Perspektive für den Nachwuchs

Uwe Müller fordert Umdenken beim 1. FC Lok Stendal

Lukas Pfeiffer stoppt einen Ball in der Luft.
+
Haben Spieler wie Lukas Pfeiffer eine realistische Chance beim 1. FC Lok Stendal?
  • Tobias Haack
    vonTobias Haack
    schließen

Oberliga-Klassenerhalt um jeden Preis? Damit soll beim 1. FC Lok Stendal künftig Schluss sein. Zumindest, wenn es nach Uwe Müller geht, dem sportlichen Leiter der zweiten Mannschaft. Er sieht die jungen Talente des Klubs nicht ausreichend gefördert.

Stendal – Es war eine Meldung, die in der Fußball-Oberliga vor wenigen Wochen für Erstaunen sorgte, den einen oder anderen aber auch zum Nachdenken angeregt hat. Der FC Strausberg, seit Jahren eine Konstante in Liga fünf, zieht sich freiwillig zurück. Begründung: Zu viel Geld habe man für den großen Traum von der Oberliga in externe Spieler gesteckt und dabei seine eigene Philosophie als Ausbildungsverein für den Nachwuchs der Region vernachlässigt. In der Corona-Krise haben sich den Verantwortlichen des FCS nun die Augen geöffnet, mit dem freiwilligen Abstieg als drastische Konsequenz. Großer Nutznießer dieser Entscheidung war der 1. FC Lok Stendal, der nur deshalb seinen Platz in der Oberliga behalten durfte.

Doch stehen die Altmärker mittelfristig nicht vor den gleichen Problemen wie Strausberg? Dies befürchtet anscheinend Uwe Müller, sportlicher Leiter der Stendaler Landesklasse-Reserve, der sich nun mit einem Brief an die Redaktion der Altmark-Zeitung gewandt hat. Seine Botschaft an Vereinsführung und Trainer Jörn Schulz: „Lasst endlich unsere Nachwuchsspieler zum Einsatz kommen!“

Aufwandsentschädigung statt Zweit-Einkommen

Nach dem geglückten Klassenerhalt sollte der Verein nach Müllers Meinung nun zu allererst die eigenen Finanzen für das kommende Oberliga-Jahr abstecken. Sein klarer Wunsch: Die Bezahlung der Spieler, die sich höherklassig messen wollen, sollte auch weiterhin nicht über eine Aufwandsentschädigung hinausgehen. „Ein Zweiteinkommen darf es keineswegs sein“, so Müller. Qualitätsspieler von außerhalb werden sich auf dieser Basis kaum ans „Hölzchen“ locken lassen. Das weiß auch Uwe Müller, weshalb er von den sportlich Verantwortlichen seines Klubs einen klaren Fokus auf den eigenen Nachwuchs einfordert. Nicht ohne Grund: Denn wie der sportliche Leiter der zweiten Mannschaft aufführt, haben in der jüngeren Vergangenheit knapp 20 Nachwuchsspieler den 1. FC Lok mangels Perspektive verlassen.

Abstiegskampf trotz teuer Spieler

Vom Verein eingeleitete Rückholaktionen verpufften bis dato erfolglos. Einzig Niklas Bittner, Lukas Pfeiffer und Philipp Werner haben sich im Vorjahr aus der eigenen U19 auch im Herrenbereich zu Lok bekannt. Zu wenig, für den Aufwand, den der Klub im Nachwuchs betreibt. „Seit Jahrzehnten leistet der Verein beispiellos eine hervorragende Nachwuchsarbeit, die nun endlich auch in der ersten Mannschaft seine Nachhaltigkeit finden muss. Die eigenen Spieler wurden nur sporadisch eingesetzt. Es sind dafür Spieler verpflichtet worden, die Geld kosteten. Gegen den Abstieg spielte man trotzdem“, kritisiert Uwe Müller.

Reicht die Qualität des Nachwuchses?

Das Stendaler Fußball-Urgestein sieht die Entwicklung der eigenen Talente mit der aktuellen Philosophie der Kaderplanung ausgebremst. Müller plädiert deshalb für ein Umdenken. Große Hoffnungen, dass seine Meinung erhört wird, hat er aber nicht: „Mir persönlich fehlt allerdings der Glaube daran, denn ich vermute erneut die Argumentation ‘der hat nicht die Qualität für die Oberliga, das reicht nicht’.“ Seiner Meinung nach sollten Trainerteam und Vorstand Vertrauen in die eigene Jugend setzen und dieses durch eine entsprechende Kommunikation vorleben.

„Dann verzichtet auf die Oberliga!“

Für Uwe Müller der einzige Weg für nachhaltig gute Arbeit am „Hölzchen“. Andernfalls sollte der Klub nach seiner Auffassung über den Strausberger Weg nachdenken. „Sollte die Meinung bestehen, es geht nur mit Spielern, woher auch immer, für entsprechendes Geld, dann verzichtet auf die Oberliga! Es kann zu einem Fluch werden, der nicht absehbar ist, denn Glücksritter hatten wir schon genug im Verein“, mahnt Uwe Müller mit Blick auf die unruhige Vergangenheit des Traditionsklubs.

Sein Plädoyer ist deshalb eindeutig: Der 1. FC Lok Stendal muss sich auch in der Oberliga klar zu seinen Nachwuchsspielern bekennen. Fans und Zuschauer würden diesen Weg, laut Müller, mitgehen. Junge Spieler könnten sich steigern. „Wagen wir keine Experimente, versuchen wir außerdem Spieler, aus unserem Einzugsbereich zur Verstärkung, zu gewinnen“, appelliert er an die sportlich Verantwortlichen.

Schulz sieht reines Nachwuchskonzept kritisch

Müllers Ideen, sie wären wohl der wirtschaftlich unbedenklichste Weg für den 1. FC Lok Stendal. Die angepeilte Etablierung in der Oberliga wird so allerdings kaum gelingen, was auch Trainer Jörn Schulz so einschätzt, der noch im Winter gegenüber der AZ zu Protokoll gab: „Nur mit Spielern aus dem Nachwuchs wird es nicht gehen. Das hat die Saison gezeigt.“

Der Sommer beim 1. FC Lok Stendal wird definitiv spannend. Wie die Kaderplanung aussehen wird, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. Nur eines scheint klar: An dem schmerzhaften Wendepunkt, an dem der FC Strausberg umkehren musste, ist Lok Stendal noch nicht angekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare