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Fünf Beobachtungen zum Derby zwischen Saxonia Tangermünde und dem 1. FC Lok Stendal

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Von: Tobias Haack

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Fans auf der Tribüne mit Plakaten und Fahnen.
Die Fans des FSV Saxonia läuteten die Saison mit einer kleinen Choreografie ein. © Haack

Mit einem glatten 5:0 bei Saxonia Tangermünde hat der 1. FC Lok Stendal seinen Status als Nummer eins der Altmark untermauert. Doch das Derby hatte auch noch mehr zu bieten. Die AZ hat genau hingeschaut.

Es waren fast 1 600 zahlende Zuschauer, die am vergangenen Freitag den Weg ins Stadion „Am Wäldchen“ gefunden hatten. Sie sahen einen Verbandsliga-Auftakt zwischen Saxonia Tangermünde und dem 1. FC Lok Stendal, der einiges zu bieten hatte – außer die nötige Spannung. Das 5:0 des Oberliga-Absteigers aus der Kreisstadt war eine Machtdemonstration, die ihres Gleichen suchte. Die Altmark-Zeitung blickt in fünf Punkten auf das ungleiche Derby zurück.

Die ganz große Bühne

Das hat es in der Altmark seit Jahren nicht mehr gegeben. Die Zahlen vom Freitagabend waren für ein Fußballspiel der 6. Liga wahrlich beeindruckend. Exakt 1 548 Zuschauer wollten das Derby zwischen Saxonia und Lok sehen. Die lokale und politische Prominenz gab sich die Klinke in die Hand und sogar eine kleine Eröffnungszeremonie wurde präsentiert. „Als Tangermünde hätte ich es genau so gemacht. Sie kommen als Aufsteiger aus drei erfolgreichen Jahren und dann wir, die letztes Jahr gewackelt haben, da hätte ich mir den Auftakt auch genau so gewählt“, kommentierte Gäste-Trainer Jörn Schulz, der sich mit seiner Mannschaft allerdings nicht von der großen Bühne irritieren ließ.

Ein Sieg als klares Statement

„Wir haben heute ein bisschen die Muskeln spielen lassen“, gab Lok-Coach Jörn Schulz nach der Partie zu Protokoll und machte damit deutlich, dass für ihn und seinen Verein einiges auf dem Spiel stand. Im Vorjahr sang- und klanglos abgestiegen, belächelt von der Region, während rund 15 Kilometer weiter die Saxonia mit tollem Offensivfußball in die Verbandsliga stürmte. Auch, wenn es niemand konkret ausgesprochen hat, die Tangermünder, sie haben ebenso wie Gardelegen in dieser Spielzeit die Chance, die Jahrzehnte währende Vorherrschaft des 1. FC Lok Stendal zu attackieren.

Und die Antwort des ehemaligen Oberligisten? Ein eiskalter 5:0-Erfolg. „Natürlich war es das Ziel, heute ein Zeichen zu setzen. Dass es aber in diesem Ausmaß passiert, war für mich nicht zu erwarten“, so Schulz. Der Kantersieg war Balsam für die geschundene Stendaler Seele, denn was in all dem Trubel am Freitag ein bisschen unterging: Es war erst der erste Pflichtspielsieg des 1. FC Lok im Jahr 2022! Den Herausforderer trocken abmoderiert und dabei auch noch eine bedrückende Horrorserie beendet, es war der perfekte Abend für die Eisenbahner.

Neue Offensiv-Qualitäten

Während sich die Stendaler in den vergangenen Jahren offensiv eher quälten und große Probleme hatten, zu Chancen und Toren zu kommen, war von dieser Schwäche gegen die Saxonen kaum noch etwas zu sehen. Der Grund: Es scheint ein neues, sehr gut funktionierendes Dreigestirn gefunden zu sein. Max Salge war in Abwesenheit von Johannes Mahrhold und Steven Schubert nicht nur neuer Kapitän, sondern bekam als Sturmpartner von Neuzugang Rosario Schulze auch noch eine neue Rolle verpasst, die ihn in der Vorbereitung und auch am Freitag aufblühen ließ. Profitieren tut Salge dabei von Schulze, der im Zentrum Bälle festmacht und zugleich mit tollen tiefen Pässen das Spiel gestaltet. Beim 1:0 etwa machte der ehemalige Saxone das Spiel mit einem perfekt getimten Ball schnell, Salge war auf und davon und traf.

Hinzu kommt mit dem jungen Ukrainer Denys Vyrych auf dem linken Flügel ein Talent, das den Abgang von Niclas Buschke vergessen machen könnte. Für die Tangermünder war der Stendaler Neuzugang zumindest nie zu verteidigen. Er kam – wie auch Schulze – auf ein Tor und zwei Vorlagen. „Wenn man bedenkt, dass der Junge gerade erst 18 geworden ist, ist das natürlich beeindruckend. Und Rosario ist für uns genau der Spielertyp, den wir gesucht haben“, freute sich Jörn Schulz über das wahrscheinliche Ende der offensiven Dauerflaute.

Tangermünde muss schnell lernen

Stendal glänzte, zauberte, traf. Und der FSV Saxonia Tangermünde? Ihm war die Schwierigkeit der Umstellung auf die Verbandsliga anzumerken. Vieles ging den Kaiserstädter einfach zu schnell. Jonas Lehmann wehrte sich im Zentrum nach Kräften, ging voran. Maurice Schmidt und Alexander Klitzing deuteten an, dass sie das Zeug haben, auch in dieser Klasse ein Faktor zu sein. Der Rest jedoch hatte erhebliche Probleme. Hinzu kam ein deutlich zu ängstlicher Auftritt in Durchgang eins. „Wenn du als Oberliga-Absteiger kommst und zusätzlich gute Leute verpflichtest, bist du in deinem technischen Spiel natürlich weiter als wir. Das haben sie heute gezeigt“, war FSV-Coach Steffen Lenz von den Unterschieden zwischen beiden Teams nicht überrascht.

Unterschiedliche Perspektiven

Nimmt man das Freitagsspiel als Bewertungsgrundlage, so werden Saxonia Tangermünde und der 1. FC Lok Stendal in der Verbandsliga nicht viel miteinander zu tun haben. Der 1. FC Lok unterstrich, dass er mit Ambitionen an den Start gehen kann. „Unser Kader ist besser als in der letzten Oberliga-Saison“, erkannte Jörn Schulz schon in der Vorbereitung. Doch genügt das, um direkt wieder aufzusteigen? Das wird sich gegen andere Gegner entscheiden. Für die Tangermünder geht es – wie erwartet – einzig und allein um den Klassenerhalt. Das Derby gegen Lok ist nicht der Maßstab. Einen Fingerzeig könnte aber das nächste Spiel geben, wenn der FSV am kommenden Sonnabend im Landespokal Barleben empfängt. Einen Kontrahenten auf Augenhöhe.

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