Bundestrainerin vergibt beim CVI die Tickets fürs CHIO in Aachen / Gastgeber müssen aufgeben / Zweite Mannschaft überzeugt

Ganz großer Voltigier-Sport in Krumke

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Das Juniorteam Krumke II auf Pikkolo sorgte für die Überraschung des Turniers und verpasste den Bronzeplatz nur hauchdünn.

Krumke. Die Reithalle in Krumke entwickelt sich immer mehr zum Mekka der deutschen Pferdeakrobaten.

Nachdem im Mai bereits der Preis der Besten ausgetragen wurde (AZ berichtete), reiste am vergangenen Wochenende ein großes Aufgebot der internationalen Voltigier-Spitze in das altmärkische Dorf zum CVI.

Insgesamt zehn Nationen waren vertreten und präsentierten „großen Sport“, wie es Ulla Ramge formulierte. Die Bundestrainerin vergab zugleich die deutschen Tickets für die Junioren-EM und das Weltfest des Pferdesports (CHIO) in Aachen. Für die Gastgeber um Marion Schulze lief es diesmal weniger optimal. Aufgrund einer Verletzung von Routinier Genion musste die erste Mannschaft vor dem zweiten Durchgang zurückziehen. Dafür trumpfte die Reserve groß auf.

Nach der Pflicht am ersten der drei Wettkampftage lag das heimische Team vom RFTV bei den Senioren noch auf Rang vier und damit in aussichtsreicher Position, mit der ohnehin starken Kür in den beiden folgenden Durchgängen auf die Konkurrenz aufzuschließen. Doch Turnierorganisatorin, Trainerin und Longenführerin Marion Schulze hatte ein ungutes Gefühl. „Genion lief diesmal nicht klar“, gab die 50-Jährige zu Protokoll.

Da mit Michael Köhler und Augusto Fernandez zwei hochrangige Tierärzte vom Weltverband FEI und dem nationalen Verband FN vor Ort waren, nutzte Schulze die Gunst der Stunde, zog den geplanten Start im heimischen „Wohnzimmer“ zurück und stellte den Experten das Tier zur zweitägigen Untersuchung vor. Nach einigen Tests stand fest: Genion ist trotz seines fortgeschrittenen Alters von 18 Jahren noch topfit und für künftige Turniere wieder einsetzbar. Die Pause in Krumke tat ihm dennoch gut, auch wenn die zahlreichen Fans aus der Altmark dadurch weniger auf ihre Kosten kamen.

„Wir hätten sicherlich gut mithalten können“, schätzte Schulze am Sonntag nach Abschluss aller Prüfungen ein. Auch Bundestrainerin Ulla Ramge bedauerte den Ausfall der derzeit besten ostdeutschen Mannschaft beim – neben dem CHIO in Aachen – größten internationalen Voltigierturnier auf deutschem Boden.

Während die erste Mannschaft also auf eine Darbietung ihrer akrobatischen Künste verzichtete, trumpfte die Reserve des RFTV groß auf. Die Mannschaft, die im Teamwettbewerb der Junioren angetreten war, galt bei starker Konkurrenz von Beginn an als Außenseiter, hatte also keine Chance – und nutze diese. Das Trainergespann stimmte die jungen Damen von vornherein darauf ein, dass es schwer wird, auch nur eines der sechs angetretenen Teams zu bezwingen. Am Ende landeten die in knalligem Orange in den Wettkampfzirkel eingelaufenen Krumker auf einem hervorragenden vierten Rang.

Die größte Überraschung: In beiden Kürumläufen lagen die Biesestädterinnen auf ihrem Pferd Pikkolo – an der Longe dirigiert selbstverständlich von Marion Schulze – zur Freude zahlreicher mitfiebernder Familienangehöriger auf der Tribüne auf Platz drei. „Sie haben die Kür super durchgeturnt und unsere Ehre gerettet“, sagte die Trainerin mit einem Augenzwinkern. Das Hauptaugenmerk hatte sie auf die Ausführung der Elemente gelegt, weniger auf der Schwierigkeit, mit denen andere Teams versuchten zu überzeugen. Das Motto: „Wir machen nur das, was geht, dafür aber ordentlich.“

Die Stars des Wochenendes kamen im Teamwettbewerb aus Mainz-Laubenheim. Die Mannschaft von Voltigiermeisterin Hanne Strübel überzeugte auf Elevation mit waghalsigen Übungskombinationen und sorgte für spektakulären Sport auf höchstem Niveau.

Im Damenwettbewerb unterstrich die Hamburgerin Kristina Boe ihre derzeitige Ausnahmestellung im deutschen Voltigiersport. Die 25-jährige Medizinstudentin deklassierte die internationale Konkurrenz um sagenhafte fünf Zehntel Punkte und unterstrich damit ihre Ambitionen auf eine Medaille bei den diesjährigen Europameisterschaften im österreichischen Ebreichsdorf im August. Bei den Herren sorgte Thomas Brüsewitz für eine Überraschung. Der 19-Jährige aus Garbsen, der im vergangenen Jahr noch bei den Junioren antrat, holte sich bei seinem allerersten Turnier bei den Senioren den Sieg und schlug damit sogar Vize-Weltmeister Erik Oese aus Dresden.

Bei den Junioren triumphierten Johannes Kay (Garbsen) und Miriam Esch (Münsterschwarzach) sowie das Team Bad Friedrichshall. Für internationales Flair sorgte unter anderem die US-Amerikanerin Alicen Divita, die mit ihrem „American Style“ Richter und Publikum begeisterte und auf Rang drei bei den Senior-Damen landete. Vor allem zahlreiche Teilnehmer aus Schweden und den Niederlanden bereicherten das Wettkampfwochenende auf der Krumker Anlage. Auch aus Ungarn, Polen, Dänemark und sogar Australien waren die Pferdeakrobaten angereist. Lediglich die in den vergangenen Jahren gut vertretenen Fraktionen aus Tschechien und der Slowakei blieben diesmal fern, da zahlreiche Turniere in deren näherer Umgebung stattfanden.

Nachdem die Krumker in diesem Jahr schon zwei hochkarätige Wettkämpfe auf heimischem Boden ausrichteten (Preis der Besten und CVI), geht es für die Altmärker nun auch einmal in die Ferne. Im schwedischen Laholm wollen die Schulze-Schützlinge vom 5. bis 7. Juli bei den offenen schwedischen Meisterschaften antreten. Die zweite Riege wird auf jeden Fall auflaufen. Auch die erste Mannschaft ist genannt und könnte dann wieder auf Genion turnen. Ansonsten sammelt aller Voraussicht nach das neue Pferd Sanzero erste internationale Turniererfahrungen.

Von Daniel Kaiser

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