf. In der Länderspielpause hat es jetzt mal gepasst, weil man da auch die Zeit hat, sich mit den Praktikanten zu beschäftigen“, erklärt Hyballa gegenüber der Altmark Zeitung.

Sven Körner, der trotz seiner Erfolge in Stendal noch am Anfang seiner Karriere steht, nahm die Möglichkeit in der Slowakei gerne wahr und kam schon an seinem ersten Tag nicht aus dem Staunen heraus: „Die Akademie in Streda ist vergleichbar mit dem, was RB Leipzig in Deutschland hat.“ Konkret stehen dem aktuellen Tabellendritten der slowakischen Liga, zwölf Trainingsplätze, moderne Fitnessbereiche, ein Kino-ähnlicher Videoanalyse-Raum und vieles mehr zur Verfügung. Die Profimannschaft selbst ist von 8 bis 18 Uhr auf dem Gelände, der Trainerstab um Hyballa sogar noch zwei Stunden länger. Jeder Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück von Trainern, Staff und Spielern. Kein Vergleich zu dem, was Körner bis jetzt beim Halleschen FC oder in Stendal gesehen hat. „Ich habe dort in allen Bereichen gemerkt, was Professionalität, Intensität und Akribie bedeutet“, schwärmt der Stendaler.

Selbst musste Körner in Streda wenig machen. Seine Aufgabe bestand darin, zu lernen, zu fragen und möglichst viel für sich selbst aus der Slowakei mitzunehmen. Eine Woche lang war der im September freigestellte Lok-Coach bei jedem Training, bei jeder Besprechung und sogar bei einem Testspiel hautnah dabei. „In Sachen Kommunikation auf dem Platz, was das Coaching von Trainer zu Mannschaft angeht, habe ich ein ganz neues Denken bekommen“, resümiert Körner. „Peter Hyballa hat eine sehr gute Art, mit den Spielern zu sprechen: Er ist hart, fair und empathisch. Was ich dort gelernt habe, sei es das Storytelling bei der Teambesprechung oder der Gebrauch von Codewörtern im Spiel, ist noch mal eine ganz andere Ebene, als das, was ich bisher kannte.“

Hyballa, der auf Stationen wie Wolfsburg, Dortmund, Leverkusen, Aachen oder Salzburg schon viel gesehen hat und für seine Menschenkenntnis geschätzt wird, stellte Körner ein durchweg positives Fazit aus: „Er ist ein Trainertalent, weil er Taktik und Empathie miteinander verbindet. Er hat das Herz am rechten Fleck und eine lockere Zunge. Das lieben die Spieler.“ Körners Zukunft könne laut Hyballa durchaus im Profi-Fußball liegen, den ersten Schritt dazu muss der gebürtige Hallenser allerdings selbst gehen. „Du musst wissen, wie heimatverbunden du als Trainer bist. Wenn du ins Profigeschäft gehst, bist du ja eher ein Seefahrer. Sven muss jetzt auf jeden Fall wieder in die Praxis kommen und dann auch seinen Fußballlehrer machen. Hospitationen sind schön, aber die Praxis kannst du dir nur auf dem Platz holen.“

VON TOBIAS HAACK

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