FUSSBALL – OBERLIGA: Malchow von versuchter Manipulation betroffen

Eklat um Lok-Konkurrenten

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Nach der Regionalliga hat nun auch die Oberliga Nord ihren ersten Manipulations-Skandal. 

Malchow/Stendal – Es ist gerade einmal eine Woche her, da wurde Germania Halberstadts Sportlicher Leiter Andreas Petersen wegen versuchter Spielmanipulation in der Regionalliga mit einer Geldstrafe und einer Funktionssperre belegt. Weit weg, dachte man.

Doch nun wurde auch Lok Stendals Oberliga-Staffel von einem (versuchten) Manipulationsfall heimgesucht. Ereignet hat sich dieser im Vorfeld des Freitagsspiels zwischen dem Malchower SV und der TSG Neustrelitz. Die betroffenen Vereine sowie der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) haben sich umgehend distanziert, doch der Schock sitzt tief – auch beim 1. FC Lok Stendal.

„Es fällt mir schwer, das ernst zu nehmen. Wie kann ein Mensch für ein bisschen Geld so ein Risiko eingehen? Das ist doch ein Kamikaze-Akt“, kommentierte Lok-Präsident Ulrich Nellessen gestern auf AZ-Anfrage die jüngsten Ereignisse.

Konkret war dem Torhüter des Malchower SV, Filip Hnup, über seinen Berater ein 1.000 Euro-Angebot gemacht worden. Bedingung: Zwei Gegentore im ersten Durchgang. Hnup schlug den Deal aus und meldete den Vorfall seinem Trainer Sven Lange. „Es spricht für den Spieler, dass er sich gleich bei uns gemeldet hat, als das Angebot kam“, lobte MSV-Fußballchef Bernd Klein seinen Schlussmann für dessen Ehrlichkeit im „Nordkurier“. Pikanterweise kassierte Hnup dennoch zwei Gegentreffer im ersten Abschnitt. Diese seien allerdings unhaltbar gewesen, wie alle Beteiligten bestätigten. Die Partie endete dann auch mit einem erwartbaren 4:1 für die favorisierten Neustrelitzer.

Dem tschechischen Spielerberater Jan Hornik und der Agentur FOCI, die noch zwei weitere Akteure bei Malchow unter Vertrag hat, droht nun ein juristisches Nachspiel. Der Malchower SV und der NOFV haben Strafanzeige gestellt. Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg prüft den Verdacht einer Straftat. Berater Hornik wurde noch am Freitag von MSV-Trainer Lange zur Rede gestellt und tat die Angelegenheit à la Petersen als „Spaß“ ab.

Beim NOFV, der derzeit ohnehin mit genug Problemen zu kämpfen hat, kann über diesen vermeintlichen Spaß niemand lachen. „Es ist natürlich ein Schock, aber es kommt auch nicht überraschend, dass es irgendwann auch mal die Oberliga trifft“, erklärt Staffelleiter Ulf Kuchel. „Der Fußball ist auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Warum sollen hier nicht auch Korruption und Manipulation Einzug erhalten? Der Amateur-Fußball ist kein Hort der Glückseligkeit. So was kann leider immer passieren.“ Versuchte Spielmanipulationen seien laut Kuchel weder vom NOFV noch vom DFB, der ebenfalls eingeschaltet ist, verhinderbar. Was in den Händen der Verbände liegt, werde allerdings getan: „Die Vereine sind informiert, wie sie sich verhalten sollen und müssen nur den Mut haben, sich zu melden. Sie stehen ja dann nicht unter Verdacht. Malchow hat zum Beispiel alles richtig gemacht.“

Beim 1. FC Lok Stendal, der von solchen Skandalen bislang verschont geblieben ist, herrscht ohnehin Skepsis gegenüber der Berater-Branche vor. „Viele Berater halte ich nicht für integer. Die meisten sind nur an ihrem Geld interessiert. Da sind wir sehr vorsichtig“, versichert Nellessen. Gänzlich ausschließen kann allerdings auch der Lok-Präsident nicht, dass eines Tages auch sein Verein mit einem unmoralischen Angebot konfrontiert wird: „Der Mensch ist zu allem fähig, vor allem, wenn Geld im Spiel ist. So was ist immer eine Charakterfrage.“ Einen Verhaltenskodex oder ähnliche Maßnahmen vonseiten des 1. FC Lok für sein kickendes Personal hält Nellessen nicht für zielführend. „Papier ist geduldig. Wir vertrauen der Integrität jedes Spielers. Mehr können wir nicht tun.“

Vereinen und Verbänden bleibt im Manipulationsfall von Malchow nur die Hoffnung auf einen gescheiterten Einzelfall. Schließlich könnten geglückte Betrügereien auf anderen Plätzen für Klubs wie den 1. FC Lok Stendal verheerende Folgen im Abstiegskampf haben.

VON TOBIAS HAACK

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