Abbruch ante portas?

FSA vor dem Tag der Entscheidung

Zwei Bälle und ein Fußballschuh in der Corona-Pause
+
Dass in der Saison 2020/21 noch einmal um Punkte gespielt werden kann, ist unwahrscheinlich. Der Ball muss weiter ruhen.
  • Tobias Haack
    VonTobias Haack
    schließen

Der Fußball-Landesverband FSA berät am Montagabend über mögliche Lösungen für die unterbrochene Saison 2020/21. Die Vereine wünschen sich eine Entscheidung, doch versprechen möchte der Verband im Vorfeld noch nichts.

Altmark – Der Tag der Entscheidung ist gekommen. Oder vielleicht doch noch nicht? Am heutigen Montag berät der Fußball-Landesverband FSA in einer erneuten Videokonferenz über den weiteren Umgang mit der unterbrochenen Saison 2020/21. Im Raum steht eine sofortige Beendigung des Spielbetriebs auf Landesebene, ohne Absteiger und mit Aufsteigern auf freiwilliger Basis. Bis zum Sonntag um 12 Uhr hatten die Klubs von der Landesklasse bis hoch zur Verbandsliga Zeit, schriftlich über diese Variante abzustimmen. Heute nun debattieren FSA-Präsidium, Ausschussvorsitzende und die 14 Präsidenten der Kreisverbände auf Grundlage der Umfrage-Ergebnisse über das weitere Vorgehen. Eine finale Entscheidung zu treffen, ist zwar das Ziel. Dass dies aber auch gelingt, ist nicht gesichert.

Tendenz geht zu einem klaren „Jein“

„Ich weiß nicht, was passiert. Ich sage mal jein“, äußerte sich Klaus-Peter Fischer, Vorsitzender des FSA-Spielausschusses, am Sonntag auf AZ-Nachfrage. Alles könne passieren. Ein Abbruch der Saison ebenso, wie ein erneutes Vertagen der Entscheidung, in der Hoffnung auf klare Vorgaben von höherer Stelle. „Meiner Meinung nach sollte man noch die nächste Bund-Länder-Konferenz am 22. März abwarten. Wir sollten jetzt keinen Schnellschuss machen“, positioniert sich Fischer für ein weiteres Spiel auf Zeit. Im Hinterkopf hat das Oberhaupt des Spielausschusses dabei immer noch einen Funken Rest-Hoffnung auf eine Besserung der pandemischen Lage, verbunden mit entsprechenden Lockerungen. „Wenn wir jetzt Schluss machen und es nach Ostern vielleicht anders aussieht, gucken wir uns auch alle an. Es ist schwierig, wir stehen zwischen Hemd und Hose.“

Meiner Meinung nach sollte man noch die nächste Bund-Länder-Konferenz am 22. März abwarten. Wir wollten jetzt keinen Schnellschuss machen.

Klaus-Peter Fischer (Vorsitzender, FSA-Spielausschuss)

Michael Müller, Präsident des Kreisfachverbands Altmark-Ost, vertritt einen anderen Standpunkt: „Auf Landesebene braucht es eine kompakte Lösung für alle Staffeln. Wenn ich mir aber die Zahlen im Burgenlandkreis angucke (Inzidenzwert vom 13. März: 161,6, Anm. d. Red.), haben die im Moment ganz andere Probleme. Da wird in absehbarer Zeit mit Sicherheit kein Fußball gespielt. Von daher wäre es angemessen, im Sinne der Vereine zeitnah eine Entscheidung im Land zu treffen.“ Diese könne letztlich nur den Schlussstrich unter die unterbrochene Spielzeit bedeuten. Eine Mehrheit dafür dürfte der Verband beisammen haben. Der FSA ging am Sonntag von einem Abstimmungsergebnis zwischen 60 und 70 Prozent pro Beendigung der Saison aus.

Staffelgrößen werden zu einem Problem

Nachdem es in den vergangenen Monaten ein mittelschweres Wirrwarr um die Abwicklung der Spielzeit im Corona-Abbruchfall gegeben hatte, liegt nun erneut die Vorjahresvariante mit freiwilligen Aufsteigern auf dem Tisch. Ein Szenario, das nicht nur Freunde hat, würde es doch die Staffeln in der Landesklasse, Landesliga und Verbandsliga fast schon aufs Unermessliche aufblähen. Allein im Oberhaus könnte es zu einer Staffelgröße von 20 Mannschaften kommen. In den Ligen darunter wären die Zahlen nur unwesentlich kleiner. „Vielleicht müsste man für die Landesliga dann wieder eine dritte Staffel einführen“, deutet Klaus-Peter Fischer an. Für die Verbandsliga wird laut AZ-Informationen über eine Aufteilung in zwei Staffeln nachgedacht. Für die Landesklasse steht eine achte Staffel im Raum. Ideallösungen sehen freilich anders aus. „Es stehen viele Pest-oder-Cholera-Entscheidungen an“, bringt es Michael Müller auf den Punkt.

„Annullierung ist vom Tisch“

Sinnvoller wäre da auf den ersten Blick die noch bis vor Kurzem aktuelle Lösung einer Annullierung ohne Auf- und Absteiger gewesen. „Das ist vom Tisch“, stellte Fischer nun aber klar. Der Grund: Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) besteht darauf, dass Sachsen-Anhalt zur neuen Spielzeit einen Aufsteiger in die Oberliga stellt. Verbandsliga-Spitzenreiter Einheit Wernigerode dürfte also hochgehen. Beim FSA greift daraufhin ein Gleichbehandlungsgrundsatz, wonach auch in allen anderen Ligen auf Landesebene zumindest das Recht aufzusteigen gewährleistet sein muss. Obendrein wäre eine Annullierung für den FSA auch aus rechtlicher Sicht alles andere als wasserdicht gewesen. Klagen der Vereine waren zumindest nicht unwahrscheinlich.

Es stehen viele Pest-oder-Cholera-Entscheidungen an.

Michael Müller (Präsident, KFV Altmark-Ost)

Die Klubs waren ohnehin unter einer ganz anderen Prämisse in die Saison gegangen. Ihnen wurde auf den Staffeltagen im Sommer kommuniziert, dass im Falle des Corona-Abbruchs der Status quo der Tabelle zählen und über Auf- und Abstieg entscheiden würde. Diese Option schiebt der Verband nun aber beiseite. „Damals war nicht abzusehen, dass wir nur sieben Spieltage ausspielen. Wir haben auch keine einheitliche Anzahl von Spielen. Wenn eine Mannschaft sieben Mal gespielt hat und eine andere drei Mal weniger, ist auch eine Quotientenregel nicht mehr gerecht“, erläutert Fischer.

Kreisverbände bleiben entspannt

Die Entscheidung für eine Beendigung mit freiwilligen Aufsteigern wird also kommen. Wenn nicht heute, dann irgendwann nach dem 22. März. Offen, und denkbar problematisch, bleibt vorerst die Frage nach einer Fortsetzung des Landespokals.

Die Kreisverbände sind derweil noch entspannt. Sie dürfen, Stand jetzt, selbstständig über die Fortführung der Spielzeit in den untersten Ligen entscheiden. Michael Müller hat für den KFV Altmark-Ost angekündigt, diesbezüglich noch nichts überstürzen zu wollen. Sein Gremium beratschlagt sich am kommenden Mittwoch auf Grundlage der Ergebnisse der heutigen Videokonferenz des FSA.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare