Fußball: Erdgas und Motor Salzwedel fusionieren zum SV Eintracht

Wassersleben bringt Stein ins rollen

Mannschaft des SV Eintracht Salzwedel
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In der Saison 1991/92 holte Eintracht Salzwedel den Titel in der Fußball-Bezirksoberliga
  • Renee Sensenschmidt
    vonRenee Sensenschmidt
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Salzwedel – Wenn der SV Eintracht Salzwedel, der aktuell in der Fußball-Landesklasse beheimatet ist, auf Torejagd geht, dann erinnern sich nur noch die älteren Sportfreunde an die Zeiten, als Motor und Aktivist Salzwedel große sportliche Rivalen waren. Die damals oft gestellte Frage - Wo könnte der Salzwedeler Fußball stehen, wenn er mit vereinten Kräften antreten würde?

Es war der 9. Februar 1991, als zum letzten Mal Aktivist-Nachfolger SV Erdgas und Motor Salzwedel in einem Punktspiel aufeinandertrafen, die Erdgas-Spieler auf schneebedecktem Boden im Seelenbinder-Stadion mit 2:0 gewannen. Nach dem Spiel schlug Erdgas-Trainer Peter Wassersleben gegenüber der Altmark-Zeitung die Fusion beider Vereine vor. „In beiden Mannschaften steckt eine Menge Potenzial, die in einem Team besser zum Tragen kommen würde. Wenn wir im Norden der Altmark auf lange Sicht etwas bestellen wollen, dann ist eine Vereinigung unumgänglich. Ich bin der Überzeugung, dieses Team könnte in wenigen Jahren in der Landesliga spielen. Mit Vernunft und Weitsicht können wir viel erreichen.“

Bereits einen Tag später reagierte die Gegenseite, und zwar positiv. „Ich kann Peter Wassersleben nur zustimmen, der Salzwedeler Fußball würde profitieren. Das Klima zwischen beiden Vereinen hat sich in den letzten Jahren merklich verbessert, die Spieler haben untereinander bereits enge persönliche Kontakte“, so der damalige Motor-Coach Peter Wegner. Diese Aussage bekräftige Frank Treichel, damals Mittelfeldspieler bei Motor. „Es wäre eine prima Sache, wir wären sicher ein starkes Team. Getrennt würden wir nächste Saison am Tabellenende stehen. Gemeinsam können wir uns höhere Ziele stellen.“ Der Appell der Spieler und Trainer fruchtete, zumal nach der Wende auch ökonomische Zwänge sichtbar wurden. Nur einen weiteren Tag später trafen sich Motor-Chef Klaus Hilgenfeld und Erdgas-Abteilungsleiter Roland Umbach zum ersten Meinungsaustausch. In den folgenden Wochen und Monaten wurden die Gespräche intensiviert, der SV Eintracht wurde aus der Taufe gehoben, die Fußball-Ehe war perfekt.

Druck durch Spieler

Rückblickend sieht sich Peter Wassersleben jedoch nicht als Gründungsvater des SV Eintracht. „Ich habe den Stein lediglich ins Rollen gebracht. Den Druck haben die Spieler ausgeübt, da konnten die Vereinsführungen nicht mehr Nein sagen“, so der damals 41-Jährige, der die besondere Rolle der Motor-Spieler hervorhob. Denn diese haben Klaus Hilgenfeld von der Notwendigkeit der Fusion überzeugt. Kein einfacher Schritt für Klaus Hilgenfeld, der die BSG Motor wie kein Zweiter geprägt hatte, für den dieser Verein eine Herzensangelegenheit war, für den er unzählige Kinder ausgebildet und zu ordentlicher Leistungsstärke geführt hatte. Doch die Früchte seiner Nachwuchsarbeit ernteten Lok und Aktivist Salzwedel, die mit zahlreichen Motor-Spielern im Aufgebot in der Bezirksliga spielten, während die BSG Motor im Männerbereich bis zum Jahr 1990 mehrfach den Aufstieg in die dritthöchste Spielklasse der DDR knapp verpasst hatte. Sein Lebenswerk hat Klaus Hilgenfeld beim SV Eintracht fortgesetzt und weiter engagierte Nachwuchsarbeit geleistet. Er bildete u.a. auch Michel Niemeyer aus, der es danach bekanntlich in den Profifußball schaffte.

Meistertitel

Die Saison 91/92 ging dann auch gleich in die Vereinsgeschichte ein. Mit den Trainern Peter Wassersleben und Peter Wegner gelang auf Anhieb die Meisterschaft und der Aufstieg in die Landesliga, die damals die höchste Spielklasse im Bundesland war. Dabei hatte sich Peter Wassersleben vor der Saison noch zurückhaltend geäußert und als Ziel einen gesicherten Mittelfeldplatz ausgegeben. Doch seine Spieler hatten den Ehrgeiz, den Salzwedeler Fans die Frage nach dem gemeinsamen Leistungsvermögen positiv zu beantworten. Dabei erwies sich der Schachzug, die beiden Spielmacher Thomas Treichel und Uwe Steffen nicht nebenein-ander, sondern hintereinander agieren zu lassen, als entscheidend. „Ein Quergeschiebe zwischen Thomas und Uwe bringt uns nichts. Thomas soll im Mittelfeld und Uwe im Angriff die Akzente setzen“, so der Trainer in der AZ-Saisonvorschau.

Kein Abstiegskandidat

Wenn man bedenkt, dass in jener Saison mit Torwart Bernd Rantzow, Hartmut Schöne und Sven Henniger drei langjährige Leistungsträger nicht mehr zur Verfügung standen, andere Spieler ihre Laufbahn beendet hatten, konnte man erahnen, wo der Salzwedeler Fußball gestanden hätte, wenn die Fusion zehn Jahre früher erfolgt wäre. „Mit Sicherheit wären wir aus der Bezirksliga nicht mehr abgestiegen“, ist Peter Wassersleben, der später Eintracht Mechau von der Kreisliga bis in die Landesliga geführt hat, überzeugt.

Dass vor 30 Jahren nicht ein Fußballclub Salzwedel gegründet wurde, lag an den weiteren Abteilungen, die in beiden Vereinen vorhanden waren und auch integriert werden sollten. Man wählte daher den Namen „SV Eintracht“. Der Zusatz „09“ folgte erst Jahre später, nachdem Recherchen historische Verbindungen zum FC Salzwedel 09 ergeben hatten.

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