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FSV Saxonia Tangermünde legt außergewöhnliche Zahlen hin

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Von: Tobias Haack

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Heise setzt zum Dribbling an.
Neuzugang Marco Sebastian Heise (rechts) kommt bei Saxonia immer besser zurecht. © Haack

Der FSV Saxonia Tangermünde braucht sich um das Erreichen seines Saisonziels Klassenerhalt schon fast keine Sorgen mehr zu machen. Das Erfolgsrezept des Verbandsliga-Aufsteigers: Heimspiele gewinnen und Tore schießen.

Möchte man als Aufsteiger in einer höheren Spielklasse überleben, gibt es im Fußball eigentlich nur ein Rezept: Kämpfen, kratzen, beißen, hinten sicher stehen, vorne irgendwie ein Tor mehr erzwingen als der Gegner. Beispiele für diese Herangehensweise gibt es wie Sand am Meer. Der VfL Bochum hat es in der vergangenen Saison in der Bundesliga vorgelebt, zuvor ging auch schon Arminia Bielefeld diesen Weg, der 1. FC Lok Stendal hat sich in diesem Stil fünf Jahre in der Oberliga gehalten und auch der 1. FC Magdeburg machte vor kurzem den Schwenk hin zum Sicherheitsfußball, um irgendwie in Liga zwei zu bestehen.

Der FSV Saxonia Tangermünde ist in der Verbandsliga ebenfalls auf einem guten Weg, den Klassenerhalt zu realisieren. Wenn man ehrlich ist, ist dieses Ziel bei aktuell 15 Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge auch schon so gut wie erreicht. Doch die Art und Weise der Kaiserstädter ist untypisch. Statt zu mauern, schießen sie Tore am Fließband. Hinzu kommt eine Heimstärke, die ligaweit nur noch vom SSC Weißenfels getoppt wird. Die Botschaft, die von der Elbe in dieser Saison ausgeht: Abstiegskampf geht auch schön!

Dass die Tangermünder in der Lage sind, guten Fußball zu spielen, ist keine neue Erkenntnis. In der Landesklasse und Landesliga führten sie ihre Gegner auf dem Weg nach oben reihenweise vor. In Sachsen-Anhalts Oberhaus war mit der Weiterführung des offensiven Spektakel-Fußballs allerdings nicht zu rechnen. Erst recht nicht nach den Abgängen vom spielenden Torjäger Rosario Schulze und Standardexperte Florian Stark gen Stendal. Mit dem Duo verließen den FSV 29 Tore der vergangenen Aufstiegssaison.

Eine mächtige Hypothek für den Liga-Neuling, dem es allerdings gelang, ordentlichen Ersatz zu finden. Die Zwillinge Marius Lucas und Maurice Pascale Schmidt schlugen ein. Auch Fabian Ehricke funktioniert als defensive Allzweckwaffe. Der Grund, warum Tangermünde trotz des personellen Einschnitts im Sommer aber dennoch nichts an seiner Qualität verloren hat, ist ein anderer: Trainer Steffen Lenz und sein Team haben sich neu erfunden.

Dass wir so viele Tore machen, war so sicherlich nicht zu erwarten, aber es entspricht unserer Philosophie. Wir wollen durch schnelles Umschaltspiel zu Chancen kommen und so unsere Tore schießen.

Steffen Lenz (Trainer, Saxonia Tangermünde)

Musste und wollte man in den vergangenen Jahren die Spiele stets aktiv bestreiten, kreativ sein und Lösungen gegen tief stehende Gegner finden, so sind die Vorzeichen nun andere. In der Verbandsliga darf die Saxonia ohne schlechtes Gewissen kontern und blüht darin nach einem kleinen Fehlstart zu Saisonbeginn auf. Traf der Aufsteiger im Vorjahr im Schnitt noch 3,36 Mal pro Spiel, sind es in der Verbandsliga immer noch starke 2,6 Tore pro Partie. Ein ungewöhnlich hoher Wert für einen Aufsteiger, der nach 14 Spielen mit 36 erzielten Toren den drittbesten Angriff der Verbandsliga stellt. „Dass wir so viele Tore machen, war so sicherlich nicht zu erwarten“, erklärte FSV-Trainer Steffen Lenz kürzlich, „aber es entspricht unserer Philosophie. Wir wollen durch schnelles Umschaltspiel zu Chancen kommen und so unsere Tore schießen.“

Dieser Plan funktioniert perfekt und hat das eine oder andere etablierte Team am Tangermünder „Wäldchen“ schon gehörig alt aussehen lassen. Egal, ob Haldensleben (4:2), Dessau (5:1), Halle-Ammendorf (3:1) oder Fortuna Magdeburg (6:2), sie alle tappten in die Falle. Ein Gegenmittel hatte niemand zur Hand, wenn Alexander Klitzing, Maurice Schmidt und Pascal Lemke ins Rollen kamen. „Wir bewegen uns auf einem guten Level, aber es werden auch Mannschaften kommen, die uns bespielen können. Daraus müssen wir dann lernen und uns entwickeln“, sagt Steffen Lenz und spielt damit natürlich auf die beiden Abfuhren gegen Lok Stendal (0:5) und die U23 des 1. FC Magdeburg (0:7) an.

Das Derby gegen den 1. FC Lok war bis heute die einzige Tangermünder Heimpleite der Saison, denn die Heimstärke ist der zweite ganz große Trumpf des Aufsteigers. „Darüber möchten wir uns definieren“, untermauert Lenz. Im eigenen Stadion gelingt es dem FSV mittlerweile auch, Spiele zu gewinnen, in denen mal nicht alles nach Plan läuft. So geschehen am Wochenende gegen Bernburg (2:0). „Wir müssen lernen, dass es auch mal schwierige Spiele gibt, wo Kleinigkeiten entscheiden. Das war heute so und darauf haben wir eine gute Reaktion gezeigt“, ist der Trainer stolz auf den nächsten gemeisterten Entwicklungsschritt.

Dem Status des ganz normalen Aufsteigers ist Saxonia Tangermünde nach 14 absolvierten Spielen bereits entwachsen. Der Lust am Toreschießen sei Dank.

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