„Hochemotional, aber friedlich“

FCM-Sportchef Mario Kallnik vor dem Ost-Derby in Dresden im AZ-Interview

Fan-Choreografien mit Pyrotechnik sehen zwar gut aus, gehen aber Vereinen wie dem 1. FC Magdeburg schmerzhaft ans Portemonnaie. Das kommende Derby bei Dynamo Dresden hoffen die Verantwortlichen des Aufsteigers ohne besondere Vorkommnisse über die Bühne zu bekommen.
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Fan-Choreografien mit Pyrotechnik sehen zwar gut aus, gehen aber Vereinen wie dem 1. FC Magdeburg schmerzhaft ans Portemonnaie. Das kommende Derby bei Dynamo Dresden hoffen die Verantwortlichen des Aufsteigers ohne besondere Vorkommnisse über die Bühne zu bekommen.

Magdeburg. Die Fußballer des 1. FC Magdeburg müssen am Sonnabend in einem weiteren Ost-Derby der 3. Liga bei Dynamo Dresden antreten. Laut DFB gilt diese Begegnung als Hochsicherheitsspiel.

AZ-Sportredakteur Tobias Haack sprach im Vorfeld mit FCM-Sportchef Mario Kallnik über die Rolle der Fans, den kommenden Gegner und den bisherigen Saisonverlauf.

Altmark-Zeitung: Herr Kallnik, vor der Saison haben Sie deutschlandweite Anerkennung geerntet für die Idee, bei Vergehen der eigenen Fans freiwillig die Punkte abgeben zu wollen. Sehen Sie sich nach den Vorkommnissen in Rostock und den Spielunterbrechungen vom Wochenende  diesbezüglich langsam in der Bringschuld?

Mario Kallnik: „Absolut nicht, denn wir halten uns an unsere Aussagen und bleiben wie gewohnt verbindlich. Wir haben vor der Saison 15/16 folgendes gesagt: ‘Sollten in unserem eigenen Stadion gewalttätige Aktionen unserer Fans gegenüber anderen Fans ausgehen, behalten wir uns vor, dem DFB zu empfehlen, uns die jeweiligen Punkte abzuziehen.’ In den ersten sieben Heimspielen haben wir stets friedliche Fußballfeste in der MDCC-Arena erlebt.“

Bereuen Sie diese Aussagen schon oder denken Sie, dass diese „Drohung“ bei den Magdeburg-Fans angekommen ist?

„Die Aussage bereuen wir nicht und wir sehen diese auch nicht als Drohung. Lediglich zeigen wir vorab die Konsequenzen beim Überschreiten von Grenzen auf. Somit kann sich jeder darauf einstellen, welche Ergebnisse grenzüberschreitendes Handeln hervorrufen wird.“

Am Wochenende geht es nun ausgerechnet gegen den großen Rivalen aus Dresden. Ihr Gäste-Kontingent wurde ausgeschöpft. Die Stimmung durch die unüberlegte Plakat-Aktion der Dynamo-Spieler weiter angeheizt. Befürchten Sie, dass es zu Ausschreitungen kommen könnte?

„Ich wünsche mir, dass unsere Fans unsere Mannschaft hochemotional aber friedlich unterstützen und somit auch dazu beitragen, den 1. FC Magdeburg auch weiterhin über die Landesgrenzen hinaus positiv zu präsentieren.“

Für die Vorkommnisse in Rostock bekam Ihr Verein eine Strafe von 6000 Euro ausgesprochen. Ein Bundesliga-Verein könnte diese Summe leicht verschmerzen, wie sieht es bei einem Drittliga-Aufsteiger aus? Können Sie einen kurzen Eindruck geben, wie sich solche Geldstrafen auf den Klub und das operative Geschäft in Magdeburg auswirken?

„Wir müssen jeden Euro hart erarbeiten, um die Weiterentwicklung unseres Clubs täglich voranzutreiben. Jede unnötige Strafzahlung schädigt den Club und verlangsamt bzw. blockiert den Entwicklungsprozess. Diesbezüglich tragen auch unsere Fans eine große Verantwortung für die kurz- und mittelfristige Weiterentwicklung unseres Vereins.“

Zum Sportlichen: Der 1. FCM ist als Aufsteiger mit 21 Punkten und Tabellenplatz vier mehr als im Soll. Dresden dürfte am Wochenende der bislang schwerste Gegner sein. Aber die Tatsache, dass man als Außenseiter dort tief stehen und kontern kann, spricht ja eigentlich für den 1. FCM. Was erwarten Sie für ein Spiel und was ist in Dresden möglich?

„Dynamo Dresden verfügt über viele sehr gute Einzelspieler und darüber hinaus haben sie zur mannschaftlichen Geschlossenheit gefunden. Wir gehen in dieses Spiel als klarer Außenseiter, welcher dennoch seine Chance auf Auswärtspunkte suchen wird. Es ist für uns ein ganz schweres Spiel, da die Dresdner uns nicht unterschätzen werden.“

Nach Dresden heißen die Gegner Münster und Großaspach - zwei weitere Topteams. Die kommenden Wochen sind also richtungsweisend. Wo steht der 1. FC Magdeburg in drei Spieltagen?

„Jedes Spiel in dieser Liga ist eine enorme Herausforderung. In der Tabelle kann es schnell nach unten aber auch nach oben gehen. Unser vorrangiges Ziel ist und bleibt es, am Ende der Saison im Profifußball zu verbleiben.“

Eine abschließende Frage zu Ihrer Person: Bei Ihren Neuzugängen haben Sie in diesem Sommer ein glückliches Händchen bewiesen. Hainault und Altiparmak haben es beispielsweise ohne große Anlaufzeit in die Stammformation geschafft, Ryan Malone am Wochenende in seinem ersten Einsatz über 90 Minuten sogar getroffen. Wie zufrieden ist man als Sportdirektor im Moment?

„Wir sind momentan nicht unzufrieden. Ich betone das genau auch in diesem Wortlaut. Wir haben keine Zeit und auch keinen Grund, uns aktuell über Zwischenstände zu freuen. Sicherlich ist es gut, wenn das Trainerteam und die Spieler ohne Abstiegssorgen ihre Entwicklung alltäglich vorantreiben können. Allerdings zählt das Erreichen des Ziels und bekanntlich wird zum Schluss abgerechnet.“

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