FUSSBALL – OBERLIGA: Lok fährt Lohn für harte Trainingsarbeit ein

Erschwitzte Punkte

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Physisch überlegen: Der 1. FC Lok Stendal um Kapitän Philipp Groß (rechts) hat zuletzt zwei Spiele in Folge gewonnen, da die Mannschaft körperlich nach der Pause noch zulegen konnte. 

Berlin/Stendal – Die Stimmung im Presseraum des Charlottenburger FC Hertha war nach der jüngsten 0:2-Niederlage gegen den 1. FC Lok Stendal angespannt.

„Wenn die Spieler im Sommer beim Präsidenten sind und Forderungen stellen, erwarte ich auch, dass sie Leistung bringen“, ereiferte sich CFC-Coach Murat Tik.

Mit der Heimpleite gegen den Abstiegskandidaten aus der Altmark – das war offensichtlich – hatte im Berliner Lager trotz akuter Personalnot niemand gerechnet. Doch die Stendaler legten einen starken Auswärtsauftritt hin und ließen im zweiten Durchgang nicht mal mehr einen Torschuss des Gegners zu. Der Auswärtssieg war hochverdient, der Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz der gerechte Lohn.

Hartes Training trägt erste Früchte

Der größte Unterschied zwischen beiden Mannschaften lag auf dem engen Charlottenburger Kunstrasen im körperlichen Zustand der jeweiligen Spieler. Auf der einen Seite lauf- und zweikampffreudige Stendaler. Auf der anderen Seite ersatzgeschwächte Berliner, bei denen die letzten verbliebenen Stammkräfte im Winter die eine oder andere Trainingseinheit ausgelassen hatten.

„Wir sind viele Wege gegangen, haben unglaublich viele Zweikämpfe geführt. Man hat einfach gesehen, dass die Mannschaft fit ist“, freute sich Lok-Coach Jörn Schulz. Seine Spieler, das verriet er im Gespräch mit der AZ, seien körperlich jetzt da, wo er sie hinhaben wollte. Dass mit dem verbesserten physischen Zustand sogleich eine bessere Punktausbeute einhergeht, macht den im November als Retter geholten Stendaler Trainer glücklich: „Neun Punkte aus fünf Spielen sind eine gute Geschichte für uns. Die Jungs merken, dass es was bringt, wenn man im Training vielleicht ein bisschen mehr macht als andere Vereine.“

„Wichtig für den Kopf“

Der Start in die Rückrunde ist mit drei Siegen aus fünf Spielen geglückt. Zuletzt gelangen der Schulz-Elf sogar zwei Erfolge in Serie. Schade, dass dieser kleine Lauf nun von einer zweiwöchigen Pause unterbrochen wird – sollte man meinen.

Doch Jörn Schulz sieht die Dinge entspannt: „Die Jungs haben sich die Pause verdient. Es ist auch mal ganz gut, ein Wochenende nicht an Fußball denken zu müssen.“ Und immerhin bietet sich den Stendalern nun zwei Wochen der Blick auf ein wunschgemäßes Tabellenbild mit Lok auf Rang zwölf. „Dass wir das vor der Pause noch geschafft haben, ist wichtig für den Kopf“, sagt Schulz.

Schubert bis 2021, Klautzsch wieder da

Die Chancen auf den Klassenerhalt in der Oberliga Nord stehen also aktuell ganz gut. Dennoch plant der 1. FC Lok weiterhin zweigleisig. Mit Mittelfeldabräumer Steven Schubert wurde am Wochenende die Vertragsverlängerung eines weiteren Stammspielers bis Juni 2021 bekannt gegeben.

„Ich musste mir nur die Frage stellen, ob ich zusammen mit guten Freunden Fußball spielen möchte, bei dem Verein, für den ich seit meinem fünften Lebensjahr kicke. Ich musste nicht lange überlegen“, begründete der 25-Jährige seine Entscheidung pro Lok auf der Facebook-Präsenz des Vereins. Die Unterschrift Steven Schuberts wird nicht die letzte gewesen sein. Parallel laufen die Gespräche mit weiteren Leistungsträgern.

Geführt werden diese von Guido Klautzsch. Der frühere Jugendleiter des 1. FC Lok Stendal hat bereits vor einer Weile die Rolle des sportlichen Leiters eingenommen. Dies bestätigte Präsident Ulrich Nellessen auf Nachfrage der AZ. „Guido Klautzsch macht das richtig gut. Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben“, so Nellessen, der eine Installation Klautzschs als neuen Sport-Vorstand nicht ausschließen wollte: „Aktuell gehört er nicht zum Vorstand. Aber was nicht ist, kann noch werden!“ Sollte es so kommen und Klautzsch diese Verantwortung übernehmen, wäre auch die Lücke des im Sommer zurückgetretenen Ralf Troeger geschlossen.

VON TOBIAS HAACK

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