FUSSBALL – Lok-Präsident tritt nach elf Jahren im Amt nicht mehr an

Wer folgt auf Nellessen?

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Eine Ära endet: Ulrich Nellessen gibt nach elf Jahren das Amt des Lok-Präsidenten ab. 

Stendal – Das Gerücht köchelte schon eine Weile durchs „Hölzchen“, nun ist es offiziell: Professor Ulrich Nellessen, der Präsident des 1. FC Lok Stendal, tritt bei der nächsten Mitgliederversammlung nicht mehr zur Wiederwahl an.

Wie er auf Anfrage der Altmark Zeitung am Montag exklusiv bestätigte, steht der 67-Jährige in Zukunft nicht mehr für einen Posten im Vorstand zur Verfügung. Nach elf überwiegend erfolgreichen Jahren endet beim Stendaler Traditionsverein somit in Kürze eine Ära.

„Ja, das stimmt. Im Verein ist das auch allen bekannt. Bei der nächsten turnusmäßigen Mitgliederversammlung werde ich nicht mehr kandidieren“, kommentierte Nellessen gestern die immer lauter werdenden Spekulationen um seinen Austritt aus dem Vorstand. Demnach habe der Lok-Präsident den Verein bereits im April schriftlich über seine Pläne informiert. Seine Vorstandskollegen Torsten Pfeiffer, Guido Klautzsch und Margit Bubke seien im Bilde und bereits seit Längerem auf der Suche nach geeigneten Nachfolge-Kandidaten. Das Problem: Stand jetzt ist noch kein neuer Präsident in Sicht. Ursprünglich sollte der Machtwechsel bereits in diesem Monat vollzogen werden. Die für Ende September angedachte Mitgliederversammlung wurde nun aber mangels Kandidaten aufgeschoben. „Daran sieht man mal, wie schwierig das ist. Ich kann das aber nicht machen, bis ich 90 bin“, macht Nellessen klar, dass seine Entscheidung unumstößlich ist. Nach elf Jahren müsse es erlaubt sein, einen Schlussstrich zu ziehen. Schließlich hätten all seine Vorgänger bei Lok nicht mal ansatzweise so lange durchgehalten.

Der Verein ist laut Satzung in jedem Fall dazu verpflichtet, noch in diesem Jahr seine nächste Mitgliederversammlung abzuhalten. Die Zeit drängt also, denn Nellessen wird dann definitiv ausscheiden – egal, ob mit oder ohne Nachfolger. Der amtierende Präsident weiß um das Dilemma, vor dem seine Vorstandskollegen stehen: „Es werden Gespräche geführt. Bislang zwar ohne Erfolg, aber es ist auch nicht so einfach. Es muss jetzt aber jemand bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.“ Wer den Mut hat, sich dieser Herausforderung zu stellen, ist derzeit völlig offen. Ein Gedränge um die Macht im Verein gibt es allerdings nicht. Im Gegenteil: Noch scheinen sich die vom Klub ins Auge gefassten Kandidaten wegzuducken.

Die Suche nach einem neuen Präsidenten läuft am „Hölzchen“ nunmehr seit knapp vier Monaten. Im Frühjahr informierte Nellessen den Verein. Aus Rücksicht auf die damals prekäre sportliche Situation wurde das Thema aber zunächst aus der Öffentlichkeit rausgehalten. „Ich wollte keine unnötige Unruhe reinbringen“, erklärt der scheidende Präsident. Ursprünglich hatte er angedacht, sauber zum Saisonende 2018/19 abzutreten. Davon nahm der gebürtige Westfale allerdings Abstand, da die Nachfolge noch nicht geregelt war. Er gewährte den Kollegen einen Aufschub, doch nun neigt sich auch diese Frist dem Ende.

Pfeiffer, Klautzsch und Bubke müssen in Kürze Lösungen präsentieren, ansonsten droht ein unangenehmes Chaos und schlimmstenfalls der temporäre Verlust der Handlungsfähigkeit. Ulrich Nellessen braucht sich trotz der aktuellen Probleme an der Vereinsspitze keine Vorwürfe zu machen. Unter dem Strich hinterlässt er beim 1. FC Lok eine gute Basis für seinen noch unbekannten Nachfolger. Als der Vater des späteren Leistungsträgers Benedikt vor elf Jahren die Verantwortung übernahm, steckte der Verein tief und nahezu aussichtslos im Abstiegskampf der Verbandsliga fest. Wirtschaftlich ging es den Eisenbahnern denkbar schlecht. Inzwischen spielt der Traditionsverein seine dritte Oberliga-Saison in Folge und ist nicht zuletzt dank der DFB-Pokal-Teilnahme im Vorjahr auch finanziell vernünftig aufgestellt. „Das ist kein Vergleich mehr zu meiner Anfangszeit“, sagt Nellessen nicht ohne Stolz.

Auf dem Platz arbeitet Trainer Jörn Schulz mit seiner Mannschaft daran, den 1. FC Lok Stendal weiter als festes Mitglied der fünften Liga zu etablieren. Nellessen ist zuversichtlich, dass dies durch Trainingsfleiß und die korrekte Einstellung aller Beteiligten gelingen kann, wenngleich er auch in dieser Saison von Abstiegskampf ausgeht. „Ich sehe im Moment einfach noch keine ganz schwache Mannschaft in der Liga. Es kann auch wieder sehr eng werden. Zumal es für eine Stadt wie Stendal, fernab von allen Metropolen, immer schwer sein wird, in der Oberliga zu bestehen“, verweist der Lok-Präsident auf die strukturellen Nachteile der Region und des Vereins im Vergleich zur Konkurrenz aus Berlin und dessen Umland. „Man muss auch nach Rückschlägen die Nerven bewahren“, gibt Nellessen analog zu seinem Trainer als Erfolgsformel aus.

Wie gut das seinem 1. FC Lok gelingt, wird er in Kürze nur noch als Fan auf der Tribüne verfolgen.

VON TOBIAS HAACK

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