Ungeklärte Aufstiegsfrage

TuS Wahrburg nimmt sich seine Zeit

Wahrburgs Stürmer Felix Pitzner setzt zum Torschuss an.
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Torjäger Felix Pitzner weiß noch nicht, ob er künftig in der Landesliga auf Torejagd geht.
  • Tobias Haack
    VonTobias Haack
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Der TuS Wahrburg wollte in die Landesliga aufsteigen, jetzt bietet ihm sich die Chance dazu. Trotzdem zögern die Stendaler mit ihrer Entscheidung. Einige Fragen sind noch nicht geklärt.

  • Corona drückt auf die Stimmung
  • Kaderplanung stockt
  • Die Rahmenbedingungen müssen passen

Stendal – Sie haben hart dafür gekämpft, endlich den Sprung in die Landesliga zu schaffen. Auf dem Platz legte der TuS Wahrburg bis zum Zeitpunkt des Abbruchs eine Fabelsaison hin, feierte sieben Siege aus sieben Spielen bei einer Tordifferenz von 35:6. Neben dem Platz setzte sich vor allem der sportliche Leiter Marc Teichert dafür ein, dass es trotz des pandemiebedingten Endes der Saison Aufsteiger aus der Landesklasse geben darf, wehrte sich vehement gegen zunächst angedachte Annullierungspläne. Nun sind die Stendaler vermeintlich am Ziel. Der Landesverband FSA hat signalisiert, den jeweiligen Tabellenführern auf freiwilliger Basis den Gang in die nächsthöhere Spielklasse zu gestatten. „Ende gut, alles gut“, sollte man meinen, doch plötzlich zögern die Wahrburger. Ihre Gründe dafür sind vielfältig.

„Wir haben noch keine finale Entscheidung getroffen, weil bei uns noch viele Themen zu besprechen sind. Wir haben noch Zeit bis zum 31. Mai und diese Zeit nehmen wir uns auch“, kommentierte Teichert gestern auf AZ-Anfrage. Aufstiegseuphorie klingt wahrlich anders. Es regiert die Vorsicht am Stendaler Stadtrand, nicht zuletzt, weil durch die Pandemie die positive sportliche Entwicklung abrupt ins Stocken geraten ist. „Natürlich war es vor der Saison unser Anspruch aufzusteigen und die Chance ist jetzt da. Aber die Situation ist eine andere, als wenn wir die Saison sportlich erfolgreich zu Ende gespielt hätten“, erklärt Teichert ein wenig nebulös. Konkret sei es die nunmehr knapp sechs Monate andauernde Zeit ohne Fußball, die Spielern und Verantwortlichen beim TuS zu schaffen macht. „Ich habe schon das Gefühl, dass die Euphorie bei unseren älteren Spielern im Moment ein bisschen erloschen ist“, gesteht Teichert ein.

Pandemie lässt keine Aufstiegseuphorie aufkommen

Aus diesem Grund hat der sportliche Leiter am vergangenen Wochenende seinen Mannschaftsrat zu einer Videokonferenz gebeten. Das Ergebnis war eher durchwachsen. „Ich wollte in die Mannschaft hineinhorchen und die Motivation ist nicht sehr hoch. Der eine oder andere hat sich inzwischen auch daran gewöhnt, am Wochenende mehr Freizeit für die Familie zu haben“, berichtet Teichert, der nun rätselt, ob der Sprung in die Landesliga aktuell überhaupt Sinn machen würde.

Spieler sind unentschlossen

Unentschlossen sei er, genau wie seine Spieler. „Einige wollen hoch, weil sie keine Lust mehr auf die Landesklasse haben. Andere befürchten, dass die Landesliga ein Himmelfahrtskommando wird.“ Personell deutet sich an, dass der eine oder andere Wahrburger Routinier im kommenden Jahr kürzertreten möchte. Neuzugänge müssten also her, die Kaderplanung jetzt richtig vorangetrieben werden. Doch Teichert kommt in dieser Disziplin kaum voran: „Man weiß nicht, wann der Vereinssport wieder losgeht. Wie soll man planen? Wo soll man ansetzen? Wie soll man Gespräche führen? Es macht im Moment wirklich keinen Spaß.“

Wohin soll die Reise gehen?

Für Teichert ist die Frage nach der Landesliga dabei noch nicht einmal die entscheidende. Er hinterfragt Grundsätzliches: „Wo wollen wir als TuS Wahrburg hin? Das ist die wichtigste Frage. Wenn wir den Schritt in die Landesliga gehen, sollten wir nicht nur mal kurz reinschnuppern wollen. Das Ziel sollte es dann sein, dort eine ordentliche Rolle zu spielen. Das ist mein Anspruch und auch der des Trainerteams.“

Strukturen müssen geschaffen werden

Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, müsste in Wahrburg noch einige Arbeit erledigt werden. Auch abseits des sportlichen Geschehens. „Neben der Kaderplanung sind auch bei den Rahmenbedingungen noch einige Sachen offen. Du brauchst die Bedingungen, um auch bei schlechtem Wetter dreimal in der Woche trainieren zu können. Hinzu kommen Busfahrten und die Versorgung der Spieler am Spieltag. Es sind schon einige Strukturen, die du schaffen musst, wenn es in die Landesliga gehen soll“, führt Marc Teichert aus. Nicht jedes dieser Probleme lässt sich zudem über Videokonferenzen klären. Corona erlaubt es allerdings nicht einmal, dass der Wahrburger Vorstand diesbezüglich mal zu einer Sitzung zusammenkommt. Eine weitere Hürde auf dem Weg nach oben.

Allen Widerständen zum Trotz wäre es aber eine faustdicke Überraschung, würde der TuS nach jahrelangem Anlauf sein Aufstiegsrecht verstreichen lassen.

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