FUSSBALL – 3. LIGA Der FCM zwischen Trainerverschleiß und Abstiegsangst

Eine Saison zum Vergessen

Der Retter: Thomas Hoßmang.
+
Der Retter: Thomas Hoßmang.

Magdeburg – Trainerverschleiß, großes Zittern um den Klassenerhalt, eklatante Offensivschwächen: Der 1. FC Magdeburg erlebte eine Drittliga-Saison zum Vergessen. Aber zumindest eine mit einem versöhnlichen Ende auf der Zielgeraden.

„In solch eine Bredouille darf dieser Verein nie wieder geraten.“ Was Interimstrainer Thomas Hoßmang nach dem letzten Saisonspiel sagte, drückte all den Schmerz und die Angst vor einem möglichen zweifachen Abstieg und damit den Absturz in die fußballerische Bedeutungslosigkeit aus.

Dabei war der FCM noch recht zuversichtlich in die Saison gestartet. Nach einem Jahr in der 2. Bundesliga sollte ein langsamer Umbruch folgen und ein erneuter Aufstieg innerhalb der kommenden drei Jahre realisiert werden. Was Geschäftsführer Mario Kallnik und der damalige Sportliche Leiter Maik Franz im Sommer 2019 formulierten, änderte sich zeitnah. Wir blicken auf eine turbulente Saison zurück.

Der Geschasste: Stefan Krämer.

Sechs Siege, neun Unentschieden, fünf Niederlagen: Die Bilanz unter Stefan Krämer, der Mitte Juni 2019 als neuer Chefcoach vorgestellt wurde und einen Zweijahresvertrag erhielt, war in einer extrem ausgeglichenen 3. Liga ordentlich. Ihm war die Aufgabe gegeben worden, aus zehn arrivierten und 15 neuen Spielern eine Mannschaft zu formen. Eine Herausforderung, für die es Zeit brauchte. Doch die hatte Krämer kaum. Er konnte einen Fehlstart nicht verhindern. Den ersten Sieg holten die Magdeburger erst am vierten Spieltag mit dem 3:1 in Meppen. Was folgte, war eine lange ungeschlagene Phase.

Aber auch eine mit zahlreichen Unentschieden. Dennoch gelang am 16. Spieltag der Sprung auf Platz sechs der Tabelle. Die höchste Platzierung des Clubs in der gesamten Saison. Die Tuchfühlung nach oben war da, der Abstand nach unten aber auch nicht so groß. Das größte Manko: die Chancenverwertung. Zwar kamen die Krämer-Schützlinge zu Möglichkeiten, schlugen aber kaum Kapital daraus. Viel zu selten landete der Ball im Tor. Der FCM-Führung war das zu wenig. Nach dem 2:2 am 20. Spieltag in Braunschweig vier Tage vor Weihnachten und Platz zwölf in der Tabelle wurde Krämer freigestellt. „In Analyse der großen Leistungsschwankungen sehen wir unsere Entwicklungsziele gefährdet“, begründete Kallnik seinerzeit die Entscheidung.

Der Lautstarke: Claus-Dieter Wollitz.

Tags darauf wurde Claus-Dieter Wollitz als neuer Cheftrainer installiert. Seine erste Einheit leitete „Pele“ am 2. Januar 2020. Dem lautstarken Antreiber gelang es aber ebenfalls nicht, aus den Spielern eine Einheit zu formen. Im Gegenteil. Unter ihm stürzte der FCM noch tiefer in die Krise. Die coronabedingte Zwangspause half da nur wenig. Nach gut zwei Monaten ohne Pflichtspiel machte der FCM dort weiter, wo er aufgehört hatte – mit schwankenden Leistungen. Und schlechten Resultaten. Nach dem Re-Start Ende Mai gab es nur einen Dreier – das 0:1 bei den Würzburger Kickers. Nach insgesamt fünf Niederlagen, vier Unentschieden und nur zwei Siegen zog die Vereinsführung die Reißleine. Wollitz musste nach der 1:3-Niederlage am 9. Juni in Rostock gehen. Magdeburg rangierte auf Platz 13.

Als Interimslösung sollte Thomas Hoßmang den Verein vor dem Absturz in die Regionalliga bewahren. Sieben Spieltage vor dem Saisonende eine harte Nuss, die er zu knacken hatte. Doch dem Leiter des NLZ gelang, was den anderen beiden Trainern zuvor nicht vergönnt war: Er formte innerhalb kürzester Zeit eine Einheit aus den Spielern. „Er hat es einfach gehalten“, erklärte Kapitän Christian Beck nach dem ersten Sieg unter Hoßmang in dessen erstem Spiel an der Seitenlinie. Das 2:0 über Viktoria Köln gab Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt. Plötzlich waren sie zurück, die viel beschworenen Magdeburger Tugenden. Mit Kampfgeist, Leidenschaft und dem unbedingten Siegeswillen gelang es, die 3. Liga zu halten.

Doch auch unter Hoßmang wurden die Probleme, die sich wie ein roter Faden durch die Saison zogen, sichtbar. In der Offensive hatte Blau-Weiß kaum Durchschlagskraft. Vor allem dann, wenn ein Dreier schon im Vorfeld sicher schien, wie gegen Großaspach, versagten die Nerven. Erst beim Aufstiegskandidaten FC Ingolstadt, als kaum jemand den FCM auf der Rechnung hatte, schlug er zu. Hoßmangs Matchplan ging auf, durch den 2:0-Auswärtssieg war der Klassenerhalt am vorletzten Spieltag gesichert. Die Erleichterung war genauso groß wie die Erschöpfung. In fünf Wochen mussten elf Spiele durchgezogen werden. Die Profis gingen an ihre Grenzen. Der Kader schrumpfte, ein Spieler nach dem anderen fiel verletzungsbedingt aus. Hoßmang musste jonglieren, nahm auch immer wieder U19-Spieler mit ins Team.

Der FCM beendet eine inkonstante Saison auf Platz 14. Mit zwei Siegen, vier Unentschieden und nur einer Niederlage konnte sich Hoßmang für den Cheftrainerposten empfehlen. Doch nicht nur die Ergebnisse sprechen für ihn. Er hat es geschafft, dass die Spieler enger zusammenrückten, dass jeder für jeden auf dem Rasen alles gab. Dass der FCM wieder eine Mannschaft wurde. Ob er in der kommenden Saison als Cheftrainer fungiert, wird in den nächsten Wochen entschieden. Schon jetzt stehen acht Abgänge fest. Es wird also wieder mehrere Neuzugänge geben, die zu integrieren sind. Ein erneuter Umbruch steht bevor. VON SABINE LINDENAU

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare