Punktspiel trotz Corona-Fall?

Brandenburger SC Süd erhebt Vorwürfe gegen den 1. FC Lok Stendal

Niclas Buschke im Duell mit dem Torwart von Brandenburg.
+
Ein Klassiker im Oberliga-Abstiegskampf: Lok Stendal (Mitte, Niclas Buschke) gegen den Brandenburger SC Süd.
  • Tobias Haack
    vonTobias Haack
    schließen

Das 1:1-Remis zwischen Brandenburg und Lok Stendal war aufgrund des Pandemie-Abbruchs das Schlüsselspiel im Abstiegskampf der Oberliga. Nun erheben die Havelstädter allerdings pikante Vorwürfe gegen die Eisenbahner. Es geht um Corona und eine missglückte Kommunikation.

Stendal/Brandenburg - Es läuft die 89. Minute im traditionsreichen Seelenbinder-Stadion, als der 1. FC Lok Stendal im Kellerduell beim Brandenburger SC Süd zu einem seiner letzten Angriffe ansetzt. Plötzlich findet eine hohe Hereingabe den Weg zu Stoßstürmer Denis Neumann. Der 30-Jährige steigt hoch und wuchtet das Leder zum umjubelten 1:1-Ausgleich für die Altmärker ins Netz. Kurze Zeit später ist das Spiel vorbei. Punkteteilung im Abstiegskampf. Nichts passiert für beide Seiten - sollte man meinen. Doch unter dem Strich war Neumanns Willensleistung der entscheidende Treffer zum Klassenerhalt.

Wenige Monate später wird die Saison abgebrochen, die Tabelle gewertet und Lok bleibt aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber dem punktgleichen BSC Süd in der Oberliga, Brandenburg steigt ab. Eine Ungerechtigkeit, wie selbst die Stendaler als vermeintliche Profiteure befinden. Der BSC hat längst rechtliche Schritte gegen seinen Abstieg eingeleitet und rückt nun auch das (entscheidende) Spiel gegen den 1. FC Lok in den Fokus.

Positiver Covid-Fall vor dem Auswärtsspiel beim BSC?

So prangerte BSC-Trainer Mario Block am vergangenen Wochenende in einer Talkrunde auf dem Youtube-Kanal „TDBir Sport“ öffentlich an, dass die Partie gegen Stendal im Oktober überhaupt angepfiffen wurde. Sein Vorwurf: Beim 1. FC Lok Stendal habe es einen Corona-Fall gegeben, über den die Eisenbahner ihren Gegner zu spät informiert hätten. „Sie haben sich in unserem Kabinentrakt ausgebreitet, danach den Platz angeguckt. Alles in Ordnung. Und dann sagen sie uns plötzlich, sie haben einen Corona-Fall. Meine Jungs fanden das nicht gerade angenehm. Die haben Angst vor Corona“, schildert Block den Werdegang im Vorfeld des Spiels.

Anschließend habe der BSC-Trainer Schiedsrichter Philipp Kutscher informiert, der das Spiel schließlich mit der Begründung anpfiff, dass die Stendaler mittlerweile ja ohnehin auf dem Gelände und in den Kabinen gewesen wären. Gemäß Blocks Informationen hatten die Verantwortlichen des 1. FC Lok im Vorfeld lediglich den NOFV über ihren Corona-Fall informiert. Dieser habe laut Block darum gebeten, „die Spiele so gut es geht, einfach durchzuziehen“, woraufhin Stendal die Reise nach Brandenburg ganz normal antrat. „Ich habe da kein Verständnis für. Das geht einfach nicht. Stendal hätte uns informieren müssen, bevor sie in den Kabinentrakt hineingehen“, echauffierte sich Block am Sonntag. Seine Mannschaft lief nach Blocks erfolgloser Intervention beim Schiedsrichter dennoch zum Spiel auf. Mit bekanntem Ausgang, der nun ausschlaggebend dafür war, dass der BSC vor dem Gang in die Landesliga steht.

1. FC Lok Stendal kommentiert die Vorwürfe nicht

Beim 1. FC Lok Stendal zeigte man sich auf Nachfrage der Altmark-Zeitung irritiert über die plötzlichen Vorwürfe aus der Havelstadt. Nach kurzem Austausch auf Vorstandsebene entschieden sich die Eisenbahner dazu, die Anschuldigungen Mario Blocks nicht öffentlich zu kommentieren. In der Tatsache, dass der Abstieg Brandenburgs nach nicht einmal der Hälfte der Saison sportlich fragwürdig ist, stimmen die Stendaler dem BSC Süd aber zu. Doch auch in dieser Frage geht Mario Blocks Blick in die Altmark. „Natürlich muss man jedes Spiel erstmal spielen. Aber vom Papier her hatte Stendal einfachere Gegner als wir. Wir hatten andere Gegner und jetzt zählt aber die Tordifferenz“, moniert der BSC-Coach und führt weiter aus: „Wenn ich sehe, dass in Thüringen jetzt vielleicht Aufstiegsspiele ausgetragen werden, warum können wir dann nicht gegen Stendal und noch wen um den Abstieg spielen?“

Mario Block geht vom Klassenerhalt aus

Der Brandenburger SC Süd hat gegen die Wertung der Saison inzwischen den Rechtsweg beschritten und plant den Gang vor ein Zivilgericht, sollte man auf Verbandsebene scheitern. Davon, dass dieser Weg von Erfolg gekrönt sein wird, geht man in Brandenburg aus. „Sonst hätten wir das nicht gemacht“, unterstreicht Block. Das Thema Oberliga-Abstieg ist also noch nicht vom Tisch. An der Wichtigkeit von Denis Neumanns Kopfballtreffer ändert dies aber vorerst nichts.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare