Beidfüßig, robust und vorbildlich

Fussball: Altmärker Jakob Lehmann hofft auf Profi-Vertrag beim FCM

Jakob Lehmann hat seinen Weg durch die Jugend des 1. FC Magdeburg erfolgreich gemeistert und möchte ihn ab Sommer im Profi-Team fortsetzen.
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Jakob Lehmann hat seinen Weg durch die Jugend des 1. FC Magdeburg erfolgreich gemeistert und möchte ihn ab Sommer im Profi-Team fortsetzen.
  • Tobias Haack
    vonTobias Haack
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Magdeburg/Klein Ellingen – Als sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im vergangenen Sommer peinlich früh von der WM in Russland verabschiedet hatte, war der mediale Aufschrei im Land groß.

Fast schon reflexartig wurde – wie immer nach erfolglosen Turnieren – die Jugendarbeit des DFB und seiner Vereine kritisiert. Schließlich war die Löw-Elf mit einem Kader von verdienten Spielern gescheitert, während Nationen wie England und der spätere Weltmeister Frankreich aus einem scheinbar unerschöpflichen Pool junger Talente schöpfen konnten.

Doch natürlich ist die Wahrheit weder Schwarz noch Weiß. Tatsächlich wird im Jugendbereich so professionell gearbeitet wie noch nie. In gefühlt jedem Winkel der Republik gibt es Nachwuchsleistungszentren mit besten Bewertungen.

Was tatsächlich fehlt, ist der Mut der Klubs, seine jungen Talente gegen alle Widerstände in die Profi-Teams zu integrieren. Der 1. FC Magdeburg bildet dabei keine Ausnahme. Von 15 Neuzugängen, die der Aufsteiger in dieser Saison verpflichtet hat, entstammen nur zwei dem eigenen Nachwuchs. Zu einem Einsatz kam bislang noch keiner. Philipp Harrant wurde stattdessen erst kürzlich nach Halberstadt verliehen.

Dabei finden sich auch in der U19 des FCM Spieler, die das Zeug haben, im Profibereich zu bestehen. Einer von ihnen ist der Altmärker Jakob Lehmann, der die Magdeburger A-Jugend mittlerweile sogar als Kapitän auf die Plätze der Junioren-Bundesliga führt. Im Sommer läuft der Vertrag des 19-Jährigen aus. Die Chancen, ein neues Angebot zu bekommen und in das Profi-Team aufzurücken stehen aktuell aber nicht schlecht.

„Es ist unser großes Ziel, mit ihm den Sprung in den Profibereich bewerkstelligt zu bekommen. Er bringt alles dafür mit“, schwärmt Lehmanns aktueller Trainer, Thomas Hoßmang, von seinem Führungsspieler. Das altmärkische Talent, das aus dem beschaulichen Klein Ellingen stammt, ist 1,94 Meter groß, beidfüßig, körperlich robust und wird vornehmlich als linker Innenverteidiger eingesetzt. „Ich bin recht zweikampfstark und habe einen guten Spielaufbau.

An meiner Beweglichkeit muss ich aber noch arbeiten“, sagt Lehmann über sich. Trainer Hoßmang stimmt in allem zu, hat aber sogar noch Qualitäten zu ergänzen: „Er ist sehr wissbegierig, nimmt die Dinge gut an und übernimmt Verantwortung. So wie sich Jakob in der U19 entwickelt hat, spricht es einfach für den Jungen.“

Hoßmang weiß, wovon er spricht. Der einstige Bundesliga-Profi hat mit Lehmann nämlich nicht nur einfache Zeiten hinter sich. Es ist noch nicht lange her, da zweifelte der Verteidiger, überlegte sogar, seine Zelte beim FCM abzubrechen. Nur mit Mühe konnte er damals vom Gegenteil überzeugt werden und steht heute als Kapitän und Leistungsträger im Fokus.

„Dass er diese schwierige Phase überstanden hat, spricht für ihn“, sagt Hoßmang rückblickend. Und Lehmann? Der weiß inzwischen genau, was er will: „Der FCM ist mein Leben! Es ist mein großer Wunsch, weiter in Magdeburg zu spielen.“

Seit Januar 2014 läuft der Klein Ellinger nun schon für den 1. FC Magdeburg auf. Seine beste Zeit erlebt er in der laufenden Saison. Mit der U19 als Abstiegskandidat in die Bundesliga gestartet, überwintert Lehmanns Team auf einem starken achten Platz. Im DFB-Pokal stürmte der FCM-Nachwuchs ins Viertelfinale, wo kurz vor Weihnachten nach einer unglücklichen 1:2-Pleite gegen Borussia Dortmund Endstation war. Ein Highlight war diese Partie trotzdem.

Immerhin kamen knapp 700 Zuschauer. „Das war schon etwas ganz anderes. Wir haben uns sehr gut verkauft und vor allem auch fußballerisch dagegenhalten können“, schwärmt Lehmann, der in der Rückrunde sowohl persönlich als auch mit seinem Team weiter durchstarten möchte. „Der Klassenerhalt ist das A und O. Wenn wir so gut spielen wie in der Hinrunde, möchte ich aber nicht nur knapp drin bleiben, sondern auf einem guten Mittelfeldplatz.“

Für den talentierten Innenverteidiger selbst wäre eine gute Rückrunde das beste Bewerbungsschreiben, um von Michael Oenning für den Profi-Kader 2019/20 in Betracht gezogen zu werden. Auf Tuchfühlung durfte Lehmann schließlich schon ein paar Mal gehen. Unter Jens Härtel absolvierte er ein Testspiel, unter Oenning ein Training. Das erste Feedback war positiv, weitere Bewährungschancen sollen folgen.

„Die Gespräche fangen jetzt an“, hofft Lehmann in den kommenden Monaten auf ein Angebot der sportlichen Leitung um Mario Kallnik und Maik Franz. Dass der Altmärker gute Voraussetzungen mitbringt, wissen sie hinter den Kulissen des FCM. „Das Gute an ihm ist, dass er mittlerweile schon wie ein Profi denkt und auch so auftritt“, sagt Hoßmang. „Ich glaube schon, dass Jakob im Profifußball Fuß fassen kann. Letztendlich liegt es an ihm selbst.“

Der für seine Jugendarbeit im Sommer arg kritisierte DFB hat Lehmann übrigens inzwischen auch auf dem Zettel. Im vergangenen Herbst wurde der FCM-Kapitän zu einem U19-Sichtungslehrgang eingeladen. Nach intensiven Trainingseinheiten und Testspielen, erhielt der Altmärker eine umfangreiche Analyse seiner Stärken und Schwächen samt Trainingsplänen.

„Das war schon ein cooles Erlebnis und das Feedback im Nachhinein war sehr hilfreich. Jetzt muss man mal abwarten, ob noch mal eine Einladung kommt“, sagt Lehmann.

Beim 1. FC Magdeburg mit reellen Chancen auf einen Profi-Vertrag, beim DFB zumindest schon mal auf dem Radar: 2019 könnte das Jahr des Jakob Lehmann werden.

VON TOBIAS HAACK

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