Fußball: Abbruch oder Re-Start?

Annullierung zeichnet sich ab

Fußballschuhe, ein Ball, Spritzen, Mund-Nasenschutz und Desinfektionsmittel liegen im Tor.
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Die Corona-Pandemie hat den unterklassigen Fußball fest im Griff. Für die laufende Saison besteht kaum noch Hoffnung.
  • Tobias Haack
    vonTobias Haack
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Der Sachsen-Anhalts Fußballverband FSA wollte die Meinungen seiner höherklassigen Klubs erfragen und hat ein eindeutiges Feedback bekommen: Die Mehrheit wünscht sich Abbruch und Annullierung der Saison. Die Entscheidung liegt allerdings bei den Funktionären.

  • Klubs plädieren für Saisonende ohne Auf- und Absteiger
  • Landesklasse 1 könnte theoretisch noch warten
  • FSA rückt von seinen Ankündigungen an Staffeltagen ab

Altmark – Abbruch oder Re-Start? Vor dieser Frage steht der Fußball in Sachsen-Anhalt. Zunächst hatten die Verantwortlichen des Landesverbandes FSA abwartend auf den Lockdown im vergangenen November reagiert. Die Hoffnungen ruhten auf einem Restart mit Ende des Winters. Doch die Corona-Inzidenz-Zahlen entwickeln sich anders. Von Entspannung der Lage keine Spur. Die Zeitpläne für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs geraten mehr und mehr ins Wanken.

Nachdem andere Verbände bereits den Schlussstrich in Form eines Saisonabbruchs gezogen haben, forciert nun auch der FSA seine Planungen. Um die Meinungen der Vereine in die Entscheidungsfindung einzubeziehen, wurden in der vergangenen Woche Videokonferenzen abgehalten. Den Auftakt machte die Verbandsliga am Mittwoch (AZ berichtete). Am Donnerstag folgte die Landesliga, am Freitag die Landesklasse. Das Votum der Klubs fiel letztlich eindeutig aus.

Vereine sind sich fast einig

„Die Tendenz der Vereine geht dahin, dass abgebrochen und die Saison 2020/21 annulliert wird. Ohne Auf- und Absteiger“, berichtet Landesklasse-Staffelleiter René Strach im Gespräch mit der AZ. Hinter diesem Plan stehe die Mehrheit der Klubs, sowohl in der Landesklasse als auch in der Landesliga. Mit einer Stimme sprechen die Vereine dabei nicht. Spitzenklubs wie Landesklasse-Tabellenführer TuS Wahrburg haben dazu naturgemäß eine kritischere Sichtweise als Abstiegskandidaten wie Lok Jerichow oder Beetzendorf.

Landesklasse genügt theoretisch ein Re-Start-Termin Mitte Mai

Bindend sind die Ergebnisse der Videokonferenzen nicht. Entscheidungen werden woanders getroffen: Am 6. März, bei der nächsten Vorstandssitzung des FSA wohlmöglich. Alternativ könnte der Verband auch nochmals auf Zeit spielen, sich einen finalen Stichtag setzen. René Strach hat diesen für die Landesklasse, Staffel 1, bereits ausgerechnet. „Wir müssten spätestens am Wochenende 14./16. Mai wieder anfangen zu spielen, dann könnte man den Rest der Hinrunde, inklusive der Nachholspiele bis Ende Juni durchbringen und hätte eine halbwegs aussagekräftige Tabelle“, so Strach. Die Politik, an deren Entscheidungen letztlich alles hängt, müsste den Amateursport dazu aber bis spätestens 30. März wieder freigegeben haben, da sich die Vereine bis zu sechs Wochen Vorbereitung vor einem Re-Start wünschen. In der aktuellen Situation ein Luxus, wie auch Strach nicht ganz von der Hand weisen kann: „Ich denke, dass auch vier Wochen reichen würden.“

Obwohl die Saison laut Rahmenterminplan noch bis zum 30. Juni läuft, es also noch vier Monate Zeit gibt, um die Hinrunden zu beenden, hängen die Re-Start-Pläne an einem seidenen Faden. Während in der Landesklasse nur noch sieben Spieltage offen sind, wären es in der Landesliga noch neun, in der Verbandsliga noch bis zu zehn. Hinzu kämen die Pokalwettbewerbe in Kreis und Land.

„Es wurde anders gesagt“

Die Annullierung der Spielzeit ohne Auf- und Absteiger scheint da schon realistischer. Wenngleich es auch gegen dieses Szenario berechtigte Einwände gibt. So wurde vom FSA auf den Staffeltagen vor der Saison klar kommuniziert, die Tabellen im Falle eines erneuten Abbruchs so zu werten, wie sie zu diesem Zeitpunkt sind. Inklusive Auf- und Abstieg. Von diesem Plan scheint nun aber abgerückt zu werden. „Es wurde anders gesagt, aber es hat doch niemand damit gerechnet, dass man nach sieben Spieltagen schon wieder abbrechen muss. So früh in der Saison eine Tabelle zu werten, empfinde ich als makaber und unfair“, erklärt René Strach, der gleichzeitig eine Kompromiss-Lösung wie im Vorjahr, als es immerhin Aufsteiger geben durfte, ausschließt: „Das ist nicht nochmal möglich. Wir würden die Ligen nur weiter aufblähen, während es in den Kreisen immer dünner wird.“

So früh in der Saison eine Tabelle zu werten, empfinde ich als makaber und unfair!

René Strach, Staffelleiter der Landesklasse 1

Am kommenden Sonnabend tagt nun die Spitze des FSA. „Was da beschlossen wird, hängt davon ab, was die Politik unter der Woche vorbgibt“, meint Strach. „Wir haben jetzt nur eine Tendenz eingeholt, den Rest beschließt der Vorstand unter sich. Vielleicht setzen sie nochmal einen Stichtag. Ich glaube aber, dass es auf eine Annullierung hinauslaufen wird.“

Priorität liegt auf dem Nachwuchs

Vom Spielausschuss des FSA war gestern niemand für eine Nachfrage zu erreichen. Nach Informationen der AZ legt man in Magdeburg momentan aber den Fokus eher auf den Nachwuchs, um den dort entstandenen Mitgliederschwund aufhalten zu können. Für den Spielbetrieb im Herrenbereich werden indes kaum Chancen auf eine Fortführung der Saison gesehen, da es von seiten der Politik keinerlei Anzeichen für die dazu notwendigen Lockerungen gibt. Abbruch oder Re-Start? Es scheint auf ersteres hinauszulaufen.

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