Erhöhung der Mindestspielzahl

Schiedsrichter und Vereine mit Bauchschmerzen

Vier Schiedsrichter bei einer Siegerehrung.
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Unparteiische müssen ab der kommenden Saison fünf Spiele mehr absolvieren.
  • Tobias Haack
    vonTobias Haack
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Ab der kommenden Saison müssen Schiedsrichter auf mindestens 20 Pflichtspiele kommen, um ihre Vereine vor Strafen zu bewahren. Ein Beschluss, der Gegenwind bekommt. Von den Vereinen ebenso, wie von den Unparteiischen selbst.

Altmark – Es war ein Themenschwerpunkt, bei dem zahlreiche Vereinsvertreter am Montagabend in der Videokonferenz des Kreisfachverbands Fußball Altmark-Ost schlucken mussten. Einige waren bereits im Bilde, andere wurden mehr oder weniger kalt erwischt. Gefallen hat es nahezu niemandem. Fakt ist jedoch, dass die Kreis- und Stadtverbände in Zukunft nicht mehr drum herumkommen, die Mindestanzahl von Pflichtspielen für Schiedsrichter eines Vereins von 15 auf 20 pro Saison zu erhöhen. Bereits um die 15 Einsätze hatte es in der Vergangenheit immer wieder Diskussionen gegeben, nun wird diese umstrittene Zahl sogar noch erhöht.

Angleichung an andere Bundesländer

„Es handelt sich dabei um Beschlüsse, die bereits im Frühjahr gefasst wurden und die jetzt umgesetzt werden müssen. Die Erhöhung auf 20 Spiele ist eine Angleichung an andere Bundesländer“, erklärte Karsten Fettback, Schiedsrichterausschussvorsitzender des KFV, hierzu auf Nachfrage der Altmark-Zeitung. In Brandenburg beispielsweise sei diese Mindestanzahl längst üblich. Ein schwacher Trost für die altmärkischen Klubs, die ihre Probleme bei der Gewinnung neuer Referees in den vergangenen Jahren immer wieder mit der abschreckenden Wirkung der 15-Spiele-Regel begründet hatten. Entsprechend groß war am Montagabend auch der Gegenwind für den Beschluss.

Roggenthin: Druck wird zu groß

Vor allem Uchtspringes Vereinsvorsitzender Stefan Roggenthin, selbst seit 21 Jahren Schiedsrichter, hat eine klare Meinung: „Wir haben pro Saison vielleicht 26 Wochenenden, an denen Pflichtspiele sind. Wenn ich 20 Spiele leisten muss, bleiben nur noch sechs Wochenenden, an denen ich frei habe. Wenn ich auch mal am Wochenende arbeiten muss, oder vielleicht selbst spielen möchte, ist das schon gar nicht mehr möglich. Ich finde, da wird viel zu viel Druck aufgebaut.“

Zudem hinterfragt der Uchtspringer die Gründe, die dem FSA-Beschluss zugrunde liegen sollen. Vor allem der Quervergleich mit anderen Bundesländern ist in Roggenthins Augen ein wenig hinkend. „Bei uns sind die Spiele im Kreis in den vergangenen Jahren doch weniger geworden. Es gibt keine A-Jugend-Kreisliga mehr. Die 2. Kreisklasse wurde abgeschafft. Auch Sonntagsspiele als Alternative, wenn ich am Sonnabend mal nicht kann, sind weniger geworden“, schildert Roggenthin im Gespräch mit der Altmark-Zeitung. Die Pflichtspiel-Anzahl nun ausgerechnet während der ungewissen Corona-Zeit zu erhöhen, sei zudem kaum nachvollziehbar. „Man weiß doch gar nicht, wie viele Schiedsrichter überhaupt noch weitermachen und dann kommt dieser Beschluss. Das verstehe ich nicht“, meint Roggenthin.

KFV ist offen für Kompromisse

Karsten Fettback hat Verständnis für die Kritik, unterstreicht aber auch, dass die neue Regel definitiv kommt: „Ich verstehe, dass eine Erhöhung um 33 Prozent als krass empfunden wird. Wir als KFV sitzen da aber nicht am Ruder. Es kommt vom FSA.“ Dennoch sei es möglich, Kompromisse zu finden. „Wir akzeptieren es auch, wenn ein Schiedsrichter aus dem Verein weniger Spiele pfeift, dafür ein anderer aber mehr Spiele absolviert und es sich damit ausgleicht. Grundsätzlich bleiben wir der Meinung, dass uns als Verband auch ein Schiedsrichter mit wenig Spielen hilft“, so Fettback.

Uns als Verband hilft auch ein Schiedsrichter mit wenig Spielen.

Karsten Fettback (KFV Altmark-Ost)

Vonseiten Roggenthins wurden am Montag mehrere Ideen eingebracht, dem Problem Herr zu werden. Zusammen mit anderen Vereinen sprach er sich dafür aus, auch Einsätze in Freundschaftsspielen in die Rechnung einzubeziehen. Fettback: „Das bringt uns als Verband eher wenig, weil für uns entscheidend ist, wie wir den Pflichtspielbetrieb absichern können.“ Zielführender waren da schon die Vorschläge, die auf ein Belohnungssystem abzielten, wie es auch FSA-Präsidentschaftskandidat Michael Rehschuh unlängst ins Spiel gebracht hatte.

Weniger Unparteiische stellen zu müssen, wenn man dafür alle Altersklassen in der Jugend besetzen kann, lautete eine Idee, die in der Altmark allerdings schwer umzusetzen sein dürfte. Vereine belohnen, die mehr Schiedsrichter stellen als nötig, war ein weiteres Gedankenspiel. Der KFV selbst ist grundsätzlich offen für kreative Lösungen, möchte sich selbst aber ein wenig zurücknehmen. „Es ist besser, wenn die Vereine aktiv werden und Ideen entwickeln“, meint Karsten Fettback.

Keine Strafen für die Saison 2020/21

Zeitdruck haben die Klubs dabei nicht, da aufgrund der Pandemie keine Strafzahlungen für die Saison 2020/21 fällig werden. Der Stand der Strafen wurde zum Stichtag 30. Juni 2020 eingefroren.

Die Möglichkeit, neue Unparteiische auszubilden, bietet der KFV Altmark-Ost bereits in diesem Monat an. Vom 25. bis 27. Juni soll ein weiterer Anwärterlehrgang durchgeführt werden, für den bislang allerdings noch nicht genügend Anmeldungen eingegangen sind. Meldeschluss ist der 20. Juni. Die nächste Ausbildung dieser Art ist danach erst wieder für den Oktober vorgesehen. Die Chance, neue Schiedsrichter auszubilden und zu stellen, wird den Klubs also gegeben. Sie müssen sie nur noch nutzen, um das nächste böse Erwachen bei einer Videokonferenz abzuwenden.

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