Durchmarsch in die Landesliga

Meisterschaft: Vor 30 Jahren trumpfte Saxonia Tangermünde groß auf

Fußball-Mannschaft mit Ball
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Saxonia Tangermünde 1991: Nach der Meisterschaft in der Fußball-Bezirksliga spielte die Elf von Spielertrainer Jürgen Dobberkau auch in der Landesliga eine gute Rolle.
  • Renee Sensenschmidt
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Tangermünde – Von der Landesklasse über die Landesliga direkt in die Verbandsliga. Diesen Durchmarsch könnte derzeit Saxonia Tangermünde vollziehen, nehmen die Elbestädter ihr Aufstiegsrecht in das Fußball-Oberhaus von Sachsen-Anhalt wahr. Einen derartigen Durchmarsch legten die Saxonen vor 30 Jahren schon einmal hin, nur dass die Ligen damals die Namen Bezirksklasse, Bezirksliga und Landesliga trugen.

Als Empor Tangermünde spielten die Elbestädter in der Saison 1983/84 sogar einmal in der DDR-Liga, der zweithöchsten Spielklasse des Landes. Danach ging es jedoch wieder abwärts, in der Saison 88/89 war auch die Bezirksliga Magdeburg nicht mehr zu halten. Im Saisonverlauf schmiss der damalige Trainer hin und Jürgen Dobberkau übernahm die Funktion des Spielertrainers. Der damals 32-Jährige legte mit seinen Mitstreitern sofort den Hebel wieder um und ließ in der Folgesaison der Konkurrenz in der Bezirksklasse, Staffel II, keine Chance. Mit 93:31 Toren und 45:7 Punkten holten sich die Tangermünder souverän den Titel. Das zweitplatzierte Team aus Bertkow wurde um 14 Zähler distanziert, was bei der damaligen Zwei-Punkte-Regelung Welten waren.

Als Neuling wollte sich die Dobberkau-Elf in einer Saison mit zahlreichen Umbrüchen und Namensänderungen der Vereine wieder in der Bezirksliga etablieren. „Die Vorbereitung lief eher schleppend, wir verloren mehrere Testspiele“, erinnert sich Jürgen Dobberkau, der sich durch Rolle des Spielertrainers selbst deutlich verbessern konnte. „Ich war der Spielmachertyp, der die Bälle verteilte. Ich war nicht der Dauerläufer.“ Doch als Spielertrainer musste Dobberkau Vorbild sein, die Mitspieler schauten ganz genau auf ihn. Mit Einsatz und Zweikampfstärke ging er nun vorne weg. „Ich konnte meine eigene Qualität dadurch nach oben heben. Ich habe mit weiterentwickelt.“

Unterstützung erhielt Jürgen Dobberkau in seiner Trainingsarbeit durch den DFB-Nachwuchstrainer Franz-Josef Reckels, den er 1990 bei einem der nun möglichen Freundschaftsspiele in Wettringen (Nordrhein-Westfalen) kennengelernt hatte. Der spätere Scout des FC Bayern München versorgte Jürgen Dobberkau mit neusten Trainingsplänen, die auch psychologische Hilfen beinhalteten. „Durch die für uns neuen westlichen Trainingsmethoden konnte ich das Training abwechslungsreicher gestalten und auch der Spaß kam dabei nicht zu kurz.“

Mit dem neuen Wissen ausgerüstet ging Jürgen Dobberkau voran, motivierte seine Mitspieler und der relativ kleine Kader zog mit. „Das waren damals andere Zeiten. Die Jungs haben alle für den Fußball gelebt.“ Ein guter Saisonstart legte zusätzliche Kräfte bei den offensivstarken Saxonen frei. Mit sieben Siegen und zwei Unentschieden eroberten die Tangermünder die Tabellenspitze, erst am 10. Spieltag gab es auf dem Hartplatz bei Handwerk Magdeburg (0:3) den ersten Dämpfer. Die Niederlage schüttelte Saxonia schnell ab, zwei weitere Erfolge brachten mit 20:4-Punkten die Herbstmeisterschaft.

Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Magdeburger SV trotz einer 0:6-Schlappe in Tangermünde als ärgster Widersacher im Meisterschaftskampf herausgeschält. Im Rückspiel gelang dem MSV mit einem 3:1-Erfolg die Revanche und die Übernahme der Spitzenposition. Und Saxonia schwächelte. Zwei Niederlagen daheim gegen Burg (1:2) und in Irxleben (1:3) sowie ein unnötiger Punktverlust daheim gegen Hötensleben (2:2) ließen die Titelträume fast platzen. Doch auch der MSV schwächelte und konnte sich nicht absetzen. Der 21. Spieltag brachte die Wende. Durch ein Tor von Jörg Braunschweig siegte die Dobberkau-Elf in Ilsenburg mit 1:0, zeitgleich verlor der MSV in Hötensleben mit 0:1. Saxonia war wieder Spitzenreiter und sollte diese Position auch nicht mehr abgeben. Dabei war der folgende 3:2-Heimsieg gegen Handwerk Magdeburg die letzte große Herausforderung. Zweimal lagen die Altmärker in dieser Partie zurück, Frank Lange und Toni Horn glichen wieder aus. In der 89. Minute war es erneut Frank Lange, der vor der Rückrunde aus Premnitz zu den Saxonen kam, der sich nach einer Ecke von Bernd Klinzmann am höchsten schraubte und zum umjubelten 3:2-Sieg einköpfte. „Frank war ein außergewöhnlicher Fußballer“, erinnert sich Jürgen Dobberkau an den kürzlich viel zu früh verstorbenen Stürmer. Erdgas Salzwedel (3:0) und Schlusslicht Schönebecker SC (8:0) konnten die Tangermünder anschließend nicht mehr aufhalten, mit 70:28 Toren und 26:12 Punkten sicherten sie sich die Meisterschaft und gingen als Bezirksmeister 1991 in die Geschichte des BFA Magdeburg ein.

Die Erfolgsgeschichte wurde in der Landesliga weiter fortgeschrieben, die Saison 1991/92 beendeten die Dobberkau-Schützlinge auf Platz vier. Die Torwarte Mario Schulz und Roland Bull, der rechte Verteidiger Thomas Kunde, der sich ständig mit in den Angriff einschaltete, Torsten Netzel, Jörg Braunschweig, Ralf Korte, Dirk und Stefan Schulze, Thomas Ziegler, Bernd Klinzmann, Peter Weidemann, Rudi Dobbert sowie die torgefährlichen Sven Suckow, Frank Lange und Toni Horn sind Namen an die sich bestimmt auch Mannschaftsleiter Norbert Leue und Betreuer Michael Lüthy, der gelegentlich selbst mitwirkte, gerne erinnern. „Wir waren eine verschworene Truppe“, so Jürgen Dobberkau, der auch 30 Jahre später noch enge Kontakte zu seinen damaligen Mitspielern pflegt.

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