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Ex-Stendaler Maik Aumann pusht Stahl Brandenburg zum Derbysieg und wird im Internet gefeiert

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Von: Tobias Haack

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Maik Aumann bei der Kabinenansprache
Aumann heizt seinem Team vor dem Derby nochmals ein. © Screenshot, 11freunde.de

Der Ex-Stendaler Maik Aumann hat mit Stahl Brandenburg das Lokalderby gegen den BSC Süd 05 gewonnen. Im Vorfeld heizte er seinem Team so dermaßen ein, dass ein Video seiner Kabinenansprache nun im Internet zum Hit wurde.

In Brandenburg an der Havel war am vergangenen Wochenende eine ganz Stadt elektrisiert. Zum ersten Mal seit weit über zehn Jahren standen sich die beiden rivalisierenden Klubs BSG Stahl und BSC Süd 05 mal wieder in einem Pflichtspiel gegenüber. Im Landespokal ging es sportlich nur um den Einzug in die nächste Runde, doch über das blanke Ergebnis hinaus stand weitaus mehr auf dem Spiel. Letztlich siegte vor über 2 000 Zuschauern Außenseiter Stahl glatt und verdient mit 2:0 (2:0). Gesprochen wird seitdem vor allem über den Trainer der BSG, denn der ehemalige Lok Stendal-Angreifer Maik Aumann hielt eine derart leidenschaftliche Ansprache an sein Team, dass er seit wenigen Tagen mit einem Kabinenvideo, das unter anderem 11freunde.de weiterverbreitet hat, ein kleines Internet-Phänomen ist.

„Ich freue mich natürlich über die vielen positiven Reaktionen, die ich darauf bekomme. Unser Internet-Mensch im Verein hat mir auch gesagt, dass es so viele Likes und Klicks noch nie gegeben hat. Das war so nicht geplant. Aber ich sage mal so, es war jetzt auch nicht meine erste Kabinenansprache, die gezündet hat. Es wurde halt nur zum ersten Mal gefilmt“, kommentiert der 35-Jährige den kleinen Kult um seine Person, der in den vergangenen Tagen auf den Verein eingeprasselt ist.

Das Derby als Bühne und Belohnung

Für Aumann und seine junge, ambitionierte Landesliga-Mannschaft war das Lokalderby gegen den höherklassigen BSC (Brandenburgliga) das Spiel der Spiele. Der Lohn für knapp zwei Jahre, die der mittlerweile in Schinne wohnhafte UEFA A-Lizenz-Trainer mit dem Kern seiner heutigen Elf einen steinigen, gemeinsamen Weg beschreitet. Er möchte den DDR-Traditionsverein wieder ein bisschen mehr auf die Fußball-Landkarte bringen. Das Derby vor großer Kulisse war dazu die perfekte Bühne. „Es war für uns die Chance, zu zeigen, was hier seit zwei Jahren passiert. Das wollte ich den Jungs vermitteln“, erklärt Aumann im Gespräch mit der Altmark-Zeitung.

Der 35-Jährige tat dies in knapp zweieinhalb Minuten, die einem allein bei der Betrachtung des Videomitschnitts im Netz eine Gänsehaut verpassen. Es begann ruhig mit ein paar üblichen Ansagen. „Bei uns als Trainer dürft ihr Fehler machen“, „behaltet eure Organisation, bleibt ruhig.“ Doch dann wurde es emotional: Aumann begann Nachrichten vorzulesen, die ihn im Vorfeld der Partie erreicht hatten. Erst leise, dann immer lauter werdend. Jugendfrei war dabei nicht alles, aber es emotionalisierte – den Trainer und seine Mannschaft.

Persönliche Nachrichten für den letzten Kick

Am Ende wurde im Gleichschritt auf der Stelle getreten, ein Countdown runtergezählt und das „lauteste BSG der Saison“ gerufen. Die Stimmung in den Reihen des Underdogs war pünktlich zum Anpfiff auf dem Siedepunkt angelangt. Eine knappe halbe Stunde später führte Stahl schon mit 2:0 und hatte in der Folge keine Probleme, den völlig überrumpelten Lokalrivalen aus dem Pokalwettbewerb zu schmeißen.

„Das lag sicherlich nicht nur an der Ansprache“, sagt Aumann heute dazu. „Die Jungs waren so bereit. Ich hätte auch einfach nichts sagen können und wir hätten das Spiel gewonnen. Es war eine Kombination aus einem gut funktionierenden Matchplan, aus der individuellen Klasse meiner Spieler, die den Gegner anscheinend überrascht hat, und aus Abläufen, die wir nach zwei Jahren gemeinsamer Arbeit drin haben und der Gegner halt nicht“, fasst der Stahl-Trainer aus Schinne zusammen.

Ein Trainer, der noch viel vor hat

Sich selbst beschreibt Maik Aumann, der über die Stationen Dynamo Schwerin und MSV Pampow U23 auf der Brandenburger Trainerbank gelandet ist, als einen extrem akribischen Trainer: „Ich möchte nicht abgehoben klingen, aber ich glaube, dass kein Landesliga-Trainer so viel investiert wie ich. Das sagen mir auch meine Freunde. Manchmal ist es vielleicht auch ein bisschen zu viel.“ Der Ehrgeiz, mit dem Maik Aumann arbeitet, drückt sich schon allein durch seine Lizenz aus. Den UEFA A-Schein mit gerade einmal 35 Jahren zu besitzen, ist nicht alltäglich – und für einen Otto-Normal-Bürger auch das höchste der Gefühle. Als nächster Schritt bliebe nur noch der ominöse Fußballlehrer, doch für den braucht es viel Geld, gute Kontakte und im Idealfall eine vorzeigbare Profi-Karriere im Lebenslauf.

„Haben ihnen gezeigt, dass wir da sind“

Der ehemalige Stendaler weiß das und begnügt sich deshalb erstmal mit dem Status quo. Nach dem Coup im Pokal ist für ihn und sein Team unstrittig, wohin die Reise in dieser Spielzeit führen soll: „Wir wollen aufsteigen und dann haben wir in der nächsten Saison zweimal solche Derbys.“ Dann soll der ungeliebte Konkurrent BSC Süd endgültig ein- und überholt werden. „Wenn man sieht, was in der Jugend abgeht und bei den Frauen, dann ist Stahl überall längst an Süd vorbeigezogen. Nur die erste Männer von ihnen ist noch vorne, aber wir haben jetzt gezeigt, dass wir da sind. Auch das war unser Ziel“, hebt Maik Aumann rückblickend noch einmal die Bedeutung seines bislang größten Siegs als Stahl-Trainer hervor.

Rückkehr nach Stendal kann eines Tages interessant werden

Ob er eines Tages auch mal bei seinem alten Verein in Stendal auf der Bank sitzen und an einer besseren Zukunft feilen wird, ist eine Frage, die sich Aumann aktuell nicht stellt. „Ich weiß, dass Jörn Schulz da im Moment einen sehr guten Job macht“, unterstreicht er. „Aber im Fußball soll man niemals nie sagen. Ich wohne in Schinne, nur zwölf Kilometer von Stendal entfernt, vielleicht wird das mal ein Thema, aber das liegt nicht nur an mir. Dazu gehören immer mehrere Seiten.“ In Brandenburg ist Aumanns Weg ohnehin noch nicht zu Ende. Er hat mit dem Erfolg im Pokal und den positiven Nebeneffekten in den sozialen Medien nur einen Höhepunkt erreicht.

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