Eintracht sorgt für Sensation

3:2 gegen Lok Stendal: Salzwedel besiegt den „König der Altmark“

Rauchbombe sorgte bei Fußballspiel für schlechte Sicht
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2003 ging es im Verbandsliga-Derby zwischen Eintracht Salzwedel und dem 1. FC Lok Stendal hoch her. Eine Rauchbombe sorgte für eine mehrminütige Spielunterbrechung und am Ende siegte Außenseiter Salzwedel mit 3:2.
  • Renee Sensenschmidt
    VonRenee Sensenschmidt
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Salzwedel – Die Fußballer des 1. FC Lok Stendal und der Vorgängervereine sind seit vielen Jahrzehnten die sportlichen Aushängeschilder in dieser Sportart in der Altmark. Einst in der DDR-Oberliga und nach der Wende sogar die Nummer 1 in Sachsen-Anhalt, konnten die Rolandstädter ihre Vormachtstellung in der Region stets behaupten. Nur selten gelang es einer Mannschaft dem schier übermächtigen Altmarkrivalen ein Bein zu stellen. So wie Eintracht Salzwedel in der Verbandsliga-Saison 2003/04.

Einmal in einer Liga

In der Vorsaison waren die Stendaler nach vielen Jahren aus der Oberliga Nord abgestiegen, während die Eintracht als Meister der Landesliga Nord in das Oberhaus des Bundeslandes aufgestiegen war. Am 8. November 2003 erwartete der Aufsteiger den Absteiger auf dem heimischen „Flora-Sportplatz“, der mit 729 zahlenden Zuschauern sehr gut gefüllt war. Und die Fans bekamen alles geboten, was ein Derby so ausmacht. Von der sportlichen Sensation bis hin zum Einsatz der Polizei.

Nach einem schlechten Saisonstart betrat der Neuling als Tabellenletzter das Spielfeld. Dennoch rechnete sich die Elf von Trainer Otto Ness nach zuvor drei Heimsiegen in Folge etwas gegen den Tabellensiebten aus. Die Stendaler steckten zu diesem Zeitpunkt mit für sie mageren 15 Punkten aus elf Begegnungen weiterhin in der sportlichen Krise, die bereits die Ablösung von Trainer Bernd Zahn durch Mike Klenge zur Folge hatte.

Schlagabtausch

Und die Eintracht begann selbstbewusst. Bereits nach drei Minuten setzte Marian Falkenhagen den Ball in den Torwinkel, der Treffer zählte aufgrund einer Abseitsstellung von Passgeber Stephan Michaels jedoch nicht. Danach sahen die Zuschauer einen offenen Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Die Gäste hatten dabei zweimal Pech. Steve Garlipp traf nur den Pfosten, Mario Bittner die Latte. Zwischen diesen beiden Szenen hatte Marian Falkenhagen zur 1:0-Führung für den SVE eingenetzt (12.). Und es kam noch besser für die Eintracht, denn Lok-Keeper Norman Schubert ließ einen haltbaren Freistoß aus großer Entfernung durch seine Hände rutschen. Thomas Schulz war in der 22. Minute der umjubelte Torschütze. Fünf Minuten später ließ Marco Stach mit seinem Anschlusstreffer per Kopf die Stendaler wieder hoffen.

In der Halbzeitpause spielten sich dann einige Jagdszenen ab. Einige Lok-Fans suchten die Auseinandersetzung mit den Eintracht-Zuschauern, sie wurden aber durch das kompromisslose Eingreifen der zahlreich vertretenen Polizei gestoppt.

Nebelwand

Zu Beginn der zweiten Halbzeit musste Schiedsrichter Thomas Westphal (Bölsdorf) die Partie für einige Minuten unterbrechen, denn eine Rauchbombe aus dem Lok-Anhang hatte für eine dicke „Nebelwand“ gesorgt. Anschließend sorgte die Einwechslung von Henry Berg für viel Druck, doch diesem hielt die Eintracht-Defensive mit hoher Einsatzbereitschaft stand. Und die Gastgeber konterten. In der 78. Minute legte Falkenhagen für Matthias Maschke auf, der zum 3:1 traf. Marco Stach (84.) verkürzte für Lok. Kurz vor dem Abpfiff verhinderte Eintracht-Keeper Michael Piotrowski mit einer Glanzparade beim Kopfball von Michael Winkelmann den möglichen Ausgleich und machte das „Wunder von Salzwedel“ perfekt. Der Eintracht-Anhang jubelte ausgelassen, während die Lok-Fans ihr Plakat mit der Aufschrift „König der Altmark“ längst eingerollt hatten. Die Lok-Spieler und Trainer Mike Klenge erwiesen sich als faire Verlierer und gratulierten der Eintracht zum aus ihrer Sicht „verdienten Erfolg“.

Erinnerungen

Bei zahlreichen Eintracht-Spielern ist der Erfolg bereits verblasst, die Erinnerungen halten sich in Grenzen. „An Einzelheiten des Spiels kann ich mich nicht mehr erinnern, an den Rauch schon“, so Verteidiger Holger Neumann, der sich damals mit Mario Wesche tolle Zweikämpfe geliefert hatte. Bei Abwehrkollege Dirk Peuckert gibt es indes keine Erinnerungslücken. „Das war ein geiles Spiel. Die Zweikämpfe mit Henry Berg waren echt hart und eine Herausforderung für mich“, so der damals 18-Jährige, der vor Bergs Einwechslung dessen Teamkollegen Tino Nagel abgemeldet hatte.

Müller trifft

AZ-Kolumnist Günther Unnau, der bis zu seinem Tod die wechselvolle Geschichte der Eisenbahner hautnah verfolgte, stellte nach dem Derby die Frage nach der Nummer eins in der Region. Der weitere Saisonverlauf und die Folgejahre sollten diese Frage eindeutig beantworten. Während die Eintracht nach nur einer Saison aufgrund einer permanenten Auswärtsschwäche wieder abstieg und inzwischen in der Landesklasse spielt, sind die Stendaler später in die Oberliga zurückgekehrt. Doch noch einmal sollte die Eintracht am Nimbus der Stendaler kratzen. Zwölf Jahre später besiegten die Jeetzestädter im Landespokal den großen Altmarkrivalen mit 1:0. Torschütze war Philip Müller der beim Duell 2003 an der Hand des damaligen Lok-Kapitäns Randy Gottwald als Auflaufkind dabei war.

Statistik

Eintracht Salzwedel: Piotrowski - Wenda (90. Adam), Maschke, Trostmann, Peuckert, Schulz, Treichel, Michaels, Krahn, Neumann, Falkenhagen.

1. FC Lok Stendal: Schubert - Schmidt, Winkelmann, Gottwald, Conrad, Garlipp (53. Körner), Stach, Bittner, Wesche, Böhme, Nagel (59. Berg).

SR: Westphal (Bölsdorf).

Zuschauer: 729.

Tore: 1:0 Falkenhagen (12.), 2:0 Schulz (22.), 2:1 Stach (27.), 3:1 Maschke (78.), 3:2 Stach (84.).

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