SCHMIDT UND GÖDECKE: HAUPTDARSTELLER GEGEN MALCHOW

Als bei Lok Stendal Unmögliches möglich wurde

Lok Stendals Maurice Schmidt bejubelt sein spätes Tor.  
+
Was tut man, nach dem man das 5:4-Siegtor zum Klassenerhalt in der 90. Minute erzielt hat? Lok Stendals Maurice Schmidt entschied sich fürs Trikotausziehen. 
  • Patrick Nowak
    vonPatrick Nowak
    schließen

Thriller. Wahnsinn. Unfassbar. Das sind nur drei von mehreren Beschreibungen, die das Oberliga-Saisonfinale 2018/2019 des 1. FC Lok Stendal vom 2. Juni 2019 zusammenfassen. Aus 2:4 wurde gegen den Malchower SV ein 5:4 gemacht. Klassenerhalt perfekt. Die Matchwinner Maurice Schmidt und Martin Gödecke erinnern sich.

  • Martin Gödecke: Zwischen Hochzeit, Abstiegskampf und Dreierpack.
  • Maurice Schmidt muss auf seine Chance warten.
  • Die Spielzusammenfassung gegen Malchow kann noch nützlich sein.

Stendal - Die Rahmenbedingungen waren im Vorfeld optimal. Perfektes Fußballwetter im Sommer. Ein gutbesuchtes „Hölzchen“. Heimspiel am Sonntag. Im Gegensatz zu Dreierpacker Gödecke fand sich der spätere Siegtorschütze Schmidt nicht in der Startelf wieder. Er konnte damit leben, fieberte auf der Ersatzbank mit. Gödecke hatte am Vortag noch eine Hochzeit an der Ostsee besucht, hielt sich mit den Feierlichkeiten bewusst zurück. So kam er fit und konzentriert am Matchday in Stendal an. „Es war mega warm, jeder Lauf hat wehgetan“, so Gödecke, dem mit seinen Mitspielern nichts anderes übrig blieb, als diese Wetterbedingungen anzunehmen.

Stendal trotzte der Hitze, ging durch „Gödi“ früh in Führung. Sie beruhigte kurz, brachte aber keine Sicherheit. Ein emotionales Hin und Her begann. Nach einer einfachen, flachausgeführten Ecke auf Sechzehnerhöhe meldete sich Malchow mit dem 1:1 zurück. „So ein Tor habe ich in meinem Leben noch nicht bekommen. Auch, wenn ich nicht auf dem Platz stand“, wirkt Schmidt immer noch ratlos.

Schmidt muss warten, ehe er mitwirken darf

Dennoch schien Stendal an diesem Tag nicht kleinzukriegen. Eigener Jubel, Fehler, Frust und ein Happy-End bildeten das verrückte Drehbuch dieses Spiels. Gödecke legte zum 2:1 vor, Malchow glich aus und erhöhte auf 3:2. Schmidt hatte da bereits die Befürchtung, dass er nicht mehr ins Geschehen eingreifen würde. „Dann habe ich mich damit abgefunden, dass ich vielleicht doch nicht reinkommen könnte.“ Kurz vor der Pause betrat der Offensivmann den Platz, als er für Sebastian Hey, der mit Gödecke die Doppelspitze bildete, eingewechselt wurde.

Die Pause diente den Eisenbahnern, um sich zu sammeln. Auf dem Weg in die Kabinen waren die Stendaler Köpfe gesenkt, die Zuschauer hatten schon abgewunken. Doch sie blieben bis zur letzten Minute – was sich im Nachhinein als richtige Entscheidung erweisen sollte. Trainer Jörn Schulz hielt eine Ansprache und appellierte an sein Team, dass es noch nicht vorbei ist. Dann geschah genau das, was Lok nicht gebraucht hatte.

Zwischenstand 2:4: Gödecke setzt Zeichen per Kopf-an-Kopf-Diskussion

Torhüter Lukas Kycek ging ins Dribbling, verlor den Ball – 2:4. „Das war ein Mix aus Enttäuschung und ich war traurig, weil ich nicht absteigen wollte“, sieht Schmidt die Entstehung des Gegentores genau vor sich. Noch 27 Minuten + x auf der Uhr. Ein Wachrüttler musste her, um die Hoffnungen am Leben zu halten. Bei diesem Spielstand haderte der 1. FC Lok Stendal mit sich selbst. Der Frust wurde größer. Die Wahrscheinlichkeit für eine Aufholjagd mit zunehmender Spieldauer immer kleiner.

Gödecke leistete sich eine Kopf-an-Kopf-Diskussion mit Malchows Torwart. Ursprung war ein Schubser gegen Niclas Buschke. Die Lok-Unzufriedenheit hatte ihren Höhepunkt erreicht. Auch bei Gödecke. „Bei solchen Spielen bin ich bis in die Haarspitzen motiviert. Ich wollte einfach ein Zeichen setzen und mich vor Niclas stellen. Und die Gelbe Karte habe ich gerne in Kauf genommen. Das war egal in dem Moment.“

Ich wollte unbedingt das Tor machen und habe mir gedacht: Wann spielt Niclas diesen verdammten Ball rüber.

Maurice Schmidt

Diese Aktion entfachte neue Kräfte. Gödecke verkürzte auf 3:4. Plötzlich ging wieder etwas. Der Weg zur Stendaler Sensation verzeichnete die ersten Schritte. Die Eisenbahner ließen weitere Etappen folgen, wuchsen in der Endphase über sich hinaus. Martin Krüger steuerte sehenswert das 4:4 bei, 88. Minute. Der Lok-Jubel hielt sich in Grenzen. Zurecht. Noch war nichts erreicht. Aber: Der Glaube kam zurück. „Eine Chance werden wir definitiv noch kriegen“, war Schmidt überzeugt.

90. Minute: Stendal setzte alles auf eine Karte. Gödecke ließ sich auf die Sechs fallen. Und sorgte dann aber für klare Absprachen Richtung Nebenmann Steven Schubert. „Ich habe gesagt: Schubi, du bleibst hinten und ich gehe immer mit vor.“ Dann folgte die Szene des Spiels. Abstoß für Malchow. An sich eine harmlose Ausgangslage. Loks Schubert fing den Ball mit einer Brustannahme in Höhe der Mittellinie ab, setzte Buschke mit einem Pass in die Tiefe in Szene.

Ich habe alle Spieler aus unserem Kader unterschreiben lassen und der Ball liegt jetzt in meinem Zimmer.

Martin Gödecke

Schmidt schaltete schnell im Kopf, ahnte, dass sich eine Gelegenheit ergeben könnte. „Ich wollte unbedingt das Tor machen und habe mir gedacht: Wann spielt Niclas diesen verdammten Ball rüber.“ Der flache Buschke-Pass kam an, punktgenau auf Schmidt, der sich im Vollsprint befand. Auch das Zerren des Gegenspielers hielt ihn nicht davon ab – 5:4. Klassenerhalt. Ende.

Schmidt hatte keine Zeit und keine Fantasie, um sich einen ausgefallenen Torjubel zu überlegen. Er zog das Trikot aus. „Ich wusste einfach nicht, was ich machen soll.“ In dieser Szene befand sich Gödecke am Sechzehner, konnte aber nicht mehr eingreifen. In der Nachbetrachtung störte es ihn nicht, dass Schmidt sich feiern ließ.

Spielzusammenfassung als Motivation für Lok Stendal

Gödecke hatte selbst drei Tore erzielt. Und war neben Schmidt der Lok-Hauptdarsteller gegen Malchow, nahm den Spielball mit nach Hause. „Ich habe alle Spieler aus unserem Kader unterschreiben lassen und der Ball liegt jetzt in meinem Zimmer.“ 

Die Zusammenfassung auf YouTube sehen sich beide heute noch gerne an. Es sei „überragend“, so Gödecke, dass solche Momente festgehalten werden. Es ruft schöne Erinnerungen hervor. Und motiviert, falls ein Re-Start eintreffen sollte. Schmidt: „Was wir können, ist der Zusammenhalt. Das Spiel gegen Malchow hat das gezeigt. Man sollte das Video einfach mal zeigen, weil unmögliche Dinge möglich sind, wenn man daran glaubt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare