Fußball: Fan-Attacke auf Schiedsrichter überschattet die Hallenkreismeisterschaft

Ein Einzelfall zu viel

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Mit vereinten Kräften gelang es den Post-Spielern Steve Rauschenbach (rechts) und René Sawatzki (Nummer 3) ihren aufgebrachten Anhänger wieder vom Schiedsrichter weg hinter die Bande zu zerren. 

Goldbeck. Der Post SV Stendal hat bei der Hallenkreismeisterschaft am vergangenen Sonnabend in Goldbeck eine der sportlichen Erfolgsgeschichten geschrieben.

Als Außenseiter in einer schwierigen Gruppe zogen die Röxer überraschend ins Halbfinale ein, scheiterten dort erst im Neunmeterschießen und wurden letztlich Dritter. Ein durch und durch positiver Nachmittag für den Kreisoberligisten, wäre da nicht das letzte Vorrundenspiel gegen Empor Kamern (1:5) gewesen. In einer tabellarisch nahezu bedeutungslosen Partie kam es zum Eklat, als ein Post-Anhänger das Feld stürmte und Schiedsrichter Detlef Kleinat attackierte.

Zwar wurde der Unparteiische umgehend von einigen Spielern geschützt und der Angreifer der Halle verwiesen, doch der Schreck saß bei allen Beteiligten tief. „Solche Dinge verabscheuen wir zutiefst. Das geht überhaupt nicht“, kommentierte der KFV-Vorsitzende, Werner Meinschien. Geht es nach dem Willen des KFV-Oberhaupts soll der Aussetzer des Fans und Vaters eines Post-Spielers nicht folgenlos bleiben. „Wir haben nicht vor, einen Verein für das Verhaltens eines Einzelnen in Sippenhaft zu nehmen, aber wir bleiben da dran und werden aktiv, sobald wir etwas konkretes in der Hand haben. Da der betroffene Verein uns gegenüber aber gesagt hat, dass diese Person nicht zu ihrem Verein gehört, wird es schwierig, den Fall vor das Sportgericht zu bekommen“, erklärt Meinschien, dass der KFV derzeit kaum Möglichkeiten besitzt, die Attacke zu bestrafen.

Unabhängig davon, ob der Vorfall vor dem Sportgericht landet oder nicht, sieht sich Post Stendal als betroffener Klub schon jetzt bestraft genug. „Das ist extrem ärgerlich! Da machst du sportlich alles richtig und legst einen überzeugenden Auftritt hin und alles, worüber hinterher geredet wird, ist so eine Aktion“, klagt Post-Trainer und Abteilungsleiter Steffen Lenz, der nun einen Image-Schaden für seinen Klub fürchtet. Es wäre ein schmerzhafter Rückschritt, nachdem die Stendaler in jüngerer Vergangenheit durchweg positive Schlagzeilen fabriziert hatten. „Wir haben wirklich viel gearbeitet, um uns wieder einen positiven Namen zu machen. So eine Aktion wie am Sonnabend geht natürlich nicht, aber irgendwo kannst du sowas als Verein auch nicht beeinflussen“, so Lenz, der sich im Namen des Klubs noch in der Halle beim KFV entschuldigt hatte.

Michael Müller, Vorsitzender des KFV-Schiedsrichter-Ausschusses, war in Goldbeck ebenfalls vor Ort und reagiert mit Unverständnis: „Wenn man die gesamte Anzahl von Spielen im KFV sieht und vergleicht wie oft etwas passiert, können wir hier zum Glück von einem Einzelfall sprechen. Allerdings ist jeder Einzelfall schon einer zu viel.“ Immerhin, so Müller, sei die unmittelbare Reaktion aller Beteiligten richtig gewesen. „Der Schiedsrichter wurde sofort von Spielern und anderen Schiedsrichtern geschützt und der KFV hat korrekt gehandelt, dem Angreifer ein Hausverbot zu erteilen, was zum Glück auch eingehalten wurde“, resümiert der Ausschuss-Vorsitzende. Ein Nachspiel für Post oder den Veranstalter schließt Müller aus.

Von Tobias Haack

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