Fußball: KFV-Vereinsdialog zum Thema Schiedsrichter von lediglich zehn Vereinen angenommen

Friedensgipfel in kleiner Runde

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Der Schiedsrichter-Ausschuss des KFV um seinen Vorsitzenden Michael Müller (links) ist sich der Probleme im Spielbetrieb bewusst und hat deshalb das Gespräch mit den Vereinen gesucht. Die Klubs der Region zeigten allerdings wenig Interesse. Die Teilnehmerzahl blieb eine einzige Enttäuschung.

Stendal. Es ist ein leidiges Thema und dennoch latent aktuell. Gewalt gegen Schiedsrichter. Was als Schreckensnachricht gefühlt wöchentlich aus Berlin, Nordrhein-Westfalen und anderen Ländern durch die Medien geht, ist auch in der Altmark nichts Ungewöhnliches.

Zwar liegt der letzte tätliche Übergriff auf einen Unparteiischen im Kreis Stendal schon einige Jahre zurück, doch auch die nicht zu unterschätzende verbale Gewalt hat in der Ost-Altmark Hochkonjunktur.

„Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer, egal in welcher Liga“, berichtet etwa Schiedsrichterin Elfi Schwander. Die Unparteiischen als Opfer. Spieler, Trainer und Zuschauer als Täter. So einfach könnten die Rollen verteilt werden, doch auch die Vereine haben ihre Sicht der Dinge und beklagen vor allem in den unteren Ligen Woche für Woche schlechte Schiedsrichter-Leistungen und mangelhafte Kritikfähigkeit der Unparteiischen – gepaart mit einem fragwürdig arroganten Auftreten der Referees.

Der Kreisfachverband Fußball Altmark Ost hatte nun genug von den ständig hochkochenden Problemen und lud am vergangenen Freitag zu einem Dialog zwischen der Schiedsrichterzunft und den Vereinen ins Stadion „Am Hölzchen“ ein. Das Ergebnis war in den Augen des gastgebenden Schiedsrichter-Ausschusses ein einziges Ärgernis: Von 45 geladenen Klubs fanden lediglich zehn Vereine den Weg in den VIP-Raum des Stendaler Stadions.

„Ich bin absolut enttäuscht von der Teilnehmerzahl. Auf jedem Platz gibt es Theater und wenn dann mal so eine Veranstaltung hier ist, kommt keiner“, zeigte der KFV-Sportgerichts-Vorsitzende André Rauschenbach wenig Verständnis für das Fernbleiben von 35 Vereinsvertretern. Die anwesenden Schiedsrichter, KFV-Vorstände und Klub-Vorsitzenden ließen sich von der schwachen Nachfrage der Veranstaltung nur kurz stören und gingen nach einer kurzen Begrüßung in den sachlichen Austausch über.

Rico Goroncy, Vorsitzender des Post SV Stendal, brachte in einer kurzen Ansprache die Probleme der Vereine auf den Punkt. Und das waren wahrlich nicht wenige. Egal ob ungerecht hohe Schiedsrichterkosten für die Vereine, die Nachwuchsarbeit betreiben, fragwürdige Ansetzungen, die Probleme bei der Nachwuchsgewinnung für die schwarze Zunft oder das Niveau der Referees. Der KFV bekam seine Baustellen schonungslos offen gelegt. Ins Detail ging es bei der anschließenden Gruppenarbeit, als unter anderem Gründe für den Schiedsrichtermangel erörtert wurden.

Die Standpunkte des KFV brachte Schiedsrichter-Ausschuss-Chef Michael Müller den Teilnehmern näher. Zwar nahm Müller zusammen mit seinen Kollegen die zahlreichen Kritikpunkte zur Kenntnis, Hoffnung auf konkrete Verbesserungen vermochte er allerdings nur wenig zu machen. Man werde die Dinge bei der nächsten Schiedsrichtertagung ansprechen, war alles, was den Vereinen versprochen werden konnte. Diese – sofern überhaupt anwesend – gelobten trotz fehlender, greifbarer Ergebnisse Besserung und sparten nicht an Selbstkritik. „Anerkennung und Menschlichkeit gehören in unserem Sport einfach dazu“, schloss Goroncy den Abend versöhnlich ab. KFV-Präsident Werner Meinschien zeigte sich in seinem Fazit angetan von den konstruktiven Gesprächen: „Unsere Runde war zwar klein, aber fein. Ich hoffe, dass wir im Schiedsrichterwesen in Zukunft wieder auf das Niveau kommen, das wir vor ein paar Jahren mal hatten.“

Den ersten Schritt in die richtige Richtung hat der Verband mit seinem Dialog getan. Ob sich der respektlose Umgang auf den Sportplätzen dadurch verbessert, bleibt ungewiss. „Ich bin da eher skeptisch“, meinte Schiedsrichter Klaus Reimer im Nachgang.

Von Tobias Haack

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