AZ-Serie „Der Taktgeber“

Fußball: MTV Beetzendorf ohne Nico Schulz - undenkbar

Fußballer mit Ball
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Nico Schulz (r.) reißt seine Mannschaftskollegen auf dem Spielfeld mit und ist für die Fußballabteilung des MTV Beetzendorf unverzichtbar geworden.
  • Renee Sensenschmidt
    vonRenee Sensenschmidt
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Beetzendorf – Sprichwörtlich heißt es „Der Kapitän gehts als letztes von Bord“, doch mit Blick auf den Fußball muss es wohl eher heißen: „Der Kapitän geht stets voran.“ Er ist meist der Kopf des Teams, reißt seine Mitspieler mit und ist nicht zuletzt auch meist der verlängerte Arm des Trainers auf dem Platz. In unserer AZ-Serie „Der Taktgeber“ nehmen wir altmärkische Kapitäne genauer unter die Lupe und beleuchten ihren bisherigen Werdegang.

Er trägt zwar nicht die Kapitänsbinde, doch er ist für den MTV Beetzendorf unverzichtbar. Nico Schulz lebt für seinen MTV, auch wenn er seine „schönste Fußballzeit“ im Nachwuchs des SV Eintracht Salzwedel erlebte.

Der heute 35-Jährige ist aus seiner Sicht im Alter von sieben Jahren recht spät zum Fußball gekommen. „Fußball hat mich zunächst nicht interessiert. Doch meine Kumpels aus der Grundschule haben alle gespielt und sie haben mich gefragt, ob ich mal mitkommen könnte“, erinnert sich der Linksfuß, dessen Vorbilder der Brasilianer Rivaldo und der Ex-Dortmunder Nuri Sahin sind. Unter Anleitung von Vater Detlef Schulz mauserte sich Nico Schulz zu einem guten Fußballer, der bald im Mittelfeld der MTV-Teams die Fäden zog. In der Saison 1998/99 gelang der Beetzendorfer D-Jugend das Kunststück, alle Begegnungen in der Kreisliga und der anschließenden Finalrunde für sich zu entscheiden. Als linker Mittelfeldspieler steuerte Nico Schulz 58 Saisontore bei.

Diese Leistung blieb nicht unbeobachtet, der damalige Eintracht-Trainer Siegmar Pätzold holte ihn nach Salzwedel. „Nico hat beim MTV herausgestochen, er war bereits damals ein intelligenter Fußballer“, blickt Pätzold zurück. Mit dem Salzwedeler Nachwuchs feierte Nico Schulz zahlreiche Erfolge, er konnte in den höchsten Spielklassen des Bundeslandes sein Niveau deutlich verbessern und wurde Landesauswahl-Spieler. „Das hat richtig Spaß gemacht“, so Schulz, dem ein 1:0-Sieg gegen den 1. FC Magdeburg in Erinnerung geblieben ist.

Sein Debüt bei den Eintracht-Männern gab Schulz in der Saison 2004/05 unter Trainer Otto Ness in der Landesliga. „Neben meinem Vater und Siegmar Pätzold, war Otto Ness der Trainer, bei dem ich sehr viel gelernt habe. Insbesondere im taktischen Bereich konnte ich mich verbessern “, denkt Nico Schulz an diese Zusammenarbeit gern zurück. Nicht so gern aber an das Ende bei der Eintracht, die in der Saison 2010/11 zur Winterpause noch auf Titelkurs lag, nach dem Jahreswechsel aber einen Einbruch hinnehmen musste. Das führte zu einem Trainerwechsel, mit dem Teile der Mannschaft nicht einverstanden waren. Zahlreiche Akteure verließen daher nach der Saison den Verein. „Schade, dass es auseinandergelaufen ist. Wir waren stur. Das hätten wir anders Regeln müssen“, sieht sich Nico Schulz rückblickend nicht frei von Schuld.

Während die meisten seiner Mitspieler zum SV Liesten wechselten, ging Nico Schulz zurück nach Beetzendorf und verletzte sich dort schwer. Ein komplizierter Bänderriss sorgte fast für das Karierende. „Der Arzt sagte mir, dass ich froh sein kann, wenn ich wieder normal laufen werde.“ Doch mit großer Selbstdisziplin, einer anderen Ernährung und der Hilfe einer Osteopathin kämpfte er sich nach 18-monatiger Pause zurück und half mit, dass der MTV 2014 unter Trainer Mayk Zürcher in die Landesklasse aufstieg. Der angestrebte Klassenerhalt gelang zwar nicht, doch 2016 der sofortige Wiederaufstieg. Seither spielt der MTV in der Landesklasse. „Wir wissen, wo es drauf ankommt“, so die Erfolgsformel von Nico Schulz und dem MTV im Abstiegskampf. Und gleich im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg half dabei auch der Wetter-Gott. „Wir lagen gegen Goldbeck mit 0:1 zurück und hätten vermutlich verloren. Dann sorgte ein starkes Gewitter für einen Spielabbruch. Die Neuansetzung haben wir dann 6:0 gewonnen. Das war der Schlüssel zum Klassenerhalt“, meinte der MTV-Routinier, der zumeist in und vor der Abwehr agiert, somit aus der Defensive heraus das Spiel seiner Elf ankurbelt. Völlig sorgenfrei absolvierte der MTV die Saison 2016/17, als gleich am 2. Spieltag in Salzwedel nach einem 1:3-Rückstand noch ein 4:3-Sieg gelang. „In dieser Saison waren wir auch am besten besetzt“, meinte Nico Schulz mit Blick auf den damaligen Kader. Doch inzwischen sieht es nicht mehr so rosig aus. Tim Stapel musste nach einer schweren Verletzung seine Laufbahn beenden. Leistungsträger (Daniel Stehr, Bennet Sobolowski) verließen den Verein, andere Akteure haben mit Verletzungen zu kämpfen oder stehen aufgrund beruflicher Verpflichtungen kaum noch zur Verfügung. „Uns sind einige Eckpfeiler weggebrochen“, bedauert der Familienvater, dessen Sohn Oskar mit vier Jahren bereits ein wenig Fußball spielt.

Die Corona-Pandemie sorgte zuletzt zweimal für ein vorzeitiges Saisonende. Im Vorjahr lag der MTV deutlich vor den Abstiegsplätzen. Aktuell hatten die Beetzendorfer aber nur einen Zähler erspielt, allerdings trug die als heimstark bekannte Mannschaft bis zum Abbruch nur Auswärtsspiele aus. „Nach Beetzendorf kommt keiner gerne. Wir konnten hier schon einige Schwergewichte der Liga bezwingen.“ Daher darf man, so Schulz, auch nicht die Behauptung aufstellen, nur dank Corona spielt der MTV noch in der Landesklasse. Und dass auch weiterhin mit dem Routinier. „So lange es noch Spaß macht und ich fit bin, mache ich weiter“, blickt Nico Schulz, der sich mit dem neuen Trainer Michael Banse gut versteht, voraus. „Micha ist sehr engagiert und immer gut vorbereitet. Wir ergänzen uns gut, denn wir haben ähnliche Vorstellungen.“ Aufgrund der guten Chemie zwischen beiden verwundert es nicht, dass Michael Banse auf seinen Routinier große Stücke hält. „Nico ist unverzichtbar für uns, weil er mit seiner Erfahrung die Mannschaft auf und neben dem Platz führt. Er gibt unseren jungen Spielern Tipps, was sie besser machen können. Des Weiteren sorgt für Ruhe in schwierigen Situationen. Er gibt immer 100 Prozent auf dem Platz, geht voran ohne dabei Ansprüche zu stellen. Er hilft mir in den Spielen und im Training.“

Nico Schulz hat Verantwortung auch in der Abteilung übernommen und gehört dem Vorstand an. Die Verbesserung der Trainings- und Wettkampfbedingungen sind ihm wichtig. Das familiäre Klima und der Zusammenhalt sind Antriebsfedern. Fußball beim MTV ohne Nico Schulz – undenkbar.

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