Fußball-Landespokal

Kleine Klubs hinterfragen „Finaltag der Amateure“

Lok Stendals Maurice Schmidt im Zweikampf mit einem Spieler von Arminia Bielefeld.
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Für Maurice Schmidt war die DFB-Pokal-Partie gegen Bielefeld das Spiel des Lebens.
  • Tobias Haack
    vonTobias Haack
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Der Fußballverband Sachsen-Anhalt nimmt mit seinem Landespokal seit einigen Jahren am bundesweiten „Finaltag der Amateure“ teil. Der Titel geht in der Regel aber nur an die Profis aus Magdeburg oder Halle, was kleinere Klubs inzwischen hinterfragen.

Stendal – Die Posse um die Super League hat die Fußballwelt in den vergangenen Tagen aufgewühlt, wenn nicht sogar aus den Angeln gehoben. Das Vorpreschen der zwölf selbst ernannten Elite-Klubs aus England, Spanien und Italien irritierte gleich auf mehreren Ebenen und hat gnadenlos offen gelegt, wie weit sich der internationale Profi-Fußball inzwischen von der Amateurbasis entfernt hat. Ein Problem, das die Vereine in der Altmark nur am Rande direkt betrifft. Doch wie auf der großen europäischen Bühne gibt es ähnliche Probleme auch im Kleinen. Etwa im Fußball-Landespokal, der von der ursprünglichen Idee her kleinen Amateurvereinen den Schritt in den gut bezahlten DFB-Pokal ermöglichen soll, in der Regel aber meist nur den Profi-Vereinen aus Magdeburg und Halle als Sprungbrett an die großen Geldtöpfe dient. Eine vermeintliche Ungerechtigkeit, die seit Langem einfach hingenommen wird, nun aber von Sirko Dahlmann (Vorsitzender der SG Blau-Weiß Brachstedt) im Internet-Portal Fupa öffentlich hinterfragt wurde.

Grundidee des „David gegen Goliath“ wird verzerrt

Dahlmann, dessen Mannschaft in dieser Saison den Einzug ins Landespokal-Achtelfinale geschafft hat, kritisiert, dass die Grundidee des DFB-Pokals von Sachsen-Anhalt und dessen Landesverband FSA längst nicht mehr umgesetzt wird. Diese besagt, dass es der DFB-Pokal kleinen Amateurvereinen ermöglichen soll, sich einmal auf großer Bühne mit Profiklubs zu messen. Im Einzugsgebiet des FSA gelang dieser Schritt in der jüngeren Vergangenheit lediglich dem 1. FC Lok Stendal, der 2018 dem heutigen Bundesligisten Arminia Bielefeld mit 0:5 unterlag, aber immerhin einen großen Fußball-Festtag erleben durfte. Möglich war dies letztlich nur, weil Landespokalsieger 1. FC Magdeburg als Zweitliga-Aufsteiger damals automatisch für den DFB-Pokal qualifiziert war. Ein Umstand, der bei Sachsen-Anhalts Profiklubs aus Halle und Magdeburg eher als Ausnahme vorausgesetzt werden kann.

Lok Stendal als positive Ausnahme

„Einzig Halberstadt und Stendal durften mal zurückblickend auf die letzten zehn Jahre am DFB-Pokal teilnehmen. Der Landespokal verfehlt (...) nahezu komplett das Ziel der Gründungsväter der DFB-Vereinspokalrunde. Und ich habe seit Langem das Gefühl, dass dies keinen beim FSA irgendwie stört. Ganz im Gegenteil werden die Landespokalfinals der Profiteams immer regelrecht zelebriert. Dabei sollte bereits der Finalname allen Verantwortlichen mehr als zu denken geben“, sagt Dahlmann, der damit auf den „Finaltag der Amateure“ anspielt, der schon in seinem Titel etwas anderes verspricht, als das übliche Duell der Drittliga-Profis aus Halle und Magdeburg.

Wenn die Romantik verloren geht

Während an der Saale und Elbe regelmäßig die DFB-Pokal-Gelder in die Etats fließen, gucken die „wirklichen“ Amateurklubs des Bundeslandes in die Röhre. Damit sollte laut Dahlmann Schluss sein. Er fordert eine Sensibilisierung für das Problem und bestenfalls eine Reform des Landespokals. „Für die Zukunft wäre es wirklich eine gute Idee, die Chancen für die Amateurvereine zu erhöhen. Wir hatten damals das Glück, in den DFB-Pokal zu kommen, aber das war die Ausnahme. Magdeburg, Halle und auch Halberstadt sind Profis und der Landespokal eigentlich ein Amateur-Wettbewerb“, kommentiert Guido Klautzsch, Vize-Präsident des 1. FC Lok Stendal, die Gedankenspiele aus Brachstedt wohlwollend. Gregor Schoenecker, Geschäftsführer des VfL Halle 96, stimmt auf Fupa ebenfalls mit ein. „Aus meiner Sicht ist dem DFB-Pokal schon seit geraumer Zeit die Romantik genommen worden. Eine Möglichkeit wäre doch, allen Drittligisten einen Startplatz im DFB-Pokal zuzusichern und vorab eine Qualifikationsrunde für alle Landespokal-Sieger durchzuführen“, schlägt er vor.

Wunsch nach einer Reform wächst

Die Stärkung der Amateurbasis durch eine Reform des Landespokals könnte für den FSA in Zukunft durchaus zu einem Thema werden, nicht zuletzt aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie. Aktuell sind Profis und Amateure aber noch weit voneinander entfernt. Auch in Sachsen-Anhalt, wo der Hallesche FC der jüngsten Videokonferenz zum Landespokal komplett fern blieb, was allenthalben für Enttäuschung sorgte.

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