Volleyball – Erfolgsgeschichte des SSV Gardelegen fand ein jähes Ende

Die Erinnerungen bleiben haften

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So wie Jonas Rummel (Mitte), der beim USC Braunschweig in der 2. Bundesliga spielen wird, haben fast alle SSV-Spieler eine neue sportliche Heimat gefunden.

Gardelegen. Es war eine Erfolgsgeschichte, die in der westaltmärkischen Sportwelt sicherlich ihresgleichen sucht. Die Volleyballer des SSV Gardelegen schwangen sich in den letzten Jahren zu einer Leistung auf, die so überhaupt nicht zu erwarten war.

Doch dieses Kapitel fand nach der letzten Saison ein jähes Ende.

Der demografische Wandel schlug nämlich beim SSV mit voller Wucht zu und sorgte schließlich auch dafür, dass die erste Männermannschaft sogar aus dem Spielbetrieb zurückgezogen werden musste. „Im Prinzip war bereits im Vorfeld ein zeitlicher Horizont da. Mit dem Aufstieg in die Dritte Liga haben wir vielleicht diesen am Ende nötigen Schritt nur etwas hinausgezögert“, blickte André Rummel, Teammanager des SSV Gardelegen, zurück. „Wir haben eine wirklich super Zeit gehabt. Es ist schon toll, was wir zusammen aufgebaut haben und wie sich die Mannschaft Jahr für Jahr gesteigert hat. Ich denke, wir haben die Stadt Gardelegen und die gesamte Altmark über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht“, so Rummel weiter.

Das Gesamtkonzept hat funktioniert

Das Konstrukt „Volleyball in Gardelegen“, wie André Rummel es bezeichnet, hat einfach funktioniert. Insbesondere in den letzten beiden Jahren, als der SSV in der Regionalliga und in der Dritten Liga für Furore sorgte, hatten sich die Heimspiele der Gardelegener zu wahren Zuschauermagneten entwickelt – und das altmarkweit. Wenn der SSV seine Heimspiele in der „Willi-Friedrichs-Halle“ austrug, führte für die Zuschauer kein Weg daran vorbei. Da die Mannschaft zudem sportlich überaus erfolgreich spielte, platzte die Gardelegener Halle alle zwei Wochen fast aus allen Nähten. Zuletzt konnten sich die SSV-Männer fast immer über mindestens 300 Zuschauer freuen, die die „Willi-Friedrichs-Halle“ regelmäßig in einen Hexenkessel verwandelten und sicherlich auch die eine oder andere gegnerische Mannschaft durchaus beeindruckten. „Die Zuschauer haben die Mannschaft grandios unterstützt und immer für eine atemberaubende Stimmung gesorgt“, freute sich Rummel auch über die wachsende Begeisterung der Zuschauer.

Doch auch abseits des Feldes verzeichneten die Volleyballer eine stetige Steigerung. „Wir haben vieles gerissen, was überhaupt nicht zu erwarten war. An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal bei unseren Sponsoren bedanken, die uns stets die Treue gehalten haben und ohne die der Vorstoß in diese Spielklassen sicherlich nicht möglich gewesen wäre. Ein großes Dankeschön geht aber natürlich auch an die Eltern der Spieler, denn was sie bei den Heim- und auch bei den Auswärtsspielen geleistet haben, ist alles andere als selbstverständlich“, unterstreicht der Teammanager, der immer auf die Unterstützung der vielen fleißigen Helfer bauen konnte.

Gerhard Müller ist der Vater des Erfolgs

Vater des Erfolgs und dieses rasanten Aufstiegs ist ohne Frage Gerhard Müller. „Er hat die Weichen gestellt und nicht zuletzt mit seiner Nachwuchsarbeit dafür gesorgt, dass die Mannschaft diese Entwicklung genommen hat. Ihm gebührt die größte Anerkennung“, so Rummel. Es war nämlich die Nachwuchsmannschaft des SSV mit Philipp Lenz, Pascal Grothe, Lukas Kreißl oder auch Jonas Rummel, die sich unter der Leitung von Gerhard Müller zu großen Erfolgen aufschwang und später das Gerüst der ersten Männermannschaft stellen sollte. Höhepunkt der SSV-Erfolgsgeschichte war dabei sicherlich der Durchmarsch in der Regionalliga und der Aufstieg in die Dritte Liga Nord, wo am Ende ein respektabler siebter Tabellenplatz und der Klassenerhalt zu Buche stand. Und genau damit endete auch das wohl erfolgreichste Kapitel im Gardelegener Volleyball.

Mittlerweile haben fast alle Spieler der ehemaligen ersten Männermannschaft den Verein verlassen und sich bereits anderen Teams angeschlossen. Grund genug, um den Weg der bekannten Gesichter einmal nachzuzeichnen.

Weiterhin höherklassig unterwegs

Fast alle ehemaligen SSV-Spieler sind auch mit ihren neuen Vereinen höherklassig unterwegs. Kapitän Arne Kreißl, der seinen Lebensmittelpunkt seit einiger Zeit in Lüneburg hat und in Hamburg arbeitet, hat sich der SVG Lüneburg angeschlossen und spielt mit der zweiten Mannschaft in der Dritten Liga West.

Mit Pascal Grothe und Jonas Rummel, die beide ein Studium in Braunschweig absolvieren, sind gleich zwei Spieler zum USC Braunschweig gewechselt. Während Diagonalangreifer Pascal Grothe zunächst in der zweiten Mannschaft in der Oberliga Niedersachsen aktiv ist, hat sich Mittelblocker Jonas Rummel der ersten USC-Mannschaft angeschlossen und wird dort in der 2. Bundesliga Nord an das Netz gehen.

Außenangreifer Lukas Kreißl wohnt und studiert aktuell in Halle/Saale und wird in der kommenden Saison mit dem USV Halle I in der Regionalliga Nordost spielen. Diesen Weg nahm übrigens auch Mittelblocker Karl Bensing, der in Wernigerode wohnt und somit weiterhin zusammen mit Lukas Kreißl aktiv ist.

Mittelblocker Matthias Koepke tritt in Sachen Volleyball deutlich kürzer und wird sich den Gardelegener SSV-Routiniers, die in der Kreisliga aktiv sind, anschließen.

Bei Zuspieler Philipp Lenz und Libero Florian Winkler ruht der Volleyball hingegen völlig, denn beide haben den Ausdauersport, insbesondere den Triathlon, für sich entdeckt und stellen sich dabei einer gänzlich neuen sportlichen Herausforderung.

Außenangreifer Christoph Liebsch ist zum USC Magdeburg zurückgekehrt und wird in der Regionalliga Nordost aufschlagen. Mittelblocker Steffen Hendrysiak hat sich dem SV Fortuna Ballenstedt angeschlossen und spielt künftig in der Landesoberliga.

Libero Thomas Viehmann bleibt indes als einziger Spieler der ehemaligen ersten Mannschaft erhalten und wird, zumindest für eine Saison, bei der SSV-Reserve, den „Altmark Volleys“, die bekanntlich in die Landesoberliga aufgestiegen sind, spielen.

„Auch wenn die ganze Sache doch recht abrupt endete, habe ich für mich persönlich einen positiven Haken dahinter gemacht. Die überaus schönen Erinnerungen werden auf jeden Fall haften bleiben“, so Teammanager André Rummel, der sich nach anstrengenden Jahren eine Auszeit vom „aktiven“ Volleyball gönnt. Vielmehr freut sich Rummel, in der kommenden Saison darauf, „nur noch als Zuschauer dabei zu sein“.

Die bisherige zweite Mannschaft des SSV Gardelegen wird nun zwangsläufig in den Fokus rücken. Ob die „Altmark Volleys“, die übrigens ihre Landesoberliga-Heimspiele ebenfalls sonnabends 18 Uhr in der „Willi-Friedrichs-Halle“ austragen, allerdings an die so erfolgreichen Volleyball-Zeiten der jüngeren Vergangenheit anknüpfen können, darf jedoch bezweifelt werden.

Von Tobias Weber

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