Fußball und Corona

Altmärkische Schiedsrichter im Lockdown

Ein Schiedsrichter zeigt einem Spieler die Gelbe Karte.
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Schiedsrichter Paul Lemme (links) muss seine Karten aktuell stecken lassen.
  • Tobias Haack
    VonTobias Haack
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Die corona-bedingte Zwangspause im Amateurfußball macht nicht nur den Spielern und Trainern zu schaffen. Auch die SchiedsrichterInnen haben am Lockdown zu knabbern.

Altmark – Die Verantwortlichen der Vereine sehnen sich nach Planungssicherheit. Die Trainer wollen endlich wieder an Matchplänen und Taktiken tüfteln. Die Spieler möchten einfach nur zurück auf den Platz, rennen, grätschen, Tore schießen. Und die Schiedsrichter? Auch ihnen fällt die lange Zwangspause schwer.

Den einen geht es einfach nur um die Ausübung ihres Hobbys. Andere, vornehmlich junge Unparteiische, wollen wiederum hoch hinaus und sehen sich aktuell in ihrer Entwicklung ausgebremst. Schwierige Zeiten, aus denen auch die altmärkische Schiedsrichterzunft aktuell keinen Ausweg weiß.

Nah dran, auch in der Krise

„Uns geht es ähnlich wie allen Spielern“, sagt Karsten Fettback, Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses im Kreisfachverband Fußball (KFV) Altmark-Ost, „jeder vermisst es und sehnt die Zeit herbei, wenn wir endlich wieder auf den Platz zurückkehren dürfen.“ Doch bis dahin kann es noch dauern. Fettback versucht dennoch, seine Referees nicht aus den Augen zu verlieren, möchte möglichst nah an seinen Leuten dran bleiben. An Geburtstagen ruft das Schiedsrichter-Oberhaupt die Unparteiischen an. Und auch sonst klingelt er immer mal wieder durch, um aktuelle Stimmungen abzufragen.

Abmeldungen noch kein Thema

Nicht ohne Grund. Aus anderen Regionen Deutschlands dringen bereits Meldungen durch, wonach es im Schiedsrichterwesen zu ersten corona-bedingten Abmeldungen gekommen ist. Die Gefahr sieht Fettback natürlich auch, kann Stand jetzt aber noch beruhigen: „Wir haben noch keine Abmeldungen zu verzeichnen. Ich habe bis jetzt auch nur positive Rückmeldungen erhalten. Alle wollen weiterhin bei der Stange bleiben. Aber, ob dem auch so ist, sehen wir natürlich erst, wenn es irgendwann mal wieder losgeht. Grundsätzlich haben sich diese Sorgen aber noch nicht bestätigt.“

Talente werden ausgebremst

Der generelle Umgang mit der Corona-Auszeit ist von Typ zu Typ verschieden. „Die einen wollen einfach nur ihre Ruhe haben“, beschreibt Fettback, „die anderen sind etwas aktiver, treffen sich auch mal untereinander zum Laufen.“ Zunehmender Frust lässt sich aber auch bei den altmärkischen Unparteiischen nicht verhehlen. Vor allem die jungen, ambitionierten Referees bedauern jedes Spiel, das nicht gepfiffen werden kann. Aus dem KFV Altmark-Ost zählen in dieser Saison Max Goroncy (Post SV Stendal) und Hannes Westphal (SV Grieben) zum Förderkader des Landesverbandes FSA. Ihre Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit war ansprechend und wurde nun abrupt gestoppt.

Wir haben noch keine Abmeldungen zu verzeichnen. Ich habe nur positive Rückmeldungen erhalten. Alle wollen bei der Stange bleiben.

Karsten Fettback (Vorsitzender Schiedsrichter-Ausschuss, KFV Altmark-Ost)

„Das Gute ist, dass es allen Schiedsrichtern gleich geht und auch die Konkurrenz im Moment nichts machen kann. Trotzdem ist es natürlich ein verlorenes Jahr für die Jungs und vor allem die Praxis, die fehlt“, bedauert Karsten Fettback. Der FSA versucht den Schaden möglichst klein zu halten, versorgt seine Talente mit einem Förderprogramm aus theoretischen Tests und praktischen Fitness-Übungen. Eine Alternative für den Moment, aber mit Sicherheit nicht auf Dauer.

Regeltests, um im Stoff zu bleiben

Der KFV Altmark-Ost verfährt ähnlich. Auch er versorgt seine Unparteiischen mit Hausregeltests. Das Mindeste, was man laut Fettback im Moment machen könne, um die Schiedsrichter ein bisschen bei Laune zu halten. Ein Vorschlag des Kreisverbandes, in der Krise vermehrt auf digitale Angebote zur Weiterbildung zu setzen, fand indes keine Mehrheit. Der Plan wurde fürs Erste verworfen, sodass Fettback und sein Team die nächsten Weiterbildungen eher klassisch angehen. Die Termine stehen bereits fest: Am 23. April ist eine Schulungsveranstaltung angedacht, am 28. Mai der Einstufungstest für die Kreisoberliga.

Was sich freilich nicht zeitgenau planen lässt, ist die Rückkehr auf den Platz. Und die wünschen sich die hiesigen Schiedsrichter am sehnlichsten. Auch ihr Oberhaupt Karsten Fettback: „Mir fehlt der Umgang mit den Spielern auf dem Platz. Am Wochenende draußen sein, Fußball erleben, das fehlt. Es macht halt einfach Spaß und dieser Spaß fehlt mir und allen anderen.“ Etwas anderes als seine Referees macht der Ausschuss-Vorsitzende im Moment übrigens auch nicht. Laufen, bewegen, halbwegs fit bleiben: Mehr ist nicht drin. Nicht für die Spieler und nicht für die Frauen und Männer an der Pfeife.

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