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„Tradition schlägt jeden Trend“

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Von: Renee Sensenschmidt

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zwei Fußballspieler und ein Pokal
Zwei, die zusammen durch dick und dünn gehen: Kevin Gebert (l.) und Gregor Roth spielen seit der F-Jugend bei Eintracht Salzwedel zusammen Fußball. © Sensenschmidt

Salzwedel – Dunkle Zeiten, triste Tage, immer weiter keine Frage – die Anhänger des SV Eintracht Salzwedel erinnerten mit einer Choreo vor dem Spiel gegen den 1. FC Lok Stendal II an die Durststrecke ihres Vereins, die am Sonntag mit dem Titelgewinn in der Fußball-Landesklasse I endete. Denn durch den abschließenden 5:0-Sieg (AZ berichtete) kehren die Jeetzestädter nach zehn Jahren endlich wieder in die Landesliga zurück.

Interne Querelen hatten 2011 dazu geführt, dass neun Stammspieler den Verein verließen, die Mannschaft in der Saison 2011/12 in der Landesliga nicht mehr konkurrenzfähig war und mit nur sieben erspielten Punkten absteigen musste. Gregor Roth, Stefan Schmidt-Seifert, Kevin Gebert und Dennis Röhl standen damals im Kader und erinnern sich nur ungern an die damaligen Geschehnisse. Doch das Quartett gehörte zu den Spielern, die ihrem Verein in dieser schweren Zeit die Treue hielten und einen großen Beitrag leisteten, damit die Eintracht nun die Rückkehr in die Landesliga schaffen konnte.

„Der Aufstieg ist für mich der perfekte Abschluss. Ich bin glücklich, dass ich es mit den Jungs endlich geschafft habe. Die Mannschaft ist gereift, die jungen Spieler können nun das Zepter übernehmen“, meinte der 36-jährige Stefan Schmidt-Seifert, der den damaligen Abstieg als „bitter“ empfand, für den ein Wechsel zum SV Liesten aber keine Option war. Ganz aufhören wird der erfahrene Mittelfeldspieler aber nicht, bei den Alten Herren wird sich Stefan Schmidt-Seifert weiter fit halten und der Eintracht erhalten bleiben.

Seit 1996 spielen Kevin Gebert und Gregor Roth gemeinsam Fußball beim SV Eintracht Salzwedel und haben ab der F-Jugend alle Altersklassen bei den Jeetzestädtern durchlaufen. Diese Zeit mit allen Höhen und Tiefen schweißt zusammen und so ist für die beiden 32-Jährigen der Wiederaufstieg auch eine Art Genugtuung. „Die damalige Situation war für mich als junger Spieler enttäuschend“, erinnert sich Gregor Roth, der wie Kumpel Kevin zum Führungsspieler wurde und sich mit der Eintracht in der Landesklasse wieder stabilisierte. „Tradition schlägt jeden Trend. Wir setzten auf den Nachwuchs und dieser Weg hat sich heute ausgezahlt. Man kann auch mit Eigengewächsen aufsteigen“, konnte sich Kevin Gebert einen Seitenhieb auf den Stadtrivalen SV Liesten, zudem 2012 sechs Spieler gewechselt waren, nicht verkneifen. „Wir sehen uns als Leitfiguren und leben es unseren jungen Mitspielern vor, dass es sich lohnt, dem Verein die Treue zu halten“, erklärt Kevin Gebert, der eigentlich seine Laufbahn beenden wollte, aber nun noch ein weiteres Jahr dranhängen wird. „Wir wollen in der Landesliga eine gute Rolle spielen und ich werde der Mannschaft mit meiner Erfahrung weiter helfen“, begründet der langjährige Mittelfeldspieler, der in den zurückliegenden Wochen auf einer für ihn neuen Position als Innenverteidiger starke Leistungen ablieferte und der mit dem Führungstreffer gegen die Lok-Zweite das wahrscheinlich wichtigste Tor seiner Laufbahn erzielt hat.

Der Aufstieg kam für Gregor Roth und Kevin Gebert ein wenig überraschend. „Unser Trainer meinte vor der Saison, dass wir zu den Top Drei gehören. Wir beide waren da eher skeptisch“, blickt Gregor Roth, der auf vielen Position einsetzbar ist, zurück. Doch es lief besser, als erwartet. Die Ergebnisse stimmten, in der Hinrunde blieb die Eintracht ungeschlagen. Einzig gegen den Osterburger FC und den SV Liesten konnte nicht gewonnen werden. Die Eintracht ging als Tabellenführer in die Corona-Zwangspause und kam im Frühjahr auch wieder gut aus den Startlöchern, während die Konkurrenz mehrfach patzte. Staffelsieg und Aufstieg rückten in greifbare Nähe, ehe die beiden Heimniederlagen gegen Osterburg (0:2) und Krevese (0:1) sowie die 1:5-Pleite in Uchtspringe das Titelrennen wieder spannend machten.

„Nach dem 1:5 haben wir uns zusammengesetzt und die noch ausstehenden fünf Saisonspiele als Endspiele deklariert. Was wir uns durch eine starke Hinrunde erarbeitet hatten, wollten wir uns nicht mehr nehmen lassen. Wir hatten die Meisterschaft immer noch in der eigenen Hand und wir haben mit fünf Siegen unser Trauma, unter Druck nicht mehr abliefern zu können, abgelegt“, blickt Trainer Helge Kietzke auf die entscheidende Phase der Meisterschaft zurück. In den Jahren 2016, 2017 und 2019 hatte der SVE dreimal den möglichen Aufstieg verpasst.

„Für mich persönlich war es mehr eine Erleichterung, den Verein wieder mit dahin geführt zu haben, wo er einfach hingehört. Diese zehn Jahre in der Landesklasse waren von Anfang nicht leicht, da nach dem Abstieg ein kompletter Umbruch stattgefunden hat. Jetzt wieder zurück zu sein, kann man nicht in Worte fassen“, so Dennis Röhl, der in dieser Zeit den endgültigen Wechsel vom Feldspieler zum Torhüter vollzogen hat. Eigentlich schon verabschiedet, ließ Röhl seinen Verein nicht hängen, als zu Beginn der Saison plötzlich die Torhüter-Position vakant war. Der Aufstieg sorgt zudem dafür, dass Dennis Röhl erst einmal nicht ans Aufhören denkt. „Ich werde definitiv in der Landesliga weitermachen. Allerdings schauen wir uns nach Alternativen im Tor um, denn ich werde ja nicht jünger.“ Seine Aufgaben als Teammanager wird der 32-Jährige etwas zurückschrauben, da beides nach eigener Aussage über eine gesamte Saison nicht zu 100 Prozent funktioniert. „Dafür wollen wir auch den Trainerstab entsprechend ausweiten, um die Aufgaben besser zu verteilen. Denn die Landesliga ist noch mal was anderes. Da will ich mich ganz auf das Spielen konzentrieren“, schaut der Torhüter nach den Feierlichkeiten bereits wieder nach vorn, damit die Eintracht wieder eine feste Größe in der zweithöchsten Spielklasse des Bundeslandes wird.

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